Anschlag auf Berliner CSD: BKA stuft 410 Menschen in Deutschland als islamistische Gefährder ein

Datum28.07.2026 02:00

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas BKA stuft 410 Menschen als islamistische Gefährder ein. Diese Zahl, die vom Anschlag auf den Berliner CSD ausging, ist Teil einer größeren Debatte über den Umgang mit Extremisten. Neben den islamistischen Gefährdern gibt es auch Rechtsextremisten (65) und Linksextremisten (17). Die Einstufung als Gefährder ist dynamisch und eine Einzelfallentscheidung. Der mutmaßliche CSD-Attentäter war als islamistischer Gefährder bekannt, was Forderungen nach härteren Maßnahmen und einer Überprüfung gerichtlicher Entscheidungen laut werden lässt.

InhaltSeit dem CSD-Anschlag wird verstärkt über einen verschärften Umgang mit extremistischen Gefährdern diskutiert. Das Bundeskriminalamt nennt einem Bericht zufolge nun aktuelle Zahlen. Und macht zugleich eine wichtige Einschränkung. Das Bundeskriminalamt (BKA) betrachtet derzeit 410 Menschen als islamistische Gefährder. Diese seien dem Bereich des islamistischen Terrorismus/Extremismus zuzuordnen, sagte ein BKA-Sprecher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Hinzu kämen 65 Gefährder im Bereich Rechtsextremismus und 17 Gefährder im Bereich Linksextremismus. Die Zahlen spiegeln den Stand 1. Juli 2026 wider. Als Gefährder gelten Menschen, denen die Sicherheitsbehörden schwere politisch motivierte Gewalttaten bis hin zu Anschlägen zutrauen. Über die Einstufung einer Person als Gefährder oder als sogenannte relevante Person entscheiden nach Angaben des BKA die Polizeien der jeweils zuständigen Bundesländer. Als relevante Personen gelten unter anderem Unterstützer von Gefährdern. Die Gründe für eine Ein- oder Ausstufung von Gefährdern seien vielfältig und unterlägen jeweils einer Einzelfallbetrachtung, erläuterte das BKA dem Bericht zufolge. Die Anzahl der Gefährder unterliege folglich Schwankungen. Sie gebe als alleiniges Kriterium keinen Aufschluss über die Gefährdungslage in einem bestimmten Extremismusbereich. Der mutmaßliche Attentäter vom Berliner Christopher Street Day (CSD) war nach Behördenangaben als islamistischer Gefährder eingestuft. Der 21-Jährige soll am Samstagabend im Tiergarten mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren sein und anschließend Menschen mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Eine 65-jährige Polin wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Bei seiner Festnahme am Sonntagabend wurde Abdul B. von Einsatzkräften erschossen. Die Tat hat eine Diskussion über einen verschärften Umgang mit extremistischen Gefährdern entfacht (einen Überblick, was Politiker nach dem CSD-Anschlag fordern, finden Sie hier ). Nach SPIEGEL-Informationen hat die Berliner Polizei Abdul B. vor dem Anschlag wochenlang überwacht, sogar noch am Tag der Tat (mehr dazu hier ). Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte am Montagabend, er wolle das Vorgehen gegen Gefährder verschärfen. Es brauche Regeln, "dass Gefährder nicht nach Jugendstrafrecht behandelt werden und schon gleich gar nicht auf Bewährung in Freiheit kommen", sagte er in den ARD-"Tagesthemen" (mehr dazu hier). Abdul B. wurde wegen Terrorplänen von einem Gericht verurteilt, blieb aber in Freiheit. Dann steuerte er beim CSD ein Auto in eine Menschenmenge. Extremismusforscher Neumann sagt: Die Justiz war zu lasch. Das ganze Interview finden Sie hier .