Datum29.07.2026 17:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRUS-Psychologinnen der UCLA legen eine Studie vor, die einen Zusammenhang zwischen Smartphonebesitz bei Grundschulkindern und schlechterem Leseverständnis nahelegt. Die Untersuchung an 106 Kindern in Kalifornien deutet darauf hin, dass der Besitz eines Smartphones, unabhängig vom Nutzungskontext, negativen Einfluss hat. Texten auf dem Smartphone kann Kindern mit nicht-englischer Muttersprache helfen, ihr Leseverständnis zu verbessern. Die Forscherinnen kritisieren den Mangel an experimenteller Forschung zu diesem Thema.
InhaltViel Meinung, wenig Experimente: So fassen Psychologinnen aus Los Angeles den Forschungsstand zur Auswirkung digitaler Geräte auf die Schulbildung zusammen. Ihre Versuche sollen Licht in die Sache bringen. Die Verbreitung von Smartphones könnte hinter dem abnehmenden Leseverständnis von Grundschulkindern in den USA stehen. Zu diesem Schluss kommen Psychologinnen der University of California in Los Angeles in einer Studie, die in der Fachzeitschrift "Behavioral Sciences" veröffentlicht wurde. Die Forscherinnen untersuchten in Südkalifornien 106 Kinder verschiedener sozialer und kultureller Hintergründe in der dritten und der sechsten Klasse. Sie wurden im Unterricht beobachtet und anschließend über gelesene Texte befragt. Zudem füllten die Kinder Fragebögen zu ihrer Smartphonenutzung aus. Demnach entwickelten Kinder, die ein Smartphone besaßen, ein schlechteres Leseverständnis als jene ohne ein solches Gerät. Auch wenn die Studie nur eine Korrelation belegt, halten die Psychologinnen einen kausalen Zusammenhang für wahrscheinlich. "Wir haben kein Alter gefunden, in dem es besser oder schlechter für das Leseverständnis wäre, Ihrem Kind ein Telefon zu geben", wurde Hauptautorin Patricia Greenfield in einer Mitteilung der Universität zitiert. "Es dreht sich nur darum, ob sie überhaupt eines haben." Die Frage, ob die Kinder ihr Smartphone in die Schule mitbringen oder zu Hause lassen, habe dagegen anscheinend keinen messbaren Einfluss – entgegen der weitverbreiteten Diskussion über Smartphoneverbote in der Schule. Die Forscherinnen fanden, gemessen an der öffentlichen Debatte über das Thema, "verblüffend wenig experimentelle Forschung". Lediglich zwei frühere Studien dienten ihnen als Referenz, mit gemischten Ergebnissen zur Wirkung von Smartphones auf Schulkinder: Der einen Arbeit zufolge könnte das Schreiben von Textnachrichten beim Erfassen von Bedeutung behilflich sein; einer anderen zufolge beeinträchtigt das Texten jedoch grundlegende Lesetechniken beim Erfassen von Buchstaben und Wörtern. Den Autorinnen zufolge konnte die Studie einen möglichen Effekt direkter Ablenkung durch Smartphones im Unterricht nicht messen, weil die Kinder währenddessen keine Pushmeldungen erhielten. Immerhin einen positiven Effekt fanden die Forscherinnen: Kinder mit einer anderen Muttersprache als Englisch konnten ein besseres Leseverständnis entwickeln, je früher sie auf ihrem Smartphone Textnachrichten schrieben. Für Kinder, die zu Hause Englisch sprechen, galt dies jedoch nicht.