Klamme Kassen: So zeigt sich die Finanznot der Kommunen bei den Sparkassen

Datum28.07.2026 15:55

Quellewww.zeit.de

TLDRKommunen in Baden-Württemberg leiden unter akuter Finanznot. Ihre Einlagen bei Sparkassen sanken um 15%, während Kreditaufnahmen um ein Fünftel stiegen. Steigende Sozialausgaben, sinkende Gewerbesteuereinnahmen und notwendige Investitionen belasten die Haushalte stark. Dies führt zu einem beispiellosen Defizit und bedroht die Zukunftsfähigkeit der Kommunen. Die Sparkassen sehen diese Entwicklung mit großer Sorge.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Klamme Kassen“. Lesen Sie jetzt „So zeigt sich die Finanznot der Kommunen bei den Sparkassen“. Die finanzielle Not der Kommunen im Südwesten zeigt sich immer deutlicher in den Bilanzen der Sparkassen. Die Einlagen öffentlicher Haushalte bei den 50 Instituten im Land lagen Ende Juni bei 9,1 Milliarden Euro - und damit 15 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, wie der Sparkassenverband Baden-Württemberg (SVBW) in Stuttgart mitteilte.  Zugleich stieg die Nachfrage nach Darlehen deutlich: Städte, Gemeinden und Landkreise standen bei den Sparkassen Ende Juni mit 6,0 Milliarden Euro in der Kreide. Das ist ein Fünftel oder eine Milliarde Euro mehr als ein Jahr zuvor. Das heißt: Die Ausgaben übersteigen derzeit die Einnahmen vieler Kommunen. Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, greifen sie daher auf ihre Rücklagen zurück und leihen sich zunehmend auch Geld bei den Banken. Momentan gibt es nach Angaben von Sparkassenpräsident Matthias Neth eine nie dagewesene kommunale Finanzkrise. Die Kommunen bräuchten immer mehr Kredite von den Sparkassen, zugleich sänken die Einlagen immer weiter, sagte Neth. Er blicke mit "allergrößter Sorge" auf die Zukunft der Kommunen. Neth nannte mehrere Aspekte, die die Haushalte belasten: Ersten seien die Einnahmen aus der Gewerbesteuer in vielen Regionen tendenziell rückläufig. Zweitens beschäftige die Kommunen ein "völliger Aufwuchs konsumtiver Ausgaben" - also von Sozialleistungen. Das sei auf Dauer nicht leistbar. Man müsse an die Frage heran, welche Ausgaben stemmbar seien. Drittens stünden viele Kommunen vor großen Investitionen - zum Beispiel in Schulen, Kitas, Straßen, Glasfaser oder die Digitalisierung der Verwaltung. Gerade die kommunalen Investitionen seien für die Menschen am deutlichsten wahrnehmbar, sagte Neth. Ohne das Sondervermögen des Bundes wäre aber nicht viel Geld dafür übrig. "Wenn die Gewerbesteuer nicht wieder anzieht, die konsumtiven Ausgaben nicht weniger werden und das Geld vom Bund nicht mehr so fließt, dann wird an Investitionen gespart, also an Zukunftsfähigkeit. Und das kann diesem Staat, dieser Gesellschaft nicht guttun".  Die Finanznot der Kommunen in Baden-Württemberg hat sich zuletzt dramatisch zugespitzt. Mit einem Defizit von 4,4 Milliarden Euro verzeichneten sie 2025 den höchsten Fehlbetrag ihrer Geschichte. Das geht aus einem Bericht der Bertelsmann-Stiftung hervor. Haupttreiber sind steigende Personal- und Sozialausgaben sowie einbrechende Gewerbesteuereinnahmen. Insgesamt gaben sich die Sparkassen mit der Entwicklung in den ersten sechs Monaten des Jahres zufrieden, Wachstum verzeichneten sie unter anderem beim Kreditvolumen und den Kundeneinlagen. Außerdem wurden deutlich mehr Wertpapiere verkauft. Die Bilanzsumme stieg im ersten Halbjahr um 1,2 Prozent auf 254,5 Milliarden Euro. Zum Ergebnis äußern sich die Sparkassen zum Halbjahr nicht. Nach eigenen Angaben haben die 50 Institute landesweit gut 1.700 Filialen und mehr als fünf Millionen Privat- und Unternehmenskunden. © dpa-infocom, dpa:260728-930-451001/1