Datum28.07.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDREine Podiumsdiskussion in Hamburg thematisierte Queerfeindlichkeit in Zeiten von Anschlägen. Die Teilnehmer betonten, dass Vielfalt und Gleichberechtigung herausgefordert seien. Eine neue CDU-Generalsekretärin wurde gewählt. Die Pünktlichkeit von Fernzügen am Hamburger Hauptbahnhof hat sich verbessert, obwohl ein Drittel verspätet war. Die Bahn plant ein umfassendes Alkoholverbot an Bahnhöfen, um Gewalt und Müll zu reduzieren.
InhaltDie Elbvertiefung am Dienstag – mit gefährlichen Menschen, einem Hauptbahnhof fast ohne Alkohol und dem Aufstieg einer konservativen Politikerin als ich gestern zu einer Podiumsdiskussion über Antifeminismus und Queerfeindlichkeit nach St. Georg gefahren bin, fragte ich mich vorher, welche Stimmung ich nach dem Berliner Terroranschlag beim CSD antreffen würde. Wer lesbisch oder schwul ist, weiß ja, dass sie oder er Feinde hat. Herausgefordert ist, so scheint es mir, im Grunde eher die behaglich-bürgerliche Welt, in der Leute wie ich sich einreden, Gleichberechtigung und Geschlechtervielfalt seien eigentlich schon mit der Verabschiedung des Grundgesetzes erreicht worden. Mein erster Eindruck: Von Einschüchterung keine Spur. An die hundert Leute haben sich in den Raum im ersten Stock des Integrations- und Familienzentrums gedrängt, weitere sitzen davor. Polizei ist nirgends sichtbar, die Menschen hier fühlen sich offenbar trotzdem sicher. Und was sagen sie zum anti-queeren Terror? Im Laufe des Abends wird er zerlegt, seziert, vermessen und eingeordnet werden. Die Betroffenheitsbekundungen beschränken sich auf ein Minimum. Es wirkt, als seien die Rednerinnen und Zuhörer zu oft und zu lange von Feindseligkeiten vieler Art betroffen, um einem einzelnen Vorfall große Bedeutung beizumessen. Wobei, das muss ergänzt werden, der Begriff der Feindseligkeit hier sehr umfassend ausgelegt wird. Für eine Vertreterin der Amadeu-Antonio-Stiftung gegen Rechtsextremismus, die zu den Sprecherinnen zählte, sind rechter Terrorismus und die Kürzung von Mitteln für die Gleichstellungsarbeit letztlich bloß unterschiedliche Methoden, um dasselbe Ziel zu erreichen. Glücklicherweise ist das eine Ansicht, die man nicht teilen muss, wenn man am kommenden Samstag aus Solidarität mit queeren Menschen zur CSD-Parade geht. Wenn es dem anti-queeren Terrorismus um Einschüchterung geht, darum, queere Menschen und ihre Politik unsichtbar zu machen, können wir alle dazu beitragen, dass sie sichtbar und auffällig bleiben. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Der CDU-Bundesvorstand hat die Hamburgerin Franziska Hoppermann zur neuen Generalsekretärin gewählt. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die 44-jährige Diplomkauffrau vorgeschlagen. Sie sitzt seit 2021 für den Wahlkreis Wandsbek im Bundestag und ist nun kommissarisch im Amt, bis sie auf dem nächsten Bundesparteitag bestätigt wird. Nach der tödlichen Messerstecherei am U-Bahnhof Berne hat die Polizei einen festgenommenen Verdächtigen wieder freigelassen. Gegen den 22-Jährigen werde jedoch wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Am Hauptbahnhof war mehr als ein Drittel der Fernzüge im vergangenen Jahr unpünktlich – im Schnitt 11,5 Minuten bei Ankunft, das teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Im Vergleich zu 2024 hat sich die Pünktlichkeit um 1,7 Prozentpunkte auf 61 Prozent verbessert; damit liegt Hamburg ungefähr im Bundesschnitt. Hamburgerinnen und Hamburger haben im vergangenen Jahr mehr als 175,5 Millionen Euro für Lotto ausgegeben – etwa 7,3 Millionen Euro weniger als 2024. Fast 70 Millionen Euro wurden 2025 als Gewinne ausgezahlt. Es gab drei neue Millionäre; einer davon fand seinen Lottoschein erst ein Jahr nach Abgabe beim Aufräumen wieder. In der Nacht zum Montag gab es einen Unfall am Deichtortunnel, dem vermutlich ein verbotenes Autorennen vorausging. Die Polizei sucht nun nach Zeugen. Die Bahn will Alkohol an allen Bahnhöfen verbieten. In Hamburg ist das schon seit zwei Jahren so. Reisende, Kneipenbesucher und Wachleute berichten, was es gebracht hat. ZEIT-Autorin Lena Frommeyer ist der Frage nachgegangen; lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Artikel. Christoph Diener läuft durch den Hamburger Hauptbahnhof. Sein linkes Ohr ist tätowiert, er hat einen Zopf. Der 29-Jährige trägt die Uniform einer privaten Sicherheitsfirma und hat eine Gruppe von Reisenden im Verdacht, die in großen Schlucken etwas aus Dosen trinken. Bier womöglich? Diener mustert die Gruppe, wird langsamer, dreht dann aber wieder ab. Falscher Alarm. Es sind nur Energydrinks. Der Hamburger Hauptbahnhof ist seit April 2024 einer von bisher 30 alkoholfreien Bahnhöfen in Deutschland. Wobei das nicht ganz stimmt: In Kiosken, Bahnhofskneipen und Zügen wird weiterhin Alkohol verkauft oder ausgeschenkt. Das Verbot gilt nur für den Verzehr an den Bahnsteigen, in den Bahnhofshallen und auf den Vorplätzen. Wer sich nicht daran hält, riskiert einen Platzverweis und beim zweiten Mal ein Hausverbot. Auf den Vorplätzen droht zudem ein Bußgeld zwischen 40 und 200 Euro. Bald sollen alle 5.400 Bahnhöfe in Deutschland alkoholfrei werden, verkündete die Deutsche Bahn Anfang der Woche. Das hat auch damit zu tun, dass es zuletzt mehrfach zu gewalttätigen Übergriffen auf Fahrscheinkontrolleure kam, bei denen teilweise Alkohol eine Rolle gespielt hat. "Genug ist genug", sagte Bahnchefin Evelyn Palla. Wo ein Alkoholverbot an Bahnhöfen gelte, gebe es weniger Gewalt und weniger Müll als vorher, teilte die Bahn mit, die Mehrheit der Menschen halte sich an die Regeln. Aber stimmt das? Wir haben Reisende, Kneipengäste sowie Mitarbeitende am Hamburger Hauptbahnhof gefragt, ob dieser durch das Alkoholverbot wirklich zu einem besseren Ort geworden ist. Wie alkoholfrei der Hauptbahnhof durch das Verbot tatsächlich ist, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Auf jeden Gefährder kommen zehn Polizisten Gefährder wie der mutmaßliche Attentäter von Berlin werden mit großem Aufwand überwacht. Was dann passiert – und mit welchen Problemen die Behörden kämpfen –, haben Christoph Heinemann und Marina Guldimann aufgeschrieben. → Zum Artikel Das Motto der Pride Week in diesem Jahr lautet: Solidarisch queer! Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst. Die Moderatorin Annette Nordhoff diskutiert morgen Abend mit Vertreterinnen und Vertretern von queeren Vereinen über Solidarität innerhalb der LGTBQI+-Community. "Solidarisch queer", 29. Juli, 19.30 Uhr; Pride House, Veranstaltungssaal im Erdgeschoss, Rostocker Str. 7; den kompletten Veranstaltungskalender finden Sie hier. Eine alte Dame berichtet von einem Tagesausflug. "Ja, es war sehr schön! Aber ich musste mich zwei Tage davon erholen. Ich bin ja nicht mehr 80." Gehört von Karin Koch Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren