Datum29.07.2026 01:53
Quellewww.spiegel.de
TLDRHäftlinge im iranischen Gefängnis Ghezel Hesar treten in einen Hungerstreik gegen staatliche Willkür und Hinrichtungen. Über 1500 Insassen verweigern Nahrung, einige nähen sich die Lippen zu als Zeichen des Protests. Videos zeigen Häftlinge, die ihre Forderungen "Nein zu Hinrichtungen" verkünden. Amnesty International prangert die Eskalation der Todesstrafe und die Unterdrückung abweichender Meinungen an.
InhaltIm Todestrakt von Irans größtem Gefängnis eskalieren die Proteste gegen staatliche Willkür. Videos sollen Inhaftierte zeigen, die seit Wochen jede Nahrung verweigern. Einige wählen noch drastischere Wege des Widerstands. In Iran gibt es immer massivere Proteste in Gefängnissen. Zuletzt hatte sich der Hungerstreik ausgeweitet, inzwischen verweigern laut Menschenrechtsgruppen allein in der größten Haftanstalt des Landes mehr als 1500 Menschen die Nahrung. In Videos war zu sehen, wie sich einige von ihnen den Mund zunähen lassen. Laut dem "Guardian" eskalierten die Proteste zuletzt, als sechs Häftlinge im Todestrakt des Gefängnis Ghezel Hesar in Einzelhaft verlegt wurden. Videos zeigen Männer, die Schilder mit Aufschriften wie "Nein zu Hinrichtungen" oder "Seid unsere Stimme" hochhalten. In einem der Videos erklärt ein Häftling, dass auch nach sechs Tagen des Hungerstreiks immer noch keine Reaktion der Gefängnisführung gekommen sei. Dann zeigt, der Clip, wie ein anderer Mann ihm mit Nadel und Faden den Mund vernäht. Nach der Hinrichtung von zwei Männern in Iran hatte auch Amnesty International eine "Eskalation im Einsatz der Todesstrafe" in dem Land angeprangert. Ziel der iranischen Behörden sei es, "abweichende Meinungen zu unterdrücken", erklärte die Menschenrechtsorganisation am Dienstag. Amnesty befürchtet nach eigenen Angaben, dass mindestens 60 weiteren Menschen in Iran die Todesstrafe droht. Viele andere würden wegen ihrer Teilnahme an den Protesten im Winter verfolgt. Teilweise werden auch angeblich Drogendelikte herangezogen, um Todesurteile auszusprechen. Zuvor waren in Iran erneut zwei Männer hingerichtet worden, die wegen ihrer Beteiligung an den regierungskritischen Protesten im Winter verurteilt worden waren (mehr dazu hier). Die beiden waren für schuldig befunden worden, am 8. Januar "Polizeibeamte mit Macheten und Messern angegriffen, sie an Verkehrsschilder gefesselt, über den Boden geschleift, mit Benzin übergossen und in Brand gesetzt" zu haben, wie die iranische Justiz am Dienstag über ihre Nachrichtenplattform Misan mitteilte. Die Männer waren Misan zufolge unter anderem wegen "Korruption auf Erden" und "Krieges gegen Gott" (Moharebeh) angeklagt worden. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete, die Verurteilten seien auf einem Platz in der Stadt Malekschahr in der zentralen Provinz Isfahan öffentlich gehängt worden. Uno-Experten forderten Iran am Montag auf, bereits verhängte Todesstrafen gegen zwölf Männer aufzuheben, zwei von ihnen wurden aber bereits Mitte Juli hingerichtet. Die Verhandlung gegen zwölf Männer in einem einzigen Verfahren hinter verschlossenen Türen verstoße gegen internationale Standards für faire Gerichtsverfahren, urteilten sie.