Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Blockbuster Sternbrücke

Datum29.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel thematisiert die Zerstörung und den Neubau der Sternbrücke in Hamburg, ein "Blockbuster"-Ereignis. Parallel wird auf die Eröffnung des ersten Frauenhauses vor 50 Jahren in Hamburg zurückgeblickt. Weitere Nachrichten betreffen eine neue Hitzewelle, steigende Mitarbeiterzahlen der Stadt und die erfolgreiche Vermittlung von Obdachlosen in eigene Wohnungen.

InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – mit dem Start von Hamburgs erstem Frauenhaus vor 50 Jahren, mit neuer Hitzewelle und der begehrtesten Baustelle der Stadt. es war mitten in der Nacht und unheimlich. Ein dumpfes Rammen hallte durch das Fenster herein. Gefolgt von einem Stampfen und Kettenklirren. Plötzlich krachte es. Dann ertönte ein gewaltiges Stöhnen. Auch wenn Sie das jetzt bemüht finden: Solche Geräusche hatte ich das letzte Mal gehört, als ich mir Herr der Ringe im Fernsehen anschaute. Dort züchtete der Zauberer Saruman neue Krieger: die Uruk-hai. Sie entstanden im Urschlamm der Festung Isengart, sie waren zäh und kaum kaputtbar. Der Lärm war so eindringlich, dass ich den Film leiser drehte. Letzte Woche nachts konnte ich nichts leiser drehen, und ich war auch gar nicht in Isengart. Ich war im Schanzenviertel. In Hörweite von Hamburgs begehrtester Sommerbaustelle: der Sternbrücken-Kreuzung. Wobei das Wort Brücke nicht den Kern trifft. Die Kreuzung – sonst eine der großen Kreuzungen der Stadt – ist zum ersten Mal seit fast 100 Jahren frei von Autos, Zügen und Brücke. Am Freitag hatten Arbeiter mit Schneidbrennern losgelegt und sie in Stücke zerteilt. Ein immenser Kran hatte Brückenstück für Brückenstück emporgehoben, über den Häusern gedreht und langsam herabgelassen. Doch das passte nicht immer. Ein Stück Brücke verhakte sich an der Stromtrasse, die auf der Baustelle auf Stelzen verläuft. Wieder mussten die Männer ran: schneidbrennen, drücken, fluchen. Geschafft. Woher ich das weiß? Ich höre diese Baustelle nicht nur, ich besuche sie auch oft. Das ist gerade besser als Herr der Ringe. Es gibt dort Arbeiter, die genau so aussehen, wie man sich das vorstellt: Warnweste, wettergegerbtes Gesicht, kräftiger Körper, kerniger Spruch. Einige sitzen zwischendurch neben der Baustelle beim Gönlübol Döner Haus und ordern "Einmal-Döner-mit-Alles". Ich mag auch die Schaulustigen: Manche hätte der Regisseur Peter Jackson sicher gerne als Komparsen in Isengart gehabt. Wie diesen älteren Herrn mit dem weißen Rauschebart (!), der Klappstuhl, Stift und Papier mitbrachte und das Chaos aus Baggern, Brückenresten und Betonbrocken zeichnete. Falls Sie nicht verreist sind: Wir könnten uns doch zu der Fortsetzung des Blockbusters Sternbrücke treffen.Wir könnten uns doch zu den beiden nächsten Folgen an der Baustelle treffen. Heute Mittag schon - früher als geplant - wird die neue, 3.700 Tonnen schwere Brücke am Bauplatz auf ein spezielles Fahrzeug gesetzt und auf die Max-Brauer-Allee verschoben. Danach wird sie auf sechs Meter empor gepumpt – so hoch wird sie später über der Kreuzung verlaufen. Donnerstag ab zehn Uhr wird der Koloss vom Bauplatz etwa 500 Meter zur Kreuzung rollen, ein Arbeiter steuert ihn per Fernbedienung. Dort wird die Brücke gedreht. Gegen 22 Uhr soll der Einhub beginnen. Keine Ahnung, wie die Uruk-hai das hinkriegen wollen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker In Hamburg haben es im vergangenen Jahr so viele Menschen aus einer öffentlichen Unterbringung in eine eigene Wohnung geschafft wie seit Jahren nicht mehr. Laut Sozialbehörde war das bei etwa 6.730 Menschen der Fall. Zum Vergleich: 2024 schafften es 6.000 Menschen, ein Jahr zuvor lediglich 3.720. Etwa 6.730 Menschen sind im Vorjahr aus einer öffentlichen Unterbringung in Hamburg in eigene Wohnräume umgezogen. Laut Sozialbehörde schafften das 2024 nur 6.000 Menschen, ein Jahr zuvor lediglich 3.720. Zurzeit sind etwa 40.200 Menschen in öffentlicher Unterbringung. Der Personalbestand der Stadt ist weiter gestiegen. Ende Dezember arbeiteten fast 83.000 Menschen bei der Stadt und ihren Betrieben. Das entspreche knapp 72.000 Vollzeitstellen, sagte der Chef der Senatskanzlei, Jan Pörksen (SPD), bei der Vorstellung des Personalberichts. Zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um 1.000 Stellen. Norddeutschland erreicht die nächste Hitzewelle. Der Deutsche Wetterdienst erwartet heute Temperaturen über 30 Grad. Morgen können es in Hamburg bis zu 36 Grad werden. Linderung dürfte da die Sprühnebelanlage am Jungfernstieg bieten (Foto). Vor 50 Jahren starteten sechs Frauen die Initiative zum ersten Hamburger Frauenhaus. Heute gibt es sieben – die stehen allerdings vor neuen Herausforderungen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Helene Altgelt. An einem Montagabend im Jahr 1977 filmte eine Kamera, wie zwanzig Frauen eng gedrängt auf dem Boden sitzen. Sie tragen Wollpullover, Blumenmuster, schiefe Ponys, rauchen Zigaretten. Die Szene aus dem Dokumentarfilm Juli 76 zeigt einen besonderen Moment, denn die Frauen stehen kurz vor der Realisierung ihrer Vision: der Eröffnung des ersten Hamburger Frauenhauses. Ein Jahr zuvor, am 26. August 1976, hatten sie den Verein "Frauen helfen Frauen" ins Leben gerufen. Eine der Gründerinnen war Sibylle Brockstedt, sie ist heute 80 Jahre alt. In ihrem Wohnzimmer im Hamburger Stadtteil Eppendorf erzählt sie, wie alles begann. Zu jener Zeit sei der Begriff "Frauenhaus" noch erklärungsbedürftig gewesen, ebenso, warum es diese Häuser braucht. "Wir wollten ein Bewusstsein für das Thema in die Gesellschaft bringen", sagt sie heute. Brockstedt war damals 30 Jahre alt und arbeitete freiberuflich beim NDR im Kinder- und Jugendprogramm. Erfahrung im sozialen Bereich hatte sie nicht. Neben ihr im Wohnzimmer in Eppendorf sitzt Gisela Friedrichs. Die heute 75-Jährige stieß ein Jahr später zur Gruppe. "Gewalt gegen Frauen wurde als individuelles Problem gesehen, nicht als gesellschaftliches", sagt sie. Betroffene Frauen konnten damals individuelle Unterstützung nach Paragraf 72 des Bundessozialhilfegesetzes beantragen – wie auch ehemalige Häftlinge oder Obdachlose. Schutzräume gab es nicht. Wie sich Brockstedt und ihre Mitstreiterinnen Inspiration aus London holten, um in Hamburg ein Frauenhaus zu gründen, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) War das wirklich ein "Anschlag auf uns alle"? Ein Attentäter rast in eine CSD-Demo. Erst kommt die Trauer, dann die Angst vor der politischen Vereinnahmung. Was es nun bedeutet, echte Haltung zu zeigen. ZEIT-Autor Mannan Atasoy ordnet die Debatte um das Ziel des Attentats am vergangenen Samstag ein. → Zum Artikel (Z+) Das Markk lädt gemeinsam mit dem Istituto Italiano di Cultura zu einer "Listening Session" in den Sommergarten ein. Alessandro Onori und Gabriele Naddeo haben diese Listening Session Alfio Antico und seinem Album Antico gewidmet. Antico ist ein prägender Vertreter der sizilianischen Musiktradition und vor allem mit der Tammorra, der großen Rahmentrommel aus Süditalien, verbunden. Auf dem Album Antico verbindet Antico Einflüsse aus Folk, Ritualmusik und experimenteller Elektronik in einen psychedelischen Klang. Das Album ist nicht auf Streamingplattformen verfügbar – an diesem Abend können Sie es vollständig hören. Listening Session: Sicilia Psichedelica: 10 Jahre "Antico", 30.7., 19 Uhr; Sommergarten, MARKK, Rothenbaumchaussee 64 Im Supermarkt. Eine Angestellte füllt Waren aus einem Gitterwagen in die Regale. Ich: "Irgendwie klar. Sie stehen immer da, wo Kunde hinwill." Die Frau schaut mich an, schiebt den Wagen weiter und sagt: "Ich gehe dann jetzt zu den Chips." Gehört von Susanne Enders Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.