Dinosaurier verendeten wohl unter einer globalen Feinstaubglocke

Datum28.07.2026 17:40

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Asteroideneinschlag vor

InhaltEin Asteroideneinschlag vor Yucatán löschte vor 66 Millionen Jahren massenhaft Arten aus. Aber warum weltweit? Ein US-Forschungsteam liefert dafür eine neue Erklärung. Vor 66 Millionen Jahren schlug ein Asteroid von der Größe des Mount Everest in der Nähe der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatán auf der Erde ein. Dieser Einschlag schuf den Chicxulub-Krater und löschte möglicherweise etwa drei Viertel aller lebenden Arten aus – darunter die meisten Dinosaurier. Forscher der US-amerikanischen Purdue University haben nach eigenen Angaben den Schlüssel dazu entdeckt, wie ein einzelner Felsbrocken – wenn auch ein immens großer – ein ganzes globales Ökosystem verwüsten konnte: Demnach schleuderte der Asteroid eine Wolke aus Staub in die Luft, die ihrerseits die Wärmestrahlung an der Erdoberfläche hielt und die meisten Arten so in eine Hitzefalle brachte. Sie wurden auch fern des Einschlagortes "praktisch gegrillt", heißt es in einer Mitteilung der Universität. Die in der Fachzeitschrift "Journal of Geophysical Research: Biogeosciences"  veröffentlichte Studie ergab, dass die Staubwolke die vom Einschlag freigesetzte Hitze so effektiv einschloss, dass diese zunächst fast gar nicht ins Weltall entweichen konnte. Sie überhitzte die obere Atmosphäre, verursachte großflächige Waldbrände und hatte massive Auswirkungen auf alle Lebensformen, die sich nicht vor ihr schützen konnten – sei es unterirdisch, unter Wasser oder durch andere Strategien. "Genau das tötete die Dinosaurier und viele andere Tiere", erklärte Purdue-Geophysiker Brandon Johnson, Hauptautor der Studie und Experte für die Wirkungen planetarer Kollisionen. "Es war nicht die Druckwelle des Einschlags oder der Feuerball – die reichen nicht sehr weit." Ohne die Staubglocke hätte der Asteroideneinschlag in der Region verheerend gewirkt, aber erst sie habe ihn zu einer globalen Katastrophe gemacht, so der Forscher. Der Studie zufolge verbreiteten sich zwei verschiedene Arten von Staub in der Atmosphäre: Atmosphärenforscherin Alexandria Johnson untersuchte die Strahlungseigenschaften des Feinstaubs und der daraus gebildeten Wolke. Diese müsse die Erde so gut isoliert haben, dass fast die gesamte Wärme der herabfallenden Sphärulen darunter eingeschlossen wurde. Dadurch hätten die Tiere am Ende der Kreidezeit 17-mal so viel Wärmestrahlung abbekommen, wie für Menschen tödlich ist. Der Hitzestau dürfte laut den Forschern Gras, Kiefernnadeln und Flechten in Brand gesetzt haben, möglicherweise auch Holz. Wenn Tiere die Hitze überstanden, drohte ihnen auch danach noch tödliche Gefahr. "Ich untersuche die Wolken und Luftschadstoffe in unserer heutigen Atmosphäre", sagte Alexandria Johnson. "Der 2,5 Mikrometer große Staub, den wir hier analysiert haben, hat dieselbe Größe wie die Rauchpartikel, die uns bei Waldbränden Sorgen bereiten. Er gelangt in die Lunge und sogar in den Blutkreislauf, weshalb er so besorgniserregend für die öffentliche Gesundheit ist." Bis sich der damalige Feinstaub legte, dürften Jahre oder Jahrzehnte vergangen sein. Der Studie zufolge blockierte die Staubglocke das Tageslicht. Für Tiere, die wie Menschen nicht weit im Infrarotbereich sehen können, dürfte die Erdoberfläche daher bis auf das Leuchten der Waldbrände dunkel erschienen sein. "Es sah wahrscheinlich eher wie die Hölle als wie die Venus aus", kommentierte Brandon Johnson. "Es muss furchtbar gewesen sein."