Wirtschaftslage: Konjunkturbarometer sinkt auf niedrigsten Wert seit Herbst 2025

Datum29.07.2026 11:09

Quellewww.zeit.de

TLDRDas DIW senkt seine Konjunkturerwartungen auf den tiefsten Wert seit Herbst 2025. Geopolitische Risiken, insbesondere der Irankrieg, und hohe Energiekosten belasten die deutsche Wirtschaft. Die schwache Weltkonjunktur dämpft Exporte, während hohe Inflation die Kaufkraft und Investitionsbereitschaft reduziert. Weitere Sorgen bereiten KI-Nachlass, Frachtkosten und unsichere staatliche Investitionen. Die stark exportorientierte Ausrichtung Deutschlands verstärkt die Anfälligkeit für Krisen. Ein minimales Wachstum von 0,1% wird für das abgelaufene Quartal erwartet.

InhaltDas Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung senkt seine Konjunkturerwartungen erneut. Die Forscher begründen das mit geopolitischen Risiken und hohen Energiekosten. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stark eingetrübt. Das vom Berliner Institut erstellte Konjunkturbarometer ist um 4,8 Punkte auf 91,3 Punkte eingebrochen und damit auf den niedrigsten Wert seit Oktober 2025. Der Indikator entfernt sich damit von der 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum abbildet. In den vergangenen zwölf Monaten lag das Konjunkturbarometer nur einmal, im Februar 2026, über 100 Punkten. "Die geopolitischen Unsicherheiten, vor allem bezüglich des Irankriegs, spiegeln die Achterbahnfahrt des DIW-Konjunkturbarometers wieder", sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. So sei der Wert seit Februar monatlich abwechselnd gestiegen und gefallen. Im Juni hatte der Indikator etwa leicht gegenüber dem Vormonat zugenommen.  Als weiteren Grund für die pessimistischen Erwartungen neben den Unsicherheiten durch den Irankrieg nannte die Ökonomin die anhaltend hohen Energiepreise. "Insgesamt belasten die immer noch deutlich erhöhten Energiepreise die deutsche Wirtschaft nach wie vor und sorgen für eine niedrigere Kaufkraft bei privaten Haushalten sowie Verunsicherung bei den Unternehmen", sagte Dany-Knedlik. Das niedrige Wachstum der Weltwirtschaft senke zudem "die ohnehin schwache Nachfrage" nach deutschen Exporten.  Als eines der größten Wirtschaftsinstitute ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin vor allem für sein Konjunkturbarometer bekannt. Es wird zu fast zwei Dritteln von Bund und Ländern finanziert. Der Rest stammt größtenteils aus Projektförderung sowie Auftragsforschung für öffentliche Institutionen und Unternehmen. Der Ökonom Marcel Fratzscher, der das DIW seit 2013 leitet, schreibt für ZEIT ONLINE eine wöchentliche Kolumne. Als weitere Risikofaktoren für die Wachstumserwartungen benannte das DIW auch Sorgen um ein mögliches Abflauen des Booms um Künstliche Intelligenz (KI) und höhere Frachtkosten durch niedrige Flusspegelstände infolge von Sommerhitze. Unklarheit bestehe zudem über die schuldenfinanzierten Investitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Klimaneutralität.  DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi benannte mit der Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf den Export auch einen strukturellen Grund für die pessimistischen Erwartungen. "Ohne eine dynamische Binnennachfrage wird die Konjunktur weiter stark durch geopolitische Schocks und andere Krisen beeinflusst", insbesondere für die Industrie. Dort zeigten die Zahlen der Aufträge keine Anzeichen nachhaltigen Wachstums. Weil durch die hohe Inflation auch die Konsumbereitschaft der Verbraucher zurückgeht, gelte dasselbe für den Dienstleistungssektor.  Am Donnerstag veröffentlicht das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung zur Wirtschaftsleistung zum abgelaufenen zweiten Quartal. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen gehen von einem minimalen Wachstum von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal aus. In den ersten drei Monaten 2026 lag das Wachstum noch bei 0,3 Prozent.