Datum28.07.2026 05:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Kunstherbst in NRW präsentiert bedeutende Ausstellungen. Werke von Franz Marc, Niki de Saint Phalle und Anish Kapoor sind zu sehen. Andy Warhols Beethoven-Porträts werden im Beethoven-Haus Bonn gewürdigt. Das Von der Heydt-Museum Wuppertal beleuchtet die Macht des Ornaments, das NRW-Forum Düsseldorf die ostasiatische Popkultur. Das Museum Ludwig in Köln thematisiert die schwarze Diaspora in der Moderne, das Kunstmuseum Bonn Herlinde Koelbls Krebsstudien.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kunst im Museum“. Lesen Sie jetzt „Moderne, Pop und neue Perspektiven: Kunstherbst in NRW“. Von Franz Marcs Tierbildern bis Andy Warhols Beethoven-Porträts: Im Herbst locken große Ausstellungen in Nordrhein-Westfalen mit Highlights der Moderne und Popkultur in die Museen. Eine Auswahl. Die leuchtend bunten Tierdarstellungen von Franz Marc (1880-1916) ziehen Betrachter immer wieder in ihren Bann. Die Kunstsammlung NRW widmet dem Mitbegründer des "Blauen Reiters" vom 12. September 2026 bis 24. Januar 2027 unter dem Titel "Die Suche nach einer besseren Welt" eine umfassende Einzelschau. Marcs Gesamtwerk entstand in nur wenigen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zwischen 1904 und 1914. Er fiel 2016 in der Nähe von Verdun. Von den frühen Tierdarstellungen bis zur kubistischen Auflösung der Formen zeichnet die Ausstellung den Weg des Künstlers nach. Sie schoss nicht nur auf Bilder, sie zielte auch auf Männer, die Gesellschaft und sich selbst. Niki de Saint Phalle (1930–2002) schuf die üppig-farbenfrohen "Nana"-Frauenfiguren, erregte aber auch Aufsehen, als sie bei Happenings auf die eigenen Bilder schoss. Vom 10. September 2026 bis 7. Februar 2027 zeigt der Kunstpalast Düsseldorf mehr als 100 Werke der in Frankreich geborenen Künstlerin. Die Schau entstand unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Sprengel Museum Hannover und ist 2027 auch im Nationalmuseum Wroclaw (Breslau) zu sehen. Wegen des großen Erfolges hat das Lehmbruck Museum in Duisburg die Ausstellung mit Werken des weltweit bekannten Bildhauers Anish Kapoor bis zum 18. Oktober verlängert. Der aus Indien stammende Künstler ist der aktuelle Lehmbruck-Preisträger - und seine Großskulpturen fordern die Sinne heraus. Zu sehen ist in Duisburg das Werk Kapoors in all seinen Facetten: von frühen Pigmentarbeiten über Spiegelskulpturen bis hin zu monumentalen Installationen. Darunter ist auch "Past, Present, Future", eine mehr als drei Meter hohe Kugel aus tiefrotem Wachs. Es ist nach Angaben des Museums die umfangreichste Ausstellung von Kapoors Werken in Deutschland seit über einem Jahrzehnt. Das Beethoven-Haus in Bonn inszeniert das Gipfeltreffen zweier Genies - und erzählt ihre besondere Geschichte. In der Ausstellung "Beethoven by Warhol" (9. September 2026 bis 5. April 2027) liegt der Fokus auf den ikonischen Beethoven-Porträts, die Andy Warhol noch kurz vor seinem plötzlichen Tod im Jahr 1987 anfertigte. Die beiden Vorlagen für Warhols Siebdruckserie - Abbildungen des berühmten Beethoven-Porträts von Joseph Stieler und des Autographs der Mondscheinsonate - stammen aus dem Beethoven-Haus. Zu sehen sind mehr als 100 zum Teil noch nie öffentlich gezeigten Arbeiten von Warhol, darunter unbekannte Beethoven-Zeichnungen, Plattencover und Probedrucke. Anlass der Ausstellung ist der 200. Todestag von Ludwig van Beethoven und der 40. Todestag von Andy Warhol im Jahr 2027. Das Ornament ist schön anzusehen und wird doch häufig wenig gewürdigt. Dass Ornamente weit mehr sind als dekorative Elemente, zeigt das Von der Heydt-Museum Wuppertal. Mit der Ausstellung "Schön & streng. Die Macht des Ornaments" (11. Oktober 2026 bis 14. Februar 2027) erkundet das Museum die Funktion und Bedeutung des Ornaments in der Kunst von der klassischen Moderne bis heute. Anhand zahlreicher Hauptwerke aus der Sammlung etwa von Henri Matisse oder August Macke wird illustriert, wie Künstler Farbe, Form und Fläche zum eigentlichen Bildthema werden lassen. Auch in der heutigen Kunst erfüllen Wiederholungen und Muster nicht etwa eine dekorative Funktion, sondern sind dem Museum zufolge etwa bei Philip Taaffe, Katja Davar oder Thomas Bayrle Ausdruck des Wunsches, das Einfache und das Komplexe miteinander zu verbinden. Hello Kitty, Studio Ghibli, K-Pop und Manga - für Fans der ostasiatischen und besonders japanischen Popkultur sind diese Begriffe keine Fremdworte. Comics, Film, Essen, Design, digitale Bildwelten - ostasiatische Popkultur prägt den globalen Mainstream entscheidend mit. Das NRW-Forum in Düsseldorf - der Stadt mit der größten japanischen Community in Deutschland - zeigt vom 17. September bis 23. Mai 2027 die Schau "Asia Pop". Anhand von rund 400 Werken verspricht das NRW-Forum, "ein visuelles, klangliches und kulinarisches Panorama ostasiatischer Popkultur" zu entwerfen. Noch bis zum 8. November ist im Museum Folkwang in Essen die große Retrospektive des französischen Realisten Gustave Coubet zu sehen. Unter den 100 Werken aus allen Schaffensphasen des Franzosen ist auch das einst skandalträchtige "L'Origine du monde" (Der Ursprung der Welt). Das Gemälde rückt den Unterkörper einer nackten Frau mit geöffneten Schenkeln in den Mittelpunkt. Der 1866 entstandene Akt schockierte den Kunstbetrieb so sehr, das es Jahrzehnte lang nicht öffentlich gezeigt werden durfte. Sichtbar machen, was lange übersehen wurde - das ist die Gründungsidee des Museums Ludwig in Köln, das dieses Jahr das 50. Jubiläum feiert. Mit der interdisziplinären Überblicksausstellung "Along the Color Line. Spuren einer transatlantischen Moderne" (3. Oktober 2026 bis 7. März 2027) setzt das Museum die internationale schwarze Diaspora in Beziehung zur europäischen Moderne. Noch immer orientiere sich unser Blick auf die Moderne an weißer, westeuropäischer und nordamerikanischer Kunst, so das Museum. In europäischen Museen seien schwarze Künstlerinnen und Künstler oft nur schwach oder gar nicht vertreten. Die Ausstellung will zeigen, wie schwarze Künstler die Moderne aufgenommen, weiterentwickelt oder sich von ihr abgegrenzt haben. Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien spielen dabei ebenso eine Rolle wie Literatur und Musik. Die neueste Werkserie der renommierten Fotografin und Dokumentarfilmerin Herlinde Koelbl präsentiert das Kunstmuseum Bonn. Die Ausstellung "Fadenkreuze für das Leben" (8. November 2026 bis 16. Mai 2027) versammelt Porträts und Gesprächsaufzeichnungen von mehr als 40 an Krebs erkrankten Menschen. Ausgangspunkt der Arbeit ist Koelbls eigene Krebserkrankung 2019/20. Entstanden ist dem Museum zufolge ein bewegendes Panorama menschlicher Verletzlichkeit und Stärke - und ein Plädoyer für einen offeneren gesellschaftlichen Umgang mit Krebs. Koelbl hat mit Langzeitstudien wie "Spuren der Macht" internationale Bekanntheit erlangt. © dpa-infocom, dpa:260728-930-447472/1