Datum27.07.2026 13:18
Quellewww.zeit.de
TLDRGunther von Hagens, der Begründer der umstrittenen "Körperwelten"-Ausstellungen, ist tot. Er starb im Alter von 81 Jahren nach langer Parkinson-Erkrankung. Von Hagens entwickelte die Plastinationstechnik, um Leichen zu konservieren und auszustellen. Seine Ausstellungen, die Millionen Menschen weltweit sahen, zeigten menschliche und tierische Körper in inszenierten Posen, was immer wieder Kritik wegen Verletzung der Menschenwürde hervorrief. Von Hagens' eigener Körper wird nach seinem Tod ebenfalls plastiniert.
InhaltGunther von Hagens ist tot. Der Leichenpräparator war für die umstrittene Ausstellung "Körperwelten" bekannt, in der menschliche Körper als Exponate gezeigt werden. Der "Körperwelten"-Gründer Gunther von Hagens ist tot. Er starb im Alter von 81 Jahren, wie die Nachrichtenagentur dpa aus seinem Umfeld erfuhr. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Er war bereits mehrere Jahre an Parkinson erkrankt. "Es war Gunther von Hagens’ eigener Wunsch, auch seinen Körper nach dem Tod der Plastination zur Verfügung zu stellen", heißt es in einer Mitteilung. "Seine Angehörigen werden diesen Wunsch respektieren und ausführen." Mit Plastination ist eine eigens von Gunther von Hagens in den Siebzigerjahren entwickelte Konservierungstechnik für Leichen gemeint, die die Ausstellung der Körper über einen längeren Zeitraum möglich macht. Millionen Menschen haben sich weltweit seine umstrittenen "Körperwelten"-Wanderausstellung angesehen, in der die Anatomie toter menschlicher und tierischer Körper gezeigt wird. Die Leichen stammen von Personen, die zu Lebzeiten verfügten, dass ihr Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stehen soll. Es werden sowohl einzelne Körperteile ausgestellt als auch ganze Körper. Diese werden in Alltagssituationen inszeniert, etwa beim Federballspielen, beim Pokern und beim Sex. Unter anderem wegen dieser provokanten Darstellungen wurde von Hagens immer wieder kritisiert. Kritiker sehen in der Ausstellung die Menschenwürde verletzt. Etwa versuchte der Bezirk Mitte die Eröffnung des dauerhaften Berliner Museums Körperwelten am Alexanderplatz rechtlich zu verhindern. Der Bezirk argumentierte, dass die ausgestellten Körper auch nach dem Konservierungsverfahren Leichen seien und deshalb bestattet werden müssten. Von Hagens Ehefrau Angelina Whalley sagte, es sei ihm nie um Sensationslust gegangen, sondern um Wissenschaft, Aufklärung und Humanismus. "Er hat Millionen Menschen dazu gebracht, den eigenen Körper mit anderen Augen zu sehen." Von Hagens wurde 1945 bei Poznań im heutigen Polen als Gunther Liebchen geboren. Später nahm er den Namen seiner ersten Ehefrau an. Er begann 1965 in Jena Medizin zu studieren, kam nach einem Fluchtversuch aus der DDR in politische Gefangenschaft und wurde von der Bundesrepublik freigekauft. An der Universität Heidelberg promovierte er. Seit den Siebzigerjahren widmete er sich der Plastination und gründete dafür in den Neunzigerjahren ein privates Unternehmen. Nach seiner Erkrankung hatten zuletzt seine Partnerin und sein Sohn seine Arbeit fortgeführt. Liebe Leserinnen und Leser, im Kommentarbereich dieses Artikels wollen wir Ihnen mit einem Kondolenzbuch die Möglichkeit geben, Ihre Erinnerungen und Gedanken zu teilen. Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden.