65. Verhandlungstag: Block-Prozess: Gutachten zu Folgen der Entführung für Kinder

Datum29.07.2026 16:59

Quellewww.zeit.de

TLDRIm Hamburger Block-Prozess wurde ein Gutachten zu den psychischen Folgen der Entführung für die beiden Kinder von Christina Block verlesen. Die Jugendpsychiaterin schilderte die Auswirkungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Kinder waren Silvester 2023/24 entführt und dann nach einem Gerichtsbeschluss nach Dänemark zurückgebracht worden. Christina Block ist angeklagt, eine Sicherheitsfirma mit der Entführung beauftragt zu haben, was sie bestreitet. Das Gutachten könnte das Strafmaß beeinflussen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „65. Verhandlungstag“. Lesen Sie jetzt „Block-Prozess: Gutachten zu Folgen der Entführung für Kinder“. Im Hamburger Block-Prozess hat eine Jugendpsychiaterin dem Gericht die Folgen der Entführung für die beiden Kinder beschrieben. Die Vorstellung des Gutachtens fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Landgericht statt.  Die Sachverständige Mareike Schüler-Springorum habe ihr Gutachten detailliert vorgetragen, berichtete ein Prozessteilnehmer. Die Strafkammer hat auch den nächsten Verhandlungstag am 7. August für das Thema eingeplant. Das Gutachten könnte bei einer Verurteilung der Angeklagten Einfluss auf das Strafmaß haben. Die beiden jüngsten Kinder von Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel waren in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort des Vaters in Dänemark entführt und nach Süddeutschland gebracht worden. Christina Block holte sie am 2. Januar von einem Bauernhof bei Pforzheim ab und fuhr mit ihnen nach Hamburg. Aufgrund eines Gerichtsbeschlusses mussten die Kinder am 5. Januar 2024 zu ihrem Vater nach Dänemark zurückkehren. Christina Block, Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette "Block House", Eugen Block, ist angeklagt, eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihren damals zehn Jahre alten Sohn und ihre 13-jährige Tochter zu entführen. Die 53-Jährige bestreitet das. Zum Ablauf der Rückholaktion wurden in dem seit über einem Jahr laufenden Prozess schon viele Angaben gemacht. Laut Anklage lauerten mehrere Männer dem Vater und den Kindern auf, als sie das Silvesterfeuerwerk beobachteten. Die Täter schlugen demnach Hensel nieder und zerrten den Jungen und das Mädchen, die sich wehrten, in ein Auto. Der Zehnjährige trug einen Alarmknopf der dänischen Polizei, der Tonaufnahmen ermöglichte. Im November waren die neun Aufnahmen im Prozess abgespielt worden. Es waren unterdrückte Schreie, Wimmern und Keuchen sowie Männerstimmen zu hören, die große Betroffenheit bei den Anwesenden im Saal auslösten. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Entführer den Kindern mit Klebeband den Mund verschlossen haben. Die Tochter sei an den Händen gefesselt worden. Mit einem Wohnmobil fuhr die Gruppe weiter nach Baden-Württemberg. Dort blieben die Kinder bis zum Eintreffen der Mutter am 1. Januar 2024. Der Tat war ein langer Sorgerechtsstreit vorausgegangen. Hensel hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht mehr zur Mutter zurückgebracht. Gerichte bestätigten, dass Block das Aufenthaltsbestimmungsrecht hatte und der Vater die Kinder zurückgeben müsse. Die 53-Jährige konnte diesen Anspruch aber in Dänemark nicht durchsetzen. Hensels neue Ehefrau Astrid Have hatte im November als Zeugin gesagt, der Junge und das Mädchen hätten nach der Rückkehr nach Dänemark große Angst gehabt. Wochenlang seien sie nicht aus dem Haus gegangen. Nach Angaben von Christina Block hatten sich die Kinder nach der Rückholung bei ihr wohlgefühlt. Nach anfänglichen Spannungen hätten sie in ihrem Haus gespielt und Pläne für die Neugestaltung ihrer Zimmer geschmiedet.  Eine ehemalige Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts, die die Kinder im Haus der Mutter besucht hatte, bestätigte das. Als Zeugin berichtete sie von einer ausgelassenen Stimmung. Die Kinder hätten keine Anzeichen dafür gezeigt, dass sie nicht im Haus ihrer Mutter sein wollten.  Vor Beginn der Anhörung der Sachverständigen Mareike Schüler-Springorum hatte die Strafkammer am Dienstag die Zuschauer aus dem Saal geschickt. Als Grund nannte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt die schutzbedürftigen Interessen der Kinder. Diese könnten durch Bekanntwerden von Informationen im Gutachten verletzt werden.  Neben Christina Block gibt es noch sechs weitere Angeklagte. Nur einer von ihnen, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt. Blocks Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling (67), ist wegen Beihilfe angeklagt. © dpa-infocom, dpa:260729-930-456607/1