Datum29.07.2026 14:21
Quellewww.zeit.de
TLDRUN-Generalsekretär António Guterres will neue Verhandlungen zum Zypernkonflikt einberufen. Er hat bereits Zusagen von beiden Seiten, der Republik Zypern und der Türkischen Republik Nordzypern, sowie den Garantiemächten erhalten. Guterres betont die Notwendigkeit umfassender Vorbereitungen, um ein Scheitern wie 2017 zu verhindern. Eine Lösung sei entscheidend für Stabilität im Nahen Osten. Die seit 1974 geteilte Insel sucht nach einer föderalen oder zweistaatlichen Lösung.
InhaltAntónio Guterres hat eine Neuauflage von Verhandlungen über eine Lösung des Zypernkonflikts angekündigt. Er habe bereits Zusagen von beiden Seiten erhalten. UN-Generalsekretär António Guterres hat einen neuen Anlauf für Gespräche zum Zypernkonflikt angekündigt. An den Verhandlungen sollen demnach die Vertreter der griechischsprachigen Republik Zypern und der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern teilnehmen sowie die Garantiemächte Griechenland, Türkei und Großbritannien. Für eine Neuauflage der sogenannten Fünf-plus-Eins-Konferenz habe er bereits die Zustimmung von Zyperns Präsident Nikos Christodoulidis und von Tufan Erhürman, dem Präsidenten der selbst ausgerufenen Türkischen Republik Nordzypern, erhalten, sagte Guterres bei einer Pressekonferenz in der zyprischen Hauptstadt Nikosia. Damit die Gespräche erfolgreich sein könnten, müssten umfassende Vorbereitungen getroffen werden. Einen möglichen Zeitpunkt der Gespräche nannte der UN-Generalsekretär deshalb nicht. Die letzte große Gesprächsrunde unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen war im Jahr 2017 gescheitert. "Ich will kein weiteres Fünf-plus-Eins-Treffen ohne Ergebnis", sagte Guterres nun. Ziel müsse es sein, den Weg für eine Lösung des Zypernkonflikts freizumachen. Eine Lösung für Zypern sei von entscheidender Bedeutung, "nicht nur, um die Interessen und den Frieden der Zyprer zu wahren, sondern als Stabilitätsfaktor in einer Region, die zunehmend gefährlich instabil ist", sagte Guterres mit Blick auf den Nahen Osten. Ohne eine Lösung sei die Insel anfällig für die Risiken der Region; umgekehrt könnte die Lösung der Zypernfrage hingegen als Stabilitätsfaktor über die Insel hinaus wirken. Wie genau eine Lösung für die geteilte Insel aussehen könnte, sagte Guterres nicht. Diskutiert werden sowohl ein föderaler Gesamtstaat, unterstützt von vielen griechischen Zyprern sowie der EU und den Vereinten Nationen, als auch eine Zweistaatenlösung, wie sie die türkische Regierung bevorzugt. Guterres' Besuch in Zypern ist der erste eines UN-Generalsekretärs seit Ban Ki Moons Besuch im Jahr 2010. Guterres, dessen Amtszeit Ende des Jahres ausläuft, traf sich sowohl mit Christodoulidis als auch mit Erhürman. Zypern erlangte 1960 die Unabhängigkeit von Großbritannien. Seit 1974 ist die Insel de facto geteilt und der Norden türkisch besetzt. Die türkische Armee marschierte damals auf der Insel ein, nachdem griechisch-nationalistische Putschisten den amtierenden zyprischen Präsidenten abgesetzt hatten – mit dem Ziel, Zypern an Griechenland anzuschließen. 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen, die jedoch ausschließlich von der Türkei anerkannt wird. Die griechischsprachige Republik Zypern, die offiziell die ganze Insel umfasst, trat 2004 der Europäischen Union bei. Die Vereinten Nationen bemühen sich seit langer Zeit um eine Vermittlung – etwa mit dem sogenannten Annan-Plan des früheren Generalsekretärs Kofi Annan.