Angela Merkel: »Keine Schuldzuweisung« bei Aussagen über Polen und Baltenstaaten

Datum27.11.2025 12:39

Quellewww.spiegel.de

TLDRAngela Merkel verteidigt sich gegen Vorwürfe, sie hätte Polen und die baltischen Staaten für den russischen Angriff auf die Ukraine mitverantwortlich gemacht. In einem Interview bezeichnete sie entsprechende Aussagen als "Fake News" und erklärte, ihre Autobiografie sei missverstanden worden. Merkel betont, dass der Krieg eine Aggression von Wladimir Putin sei und verweist auf den gescheiterten Dialog mit Russland, der nicht schuldzuweisend gemeint war. Ihre Äußerungen sorgten für Empörung in den betroffenen Ländern.

InhaltIn einem Interview schien die Altbundeskanzlerin, eine Mitschuld für Russlands Angriff auf die Ukraine bei Polen und den baltischen Staaten zu suggerieren. Nun verteidigt sich Merkel: Dies zu behaupten, sei "Fake News". Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat betont, dass sie Polen und die baltischen Staaten nicht für den russischen Angriff auf die Ukraine mitverantwortlich macht. Das seien "Fake News". Eine Passage ihrer Autobiografie "Freiheit" sei "in einen falschen Kontext" gesetzt worden, sagte die CDU-Politikerin in der Sendung "phoenix persönlich". In der Passage hieß es, die baltischen Staaten und Polen hätten 2021 ein von Merkel vorgeschlagenes Dialogformat mit Russland abgelehnt. Doch damit sei "keine Schuldzuweisung verbunden". "Dieser Krieg ist ausgebrochen, er hat unsere Welt verändert, das ist eine Aggression der Russischen Föderation, der russischen Republik, Wladimir Putins", sagte Merkel nun. "Wir alle haben nicht vermocht (…), diesen Krieg zu verhindern." Das sei der Sachverhalt. Ein Interview Merkels mit dem ungarischen YouTube-Kanal "Partizán"  vom Oktober hatte Empörung in Polen und den baltischen Staaten ausgelöst. Darin sagte Merkel, das Dialogformat mit Russland "wurde von einigen nicht unterstützt, das waren vor allem die baltischen Staaten, aber auch Polen war dagegen, weil sie Angst hatten, dass wir keine gemeinsame Politik gegenüber Russland haben." Das Format sei nicht zustande gekommen, sie sei aus dem Amt geschieden, und Putins Aggression habe begonnen, sagte Merkel weiter. "Wir werden heute nicht mehr klären können, was gewesen wäre, wenn", fügte sie damals hinzu. In Polen, Litauen, Lettland und Estland wurde die Aussage als Schuldzuweisung angesehen und besonders von rechten Politikern scharf kritisiert. Zur Aussage des früheren Bundesaußenministers Sigmar Gabriel (SPD) in der ARD-Sendung "Maischberger", mit Merkel hätte es keinen Krieg in der Ukraine gegeben, sagte die ehemalige Bundeskanzlerin: "Das ist vollkommen spekulativ." Sie glaube, dass die Coronapandemie großen Einfluss gehabt habe, weil bislang übliche Gesprächsformate zusammengebrochen seien. Sie habe nicht regelmäßig mit Putin sprechen können. "Und das ist im Umgang mit nicht demokratisch regierten Ländern noch schwieriger, als wenn man schon unter gleich organisierten Ländern so wenig miteinander redet." Ihr sei aber schon seit "vielen, vielen Jahren" klar gewesen, dass von Putin ausgehend eine ernsthafte Gefahr bestanden habe.