Datum29.07.2026 10:04
Quellewww.zeit.de
TLDRBMW plant weltweit den Abbau von rund 8.000 Stellen bis Ende 2027. Ein umfangreiches Abfindungsprogramm für Bürojobs in Deutschland ist zentral, mit Angeboten für fast die Hälfte der 85.000 deutschen Angestellten. Dieser Schritt folgt auf gesunkene Gewinnerwartungen, insbesondere durch den Absatzrückgang in China. Die Kosten für die Abfindungen werden auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.
InhaltBMW will fast jedem zweiten seiner 85.000 Angestellten in Deutschland ein Abfindungsangebot unterbreiten. Bis Ende 2027 sollen so bei dem Konzern 8.000 Jobs wegfallen. Der Autohersteller BMW will weltweit rund 8.000 Jobs abbauen. Dazu ist ein umfangreiches Abfindungsprogramm in Deutschland geplant, wie die Nachrichtenagenturen dpa und AFP aus Unternehmenskreisen erfuhren. Von Oktober an will BMW demnach rund 40.000 seiner 85.000 Angestellten in Deutschland individuelle Abfindungsangebote unterbreiten. Betroffen sind demnach Bürojobs und nicht die Produktion. Eine Unternehmenssprecherin sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Abfindungen würden sich auf die Bereiche Verwaltung und Entwicklung beziehen. Weltweit arbeiten rund 154.000 Menschen für den Münchner Konzern. Neben den Abfindungen in Deutschland sollen Arbeitsplätze durch natürliche Fluktuation wegfallen. Der Konzern geht davon aus, dass der anvisierte Abbau von 8.000 Stellen bis Ende 2027 umgesetzt wird. 2028 solle sich dies dann positiv in den Kennzahlen niederschlagen. Die Kosten der Abfindungen werden demnach auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Finanzchef Walter Mertl sagte hingegen im Juni, im Zuge der Sparmaßnahmen würden Einmalbelastungen von einer Milliarde Euro erwartet. Bisher blieb aber offen, zu welchem Anteil diese Summe in den Personalabbau fließt. Weil mehr als die Hälfte der weltweiten Belegschaft des Konzerns auf Deutschland entfällt und auch das Abfindungsprogramm hierzulande aufgelegt wird, erwartet BMW, dass auch mehr als die Hälfte des Stellenabbaus in Deutschland stattfinden wird. Offiziell äußerte sich BMW bislang nicht zu den Plänen. Allerdings wird bereits seit Mitte Juni darüber spekuliert, dass BMW ein Stellenabbau bevorsteht. Damals hatte der nur einen Monat zuvor vom Produktionsvorstand zum Konzernchef aufgestiegene Milan Nedeljković die Gewinnerwartungen stark gedämpft, nachdem der Absatz von BMW in China eingebrochen war. Nedeljković kündigte an, Sparmaßnahmen beschleunigen zu wollen. Der Betriebsrat forderte daraufhin "unverzügliche und verbindliche" Gespräche, die nun binnen sechs Wochen offenbar abgeschlossen sind. Zuletzt hatte sich BMW kurz nach Beginn der Coronapandemie 2020 mit dem Betriebsrat auf den Abbau von 6.000 Stellen geeinigt, damals ebenfalls über Fluktuation und freiwillige Vereinbarungen. BMW war bislang der letzte große deutsche Autohersteller, der ohne Stellenabbau auskam. Volkswagen, Mercedes-Benz, Audi und Porsche hatten bereits im vergangenen Jahr solche Maßnahmen angekündigt. Porsche kündigte am Montag einen Wegfall von weiteren 5.000 Jobs an. Bei Volkswagen wird derzeit um Stellenstreichungen in mittlerer fünfstelliger Höhe gestritten. Unter dem Einbruch des Absatzes in China, den stark gestiegenen chinesischen Autoexporten nach Europa sowie den US-Zöllen leidet allerdings die gesamte deutsche Autoindustrie. Einen Stellenabbau in ähnlicher Dimension gab es bei BWM vor der Coronakrise zuletzt nach der Finanzkrise 2008, als binnen zweier Jahre die Belegschaft um 10.000 auf damals 95.000 Mitarbeiter schrumpfte. Das in den Jahren danach eingesetzte Wachstum wird derzeit hingegen angesichts der Lage auf dem Weltmarkt nicht erwartet.