Datum27.07.2026 11:53
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Jahr 2025 wurden 56.900 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, 18% weniger als im Vorjahr. Hauptursache ist die sinkende Zahl unbegleiteter minderjähriger Einreisen. Dennoch stiegen körperliche und psychische Misshandlungen als Gründe für Hilfsmaßnahmen. Mädchen waren dabei überproportional betroffen. Nach der Inobhutnahme kehrte ein Viertel der Minderjährigen zurück, während 44% woanders untergebracht wurden.
InhaltÜberforderung, Misshandlungen, Vernachlässigung: Rund 56.900 Kinder und Jugendliche sind 2025 in Obhut genommen worden, 12.600 weniger als im Vorjahr. Der Grund sind vor allem weniger unbegleitete Einreisen aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr sind rund 56.900 Kinder und Jugendliche zu ihrem Schutz vorübergehend in Obhut genommen worden. Das sind 12.600 (18 Prozent) weniger als im Vorjahr. Ein Grund sei, dass auch deutlich weniger unbegleitete Minderjährige aus dem Ausland einreisten, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Bereits 2024 habe es einen Rückgang von sieben Prozent gegeben, hieß es. "Damit ist die Fallzahl innerhalb von zwei Jahren um rund ein Viertel gesunken", schreibt das Bundesamt. Zuvor sei sie drei Jahre in Folge gestiegen. Hintergrund sei vor allem die Entwicklung unbegleitet eingereister Minderjähriger aus dem Ausland. Binnen eines Jahres habe sich die Zahl der vorläufigen und regulären Inobhutnahmen nach unbegleiteten Einreisen von 30.800 auf 16.500 nahezu halbiert. Insgesamt sei etwa jede zweite Schutzmaßnahme wegen einer dringenden Kindeswohlgefährdung erfolgt, hieß es in der Mitteilung. In 29 Prozent der Fälle sei eine unbegleitete Einreise und in 18 Prozent eine Selbstmeldung der Minderjährigen der Grund gewesen. Vor der Inobhutnahme lebten demnach etwa 59 Prozent der Minderjährigen in einer Familie oder einem privaten Haushalt, 20 Prozent in einer Einrichtung. Bei den anderen sei der Aufenthalt unbekannt oder es sei keine feste Unterkunft vorhanden gewesen. Die häufigsten Anlässe für eine Schutzmaßnahme waren laut Statistischem Bundesamt: Trotz des generellen Rückgangs gab es jedoch eine Zunahme von Schutzmaßnahmen wegen körperlicher (plus 1114 Nennungen) und psychischer (plus 941 Nennungen) Misshandlungen. Letztere sind zum sechsten Mal in Folge gestiegen. Besonders betroffen in beiden Fällen waren demnach Mädchen. Ihr Anteil betrug bei körperlichen Misshandlungen 65 Prozent und bei psychischen 62 Prozent. Zum Vergleich: Innerhalb der minderjährigen Bevölkerung lag der Mädchenanteil im Jahr 2025 bei knapp 49 Prozent. Während einer sogenannten Inobhutnahme sind die Minderjährigen etwa in einer Pflegefamilie oder einem Jugendheim untergebracht. Das Jugendamt ist verpflichtet, für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen zu sorgen und darf dafür auch alle nötigen Rechtshandlungen ausführen – also etwa auch Asylanträge einreichen. Nach den Schutzmaßnahmen kehrte ein Viertel der Kinder und Jugendlichen an den vorherigen Aufenthaltsort zurück. 44 Prozent wurden anschließend an einem neuen Ort untergebracht. In weiteren Fällen endete die Inobhutnahme etwa, weil die Betroffenen ausrissen oder die Zuständigkeit wechselte.