»Tektonischer Shift« – so wirbeln neue EU-Regeln Europas Kryptobranche auf

Datum29.07.2026 10:20

Quellewww.spiegel.de

TLDREine neue EU-Regel (MiCA) fordert Lizenzen für Kryptoanbieter, was zum Aus für hunderte Firmen führt, darunter Binance. Coinbase sieht darin eine Chance und wirbt aktiv um Kunden. Trotz eigener Umsatzeinbrüche plant Coinbase, sich vom reinen Kryptoanbieter zur "Everything Exchange" zu entwickeln, die auch Aktien, ETFs und Gesellschaftswetten anbietet. Der Krypto-Markt erlebt dadurch einen Umbruch.

InhaltHunderte Kryptoanbieter stehen in Europa vor dem Aus, weil sie an einer neuen EU-Regel gescheitert sind. Im Podcast erläutert der Europachef der US-Kryptobörse Coinbase die Folgen und wie sein Unternehmen davon profitieren will. Europas Kryptobranche dünnt sich aus. Wer Bitcoin, Ethereum oder andere Kryptowerte offerieren möchte, benötigt seit dem 1. Juli eine sogenannte MiCA-Lizenz. Nur 318 der rund 1200 aktiven Kryptoanbieter haben die Hürde bislang genommen. Der Rest muss sein Europageschäft abwickeln, darunter auch der weltgrößte Player Binance . "Es ist ein tektonischer Shift", sagt Daniel Seifert (47), der bei der US-Kryptobörse Coinbase die Geschäfte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika verantwortet. Manche Wettbewerber würden Asset-Abflüsse im "zweistelligen Prozentbereich" verzeichnen, so Seifert im Finance-Forward-Podcast. Der Kampf um Millionen Kunden, die nun eine neue Heimat für ihr Kryptovermögen suchen, ist damit in vollem Gange. Auch Coinbase möchte sich ein Stück vom Kuchen sichern. Das Unternehmen wirbt aktuell via Google mit einem Wechselbonus um Binance-Kunden. Wie viele Nutzer schon übergelaufen sind, will Europachef Seifert nicht beziffern. Es handle sich aber um "substanzielle Mengen". Coinbase ist die größte börsennotierte Kryptobörse der USA. Die Firma von Brian Armstrong (43) verwahrt gut 300 Milliarden Dollar an Assets und wickelt gut 8,6 Prozent des globalen Kryptohandels ab. In Europa ist das Unternehmen seit 2021 aktiv, seit 2025 verfügt es über eine europaweite MiCA-Lizenz aus Luxemburg. Die erhoffte Sonderkonjunktur durch das Binance-Aus kann Coinbase derzeit gut gebrauchen: Der Gesamtumsatz fiel im ersten Quartal im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 1,41 Milliarden Dollar, aus einem Vorjahresgewinn von 66 Millionen Dollar wurde ein Nettoverlust von 394 Millionen Dollar. Grund für die schrumpfenden Geschäfte war vor allem die allgemeine Kryptoflaute, die sich bei vielen Börsen durch geringeres Handelsvolumen bemerkbar macht. Coinbase will sich deswegen breiter aufstellen und treibt den Wandel von der reinen Kryptobörse zum sogenannten Everything Exchange voran. "Wir wollen die finanzielle Heimat für die Kunden werden", sagt Europachef Seifert. Anleger sollen neben den klassischen Kryptowährungen künftig auch ein breites Spektrum an Futures, Aktien und ETFs bei Coinbase finden. Im Finance-Forward-Podcast sprechen wir mit den spannendsten Köpfen aus Fintechs, Banken und der Welt der Profi-Investoren. Kritisch, unabhängig, unterhaltsam. Die Konkurrenz denkt ähnlich: Deutsche Fintechs wie N26 und Trade Republic haben ihr Banking- und Handelsangebot unlängst auch um Kryptofeatures erweitert. "Alle bewegen sich in diese gemeinsame Richtung", sagt Seifert. Als Teil der All-in-one-Börse möchte Coinbase auch sein Angebot an sogenannten Gesellschaftswetten ausbauen. Auf solchen Prognosemärkten wird auf den Ausgang von Ereignissen gewettet, von Sportergebnissen bis hin zum nächsten Meteoriteneinschlag. In den USA boomt das Segment; in Europa sind die Angebote in vielen Ländern jedoch verboten oder regulatorisch ungeklärt. Wie stehen also die Chancen, dass Coinbase die Gesellschaftswetten nach Europa bringt? Wie sortiert sich der Kryptomarkt nach dem Binance-Beben neu? Und was bedeutet die neue MiCA-Ära für Privatanleger? Darüber spricht manager-magazin-Redakteurin Hannah Schwär mit Coinbase-Europachef Daniel Seifert in der aktuellen Folge des Finance-Forward-Podcasts. Im Podcast "Finance Forward"  sprechen wir alle zwei Wochen mit den spannendsten Persönlichkeiten aus der neuen Finanzwelt – über Fintechs, Fonds, Krypto und Family-Offices. Sie können den Podcast über manager-magazin.de  sowie auf Spotify  und Apple Podcasts  abonnieren.