Datum28.07.2026 09:30
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Taliban verbieten Regierungsangestellten in Afghanistan die Nutzung von Smartphones. Verstöße können zur Kündigung führen. Diese Maßnahme spiegelt eine interne Spaltung wider: Hardliner sehen Smartphones als Laster, während Pragmatiker darin Geschäftsmöglichkeiten erkennen. Aktive staatliche Social-Media-Konten widersprechen jedoch dem Verbot. Seit Mitte Juni in Kraft, führt die Regelung zu unterschiedlichen Reaktionen bei Beamten, die traditionell Smartphones für Kommunikation und Dokumentenaustausch nutzen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Menschenrechte“. Lesen Sie jetzt „Taliban verbieten Smartphones für Regierungsangestellte“. Knapp fünf Jahre nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan verbieten die Taliban ihren eigenen Regierungsbeamten die Verwendung von Smartphones. Die Anweisung der Taliban-Führung sehe unter anderem Kündigung bei Missachtung der Regelung vor, berichtet die UN-Hilfsmission für Afghanistan (Unama) in einer aktuellen Stellungnahme. Demnach sei die Anweisung bereits seit Mitte Juni veröffentlicht, werde jedoch von Regierungsstellen unterschiedlich aufgefasst. Zuvor hatten verschiedene internationale Medien berichtet. Der Sender RFE/RL veröffentlichte Videoaufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie Mitglieder der Taliban Smartphones zerstören. Mit Werkzeugen werden Displays kaputt geschlagen oder die Geräte an Tischkanten abgebrochen. Nach Angaben von Unama haben infolge der Anweisung Regierungsbeamte unterschiedlich reagiert: Ein Sprecher einer lokalen Polizeibehörde habe aufgehört, auf Facebook Beiträge zu veröffentlichen. Ein anderer Beamter habe angegeben, lediglich mit seinem Laptop nach Dienstschluss in sozialen Medien zu posten. Verschiedene offizielle Accounts der Taliban-Regierung sind jedoch seit Veröffentlichung der Anweisung weiterhin aktiv in den sozialen Medien. Das neuerliche Smartphone-Verbot für Regierungsbeamte folgt einer längeren Debatte innerhalb der islamistischen Taliban zum Umgang mit den Geräten. Beobachter sehen in der obersten Taliban-Führung, die von der südlichen Stadt Kandahar aus regiert, eine Hardliner-Position, die Smartphones und den Zugang zum Internet als Laster verstehen. Demgegenüber stünden Pragmatiker in Kabul, für die das Internet eine Möglichkeit zum Geschäftetreiben ist. Gerade für handwerkliche Betriebe stellen derzeit soziale Netzwerke eine wichtige Vermarktungsstrategie dar. Erst im vergangenen Herbst war für etwa zwei Tage das Internet im ganzen Land abgeschaltet worden - auf Anweisung des obersten Taliban-Führers Haibatullah Achundsada, um "Unmoral zu verhindern". Smartphones gelten in Afghanistan als zentrales Kommunikationsmittel. Offizielle Dokumente werden häufig per WhatsApp ausgetauscht. © dpa-infocom, dpa:260728-930-448152/1