Datum28.07.2026 16:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRWährend eines Interviews zum Thema Migration auf dem Ärmelkanal wurden Schüsse gehört. Der britische Politiker Chris Philp vermutet Warnschüsse oder Einschüchterungsversuche von der französischen Küstenwache. Die französische Seite erklärt, es habe sich um eine Übung gehandelt, die nicht mit dem britischen Boot in Verbindung stand. Der Vorfall ereignete sich, obwohl Großbritannien erhebliche Summen an Frankreich zahlt, um illegale Überfahrten zu verhindern.
InhaltChris Philp beantwortet auf einem Boot gerade Fragen zu Migration, als plötzlich mehr als ein Dutzend Schüsse zu hören sind. Der britische Politiker spricht von Warnschüssen, die französische Küstenwache von einer Übung. Die Idee war naheliegend: Die britische BBC wollte ein Interview zum Thema Migration führen. Warum also nicht ein Boot nehmen und den Ärmelkanal als Kulisse nutzen. Als der britische Politiker Chris Philp dann aber die Fragen des Reporters beantwortet, fallen plötzlich mehr als ein Dutzend Schüsse. Die Szene ist in einem Video zu sehen, das die BBC teilte . Darauf zudem zu erkennen: Eine Patrouille der französischen Küstenwache in unmittelbarer Nähe des BBC-Bootes. Es wird angenommen, dass die Schüsse von dort kamen. Matt Coker, der Kapitän des Bootes, auf dem das Interview stattfand, sagte laut BBC, er habe "so etwas noch nie zuvor gesehen". Auch der Reporter der BBC, Michael Keohan, beschreibt den Vorfall als einen sehr ungewöhnlichen Moment: "Es gab keine Warnung für unser Boot." Keohan spricht von rund 17 Schüssen. Unklar sei, warum die Schüsse abgegeben wurden. Die Schüsse hätten sich "wie Warnschüsse oder ein Einschüchterungsversuch angehört", schilderte Philp . Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Philp wurde auf dem Boot zu den Überfahrten von Geflüchteten in Schlauchbooten von Frankreich nach England interviewt. Der Tory-Politiker macht immer wieder Stimmung gegen die französischen Behörden, die angeblich nicht genug gegen die Überfahrten tun würden. Nun behauptet er, die Schüsse seien offenbar ein Versuch, ihn davon abzuhalten, "auf die Überfahrten von Migranten aufmerksam zu machen". Die französischen Behörden erklärten später gegenüber der BBC, dass die Schüsse Teil einer Übung gewesen seien, die in keinem Zusammenhang mit dem britischen Schiff gestanden habe. Dieses habe sich ohnehin außerhalb der Schussreichweite befunden. Außerdem sei das Schiff der Küstenwache nicht im Einsatz zur Überwachung von Booten mit Geflüchteten gewesen. Der Vorfall ereignete sich, nachdem der neue Premierminister Andy Burnham betont hatte, dass der Plan der Regierung zur Bekämpfung der Überfahrten mit Schlauchbooten über den Ärmelkanal "funktioniert". Großbritannien zahlt derzeit mehrere Hundert Millionen Euro jährlich an Frankreich, damit die Menschen an deren Küste von der Flucht abgehalten werden. Burnham räumte jedoch auch ein, dass noch mehr zu tun sei. Nach aktuellen Zahlen des britischen Innenministeriums wurden in diesem Jahr 13.007 Ankünfte registriert. Das sind 45 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr und ein Rückgang um 18 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2024.