Digga, Schere, Du bist gut genug: Susanne Daubner verkündet Vorauswahl des Jugendwortes 2026

Datum28.07.2026 15:59

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie "Tagesschau"-Sprecherin Susanne Daubner hat die Top 10 des Jugendworts des Jahres verkündet. Die Auswahl des Langenscheidt-Verlags beinhaltet oft wiederkehrende Begriffe wie "Digga" und "Macker", was auf einen Stillstand in der Jugendsprache hindeutet. Daubners dynamische und humorvolle Präsentation kontrastiert mit den teilweise alten Begriffen und versucht, den jugendlichen Geist einzufangen. Sie performt die Wörter mit verschiedenen Stilen, von Gangsta-Rap bis zu emotionalem Gesang.

InhaltWas soll sich verändern, wenn selbst die Jugendsprache auf der Stelle tritt? Mit "Digga" und "Macker" konkurrieren olle Begriffe ums Jugendwort 2026. Dafür grimmt, grollt und fiept Susanne Daubner gegen den Stillstand an. Gute Käse, die Performance! Zwei Dinge haben wir bislang für gewiss gehalten. Erstens: Jugendsprache ist in ständiger Veränderung. Zweitens: Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk herrscht Stillstand. Doch auf einmal verhält es sich genau umgekehrt. Was ist passiert? Wie jedes Jahr verliest die "Tagesschau"-Sprecherin Susanne Daubner auf verschiedenen Social-Media-Kanälen der Nachrichtensendung  die zehn Kandidaten für das Jugendwort des Jahres. Verliest? Sorry, Daubner jubiliert, rappt und ätzt die Begriffe nur so aus sich raus. Das ist wirklich – wie Leute sagen, die früher mal jung waren – fresh. Nicht so fresh sind zum Teil die zehn Begriffe, die der kuratierende Langenscheidt-Verlag aus Unmengen von Einsendungen für die Longlist ausgesucht hat, darunter auch zwei gute alte Bekannte namens "Digga" und "Macker". Der erste ein Relikt aus den Nullerjahren, als junge Menschen angefangen hatten, auf Deutsch zu rappen. Der zweite eines aus den Siebzigerjahren, als junge Menschen begannen, in Wohngemeinschaften zusammenzuleben. Dass die Jugend von heute so redet wie ihre Eltern oder Großeltern, ist bedenklich. Wenn sich nicht mal die Jugendsprache verändert, was soll sich dann überhaupt noch verändern? Susanne Daubner zum Beispiel. 2022 stand "Digga" schon mal auf der Longlist, da sprach sie die hocherhitzte Begrüßungs- und Begeisterungsformel noch aus, als verlese sie die Lottozahlen . Der zuerst wohl ungewollte Witz, der sich einstellt, wenn Sachlichkeit auf pubertäre Geheimniskrämerei und Kraftmeierei trifft, wurde von Daubner immer bewusster und verspielter genutzt. Dieses Jahr legt sie ihre sowieso schon dunkle Stimme gangstarapmäßig noch ein wenig tiefer. Überhaupt performt die Nachrichtensprecherin, die im März 65 Jahre alt geworden ist, einen Teil der Begriffe. Schon der Einstieg hat was von einem Clubkonzert. "Liebe Community, es ist wieder soweit: Die Top 10 für das Jugendwort des Jahres stehen fest. Und wir gehen rein!" Bei der Vorstellung von "Ragebait", laut Langenscheidt-Definition "Content, der absichtlich triggern soll", schaut Daubner gespielt missmutig, wie ein Rapper, der zum Battle antritt. Noch mehr Wumms aber hat die Verkündigung des Begriffs "Schere". Laut der jugendlich forschen Spracharchivare von Langenscheidt will der Sprechende damit in etwa bekunden: "Du hast’s verkackt, stehst aber dazu." Daubner zuckt beim Aussprechen des Wortes mit den Schultern und zieht läppisch die Augenbrauen hoch, so wie ein jugendlicher Kiffer, der gerade das tollste Gras, das er mit seinen Freunden beim Dealer an der dunklen Straßenecke geholt hat, auf den Boden hat krümeln lassen. Am ambitioniertesten aber ist ihre Version von "Du bist gut genug".  Die Selbstermunterung geht auf eine Kollaboration des Berliner Produzentenduos KitschKrieg mit der Rapperin Shirin David und der Indie-Pop-Band Blumengarten zurück. Virale Achtsamkeitsgymnastik gegen den allgemeinen Niedermachterror. Daubner, die eigentlich ein rauchiges Timbre wie eine Nachtclubsängerin nach der dritten Schachtel Kippen hat, steigt hier in ihrem kanariengelben Jacket ins allerhöchste Falsett auf, bis einem fast die Ohren klingeln. Das ist, wie die jungen Leute laut Langenscheidt bei Anerkennung einer Leistung sagen, "gute Käse". Auch diese Lobpreisung steht zur Abstimmung bereit. Das Gewinnerwort wird am 28. August bekannt geben.