Brände und Hitze in Europa: Feuerwehren in Bordeaux kämpfen gegen neue Flammen

Datum29.07.2026 07:08

Quellewww.spiegel.de

TLDRAktuell wüten in Europa schwere Waldbrände, insbesondere in Frankreich bei Bordeaux und auf der griechischen Insel Paros. Eine neue Hitzewelle mit Temperaturen bis 40 Grad verschärft die Lage, bedingt durch Trockenheit und Wind. Auch in Spanien werden hohe Temperaturen erwartet. Bayern meldet eine hohe Waldbrandgefahr. Zahlreiche Menschen wurden in Spanien evakuiert, viele Hektar Land sind bereits zerstört.

InhaltBordeaux, Paros, Spanien: In Teilen Europas wüten weiter Brände. Eine neue Hitzewelle bringt auch Bayern eine hohe Waldbrandgefahr. Keine Entwarnung an der französischen Atlantikküste: Nahe Bordeaux kämpft die Feuerwehr gegen wiederaufflammende Brände. Eine neue Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad ist im Anmarsch - die Einsatzkräfte fürchten, dass große Trockenheit und Wind den zwischenzeitlich eingedämmten Brand wieder unkontrolliert auflodern lassen. Der Wetterdienst Météo France warnte vor einem Anstieg des Waldbrandrisikos. Bereits am Dienstag kam es zu 14 Neuausbrüchen von Bränden in der Region, wie die Präfektin von Bordeaux, Sophie Brocas, am Abend sagte. "Der Brand ist stabilisiert, aber nicht unter Kontrolle und dehnt sich nicht weiter aus", so die regionale Verwaltungschefin. Auch auf der griechischen Ägäis-Insel Paros kämpfen Feuerwehrleute seit Stunden gegen einen großen Waldbrand. Mehrere Ortschaften wurden wegen der vorrückenden Flammenfront evakuiert, Bewohner sollten laut Medienberichten auf Geheiß der Rettungskräfte an die Strände flüchten. Die Feuerwehr auf der beliebten Urlaubsinsel ist laut der Zeitung "Proto Thema" seit Dienstag mit Dutzenden Kräften im Dauereinsatz und forderte Unterstützung von umliegenden Inseln wie Naxos und Syros sowie vom Festland an. Insbesondere die Ortschaft Agkairia sei von den Flammen bedroht, hieß es. Flüge mit Löschflugzeugen und Helikoptern wurden demnach über Nacht unterbrochen, sollten bei Tagesanbruch aber wieder aufgenommen werden. Erschwert würden die Löscharbeiten durch kräftigen Wind, der Meteorologen zufolge heute noch stärker werden dürfte. Laut der Zeitung "Kathimerini" herrscht in mehreren Landesteilen hohe Waldbrandgefahr. So sei die Feuerwehr am Dienstag auch zu Feuerherden in der nordöstlichen Region Evros ausgerückt. Auf Kreta und den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Ikaria und Psara gelte inzwischen Warnstufe vier von fünf. In der Hauptstadtregion Athen und im nordöstlichen Teil der Halbinsel Peloponnes gilt demnach Warnstufe drei. Bisher ist Griechenland in diesem Jahr weitgehend von Hitzewellen verschont geblieben. In den vergangenen Jahren gab es solche Wellen dagegen – und sie hielten teils wochenlang an. Aus den verheerenden Bränden haben die Griechen Lehren gezogen. Neben 85 staatlichen Löschflugzeugen zählt die Feuerwehr nunmehr 18.000 Berufs- und Saisonkräfte. Auch moderne Technologie kommt zum Einsatz: Mittlerweile arbeiten mehr als 100 Drohnenbasen in besonders gefährdeten Regionen an einer frühzeitigen Erkennung von Bränden. Zudem wurden vier speziell für Brandbekämpfung entwickelte Satelliten ins All gebracht, die besonders trockene Regionen beobachten. In Spanien wird am Mittwoch eine neue Hitzewelle erwartet – sie soll bis zum Ende der Woche dauern. Die Höchstwerte können demnach auf bis zu 42 Grad steigen. Regierungschef Sánchez zeigte sich am Dienstag dennoch optimistisch. "Wir schaffen es tatsächlich, das Blatt zu wenden, und wir können im Kampf gegen diese Brände allmählich Licht am Ende des Tunnels erkennen", sagte er zu Reportern. Die Behörden hoben am Dienstag die Evakuierungsaufforderung für 13 Gemeinden in den Regionen Madrid und Kastilien und León auf. Die Lage "bei den Waldbränden bessert sich allmählich", sagte die Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso. Man könne eine sichere Rückkehr der Bewohner in mehrere Gemeinden einleiten. Im evakuierten Ort Navas del Rey sahen AFP-Reporter verkohlte Trümmer, Asche und ausgebrannte Autos. Nach einer ersten Schätzung der Gemeindeverwaltung wurden rund 50 Häuser durch die Flammen zerstört und weitere 50 beschädigt. Der Bürgermeister der nahegelegenen Gemeinde Pelayos de la Presa, António Sin, sagte, der Anblick vor Ort gleich einem "Kriegsgebiet". Laut Angaben des spanischen Innenministeriums wurden bislang rund 63.000 Menschen vor den Flammen in Sicherheit gebracht. Waldbrände westlich der Hauptstadt Madrid haben bereits 77.000 Hektar Land verwüstet. Auch in Deutschland drohen Brände. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für die kommenden Tage eine hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr für weite Teile Bayerns gemeldet. Mehr als zehn Messstationen zeigen für Donnerstag die höchste Gefahrenstufe. Die Landesregierungen von Niederbayern und der Oberpfalz haben bereits Beobachtungsflüge angeordnet. Auch am heutigen Mittwoch sowie am Freitag und am Samstag besteht laut DWD-Daten ein mittleres bis hohes Waldbrandrisiko im Freistaat. Um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen, sollen in Niederbayern von Mittwoch bis Freitag Luftbeobachtungen durchgeführt werden. In der Oberpfalz soll sogar bis Montag geflogen werden. Um das Risiko für Brände zu minimieren, rufen die Landesregierungen dazu auf, in Waldgebieten und deren Umgebung keinesfalls mit offenem Feuer zu hantieren oder zu rauchen. Fahrzeuge sollten zudem nicht auf leicht entzündlichem Untergrund wie Wiesen oder Waldwegen geparkt werden. Insbesondere für den Süden Bayerns gilt laut DWD am Mittwoch eine Hitzewarnung mit Temperaturen bis 35 Grad. Für den Nachmittag und Abend müsse in Alpennähe mit einzelnen Gewittern und Starkregen, Hagel und Sturmböen gerechnet werden. Im Norden Bayerns bleibe es zwar heiß, Unwetter drohten hier aber nicht.