Datum28.07.2026 20:05
Quellewww.zeit.de
TLDRSchauspieler Dieter Hallervorden warnt vor einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt, da diese laut seiner Aussage Kunst und Kultur zensieren würde. Er befürchtet, dass Fördermittel nur nach politischer Konformität vergeben würden, was zu einer ideologisch geprägten und eintönigen Kulturlandschaft führen könnte. Hallervorden hat eine Kampagne gestartet und tourt mit CDU-Politikern, um zur Wahl der etablierten Parteien aufzurufen, kritisiert aber auch deren Politik.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wahlkampf“. Lesen Sie jetzt „Hallervorden: AfD-Regierung würde Kultur zensieren“. Der Schauspieler Dieter "Didi" Hallervorden (90) hat sich wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar gegen die AfD ausgesprochen. "Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Weniger als sechs Wochen vor der Wahl führt die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei dort laut Umfragen deutlich vor der derzeit regierenden CDU und den anderen Parteien. Sollte die AfD nach der Wahl die Landesregierung übernehmen, rechnet Hallervorden mit einschneidenden Folgen für die Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt. Der dpa sagte er: "Die AfD fordert von Kunst und Kultur Folgendes ein: ideologische Eindeutigkeit und patriotische Pflichtbekenntnisse." Damit sei klar, dass Fördermittel nur nach Kriterien des politischen Wohlverhaltens vergeben würden. "Das heißt: Kreativität würde unter Zensurbedingungen sehr stark eingeschränkt sein", sagte Hallervorden. Die Kulturlandschaft würde eintönig, öde und langweilig werden. Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden, wie Tatort-Schauspieler Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe, hat der 1935 in Dessau geborene Hallervorden eine Kampagne ins Leben gerufen. Sie empfiehlt Wählerinnen und Wählern, ihr Kreuz bei CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken zu setzen. Außerdem tourt Hallervorden gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) durch das Bundesland. In Halle, Magdeburg, Dessau und Naumburg spricht er mit ihm etwa darüber, was eine lebendige Demokratie braucht und welche Rolle Kunst, Meinungsfreiheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt spielen. Zum Auftakt der Gesprächsreihe unter dem Motto "Kunst braucht Freiheit" war die CDU-Veranstaltung in Halle ausgebucht. Kritik übte Hallervorden trotzdem nicht nur an der AfD, sondern auch an CDU und SPD. In einem Lied wandte er sich an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): "Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!", heißt es in dem Song. Und der Künstler erklärte dem Publikum: "Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders." Hallervorden feiert einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt seinen 91. Geburtstag. Seinen politischen Einsatz vor der Wahl begründet er im dpa-Interview so: "Ich glaube, auch Toleranz hat Grenzen. Das heißt: Es darf keine Freiheit zur Zerstörung der Freiheit geben." Wenn er seine Meinung nicht herauslassen könne, würde er ersticken, sagte der Theatermann. © dpa-infocom, dpa:260728-930-452044/1