Trockenheit: Wasserknappheit: Ministerin fordert umsichtige Nutzung

Datum29.07.2026 16:01

Quellewww.zeit.de

TLDRBrandenburg leidet unter extremer Trockenheit mit Niedrigwasser und Rekordtiefständen bei Seen und Grundwasser. Die Spree ist besonders betroffen, was die Wasserversorgung der Hauptstadtregion gefährdet. Lösungsansätze umfassen länderübergreifende Maßnahmen, technische Entwicklungen und eine Überprüfung des Wassermanagements. Umweltministerin Mittelstädt fordert eine umsichtigere Wassernutzung, höhere Wasserpreise und finanzielle Beteiligung des Bundes. Ein neues Wassergesetz soll Abhilfe schaffen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Trockenheit“. Lesen Sie jetzt „Wasserknappheit: Ministerin fordert umsichtige Nutzung“. Die Trockenheit macht sich in Brandenburg weiter bemerkbar. Der Großteil der Flüsse hat nur noch Niedrigwasser, wie aus Daten des Landesamtes für Umwelt (LfU) hervorgeht. "Die Entwicklung ist mit Blick auf die vorliegende langjährige Statistik extrem", sagte ein LfU-Sprecher.  Die Wasserstände vieler grundwassergespeister Seen hätten einen Allzeit-Tiefststand erreicht und auch fast alle Grundwasserleiter im Land befänden sich nahe an ihren historischen Tiefstständen und lägen teils sogar schon darunter. "Auch wenn wir im Sommer regelmäßig Niedrigwasserphasen erleben, ist die Dauer und räumliche Ausdehnung momentan besonders", betonte der Sprecher. Der Abflusswert der Flüsse unterschreite vielerorts die Warnstufe, was über einen längeren Zeitraum zu Schäden am Ökosystem der jeweiligen Flüsse führen könne. Großes Sorgenkind bleibt mit Blick auf die Wasserversorgung in der Hauptstadtregion die Spree. Sie führt derzeit so wenig Wasser, dass die Verantwortlichen in Berlin, Brandenburg und Sachsen alarmiert sind. Eine kurzfristig einberufene länderübergreifende Arbeitsgruppe soll nun Maßnahmen abstimmen, um die Wassermenge wieder zu erhöhen, wie das Landes-Umweltamt mitteilte. Infolge der Trockenheit im Winter und Frühjahr sind die Talsperren insbesondere im Oberlauf der Spree auf sächsischer Seite nicht ausreichend gefüllt. Langfristig könnte zudem der Kohleausstieg sich negativ auf die Wasserversorgung der Spree auswirken. Es sei ein größeres Problem, wie die Spree zukünftig langfristig mit Wasser versorgt werde, sagte Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) der dpa. "Da werden wir uns alle noch ganz tief in die Augen gucken."  Die Spree wird Untersuchungen nach deutlich weniger Wasser führen, wenn mit Ende der Braunkohleförderung weniger Grundwasser in den Fluss gepumpt wird. Das betrifft auch die Trinkwasserversorgung im Großraum Berlin. Diskutiert wird über eine Überleitung von der Elbe und eine Pipeline für Wasser aus der Ostsee für die Spree und Wasserspeicher.  "Ich glaube, es wird ein Strauß werden aus Maßnahmen, um die Spree, den Spreewald zu stützen", sagte Mittelstädt. Sie mahnte an, dass auch der Bund sich finanziell beteiligen müsse. "Also der Bund zieht sich ja mehr und mehr raus und sagt: Das ist euer Problem. Das sehe ich ein bisschen anders." Der Bund habe auch den Kohleausstieg entschieden und müsse Verantwortung tragen, meinte die Ministerin.  Brandenburg arbeitet aktuell an einem neuen Wassergesetz zum Schutz der Gewässer und um den Wasserrückhalt zu verbessern. "Sinkende Grundwasserstände, Flüsse mit geringerer Wasserführung und wachsende Nutzungskonflikte zwischen Bevölkerung, Wirtschaft und Landwirtschaft zeigen deutlich, vor welchen Herausforderungen wir stehen", sagte Mittelstädt im Juni. Auch Forschende der Technischen Universität in Berlin haben sich mit möglichen Wasserengpässen an der Spree auseinandergesetzt. Sie entwickelten ein Tool, das unter anderem Potenzialanalysen für künstliche Grundwasseranreicherung, kontrollierte Drainagesysteme, temporäre Oberflächenspeicher sowie naturnahe Wasserrückhaltemaßnahmen untersucht.  "Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein grundlegender Wandel im regionalen Wassermanagement notwendig ist - weg von der schnellen Entwässerung, hin zur aktiven Speicherung und Rückhaltung von Wasser", sagte Irina Engelhardt, Leiterin des Fachgebiets Hydrogeologie an der TU Berlin.  Die Region leide nicht mehr nur unter einzelnen Dürrejahren, sondern unter einem strukturellen Wasserdefizit, was unter anderem die fallenden Grundwasserspiegel zeigten. Laut einem SWR-Bericht würden die Wasserversorger bereits absehbar bei der Trinkwasserversorgung während extremer Hitzeperioden an ihre Grenzen geraten. Eine Umfrage bei Wasserversorgern bei den 50 bevölkerungsreichsten Kreisen und Städten im Bund ergab, dass fast 19 Prozent der Unternehmen die Wasserversorgung in Zukunft mit der bisherigen Wasserinfrastruktur "kaum noch" oder "gar nicht" bewältigen könnten.  Angesichts sich abzeichnender Wasserknappheit warnte Brandenburgs Umweltministerin Mittelstädt daher vor einem zu sorglosen Umgang mit Wasser. Die SPD-Politikerin geht davon aus, dass der Wasserpreis künftig steigen müsste. Wasser sei in der jetzigen Situation noch zu günstig, sagte Mittelstädt der Deutschen Presse-Agentur. Das führe dazu, dass mittags Pools befüllt würden und in den Gärten die Sprinkleranlagen liefen.  Sie rief zu mehr Sensibilität beim Wasserverbrauch auf. "Da Wasser ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist, muss die gesamte Gesellschaft auch dafür einstehen", sagte Mittelstädt. Sie macht rund um Themen zum Wasser derzeit eine Sommertour in unterschiedlichen Regionen Brandenburgs.  Nach Angaben des Amtes für Statistik lag das Entgelt für die Trinkwasserversorgung privater Haushalte in Brandenburg im vergangenen Jahr bei 1,82 Euro je Kubikmeter. © dpa-infocom, dpa:260729-930-456233/1