Deutsche Wirtschaft: In den Chefetagen der deutschen Industrie hellt sich die Stimmung auf

Datum27.07.2026 11:31

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli leicht an, was auf eine vorsichtige Trendwende in der deutschen Wirtschaft hindeutet. Die Industrieunternehmen blicken optimistischer auf ihre Geschäftsaussichten, bedingt durch verbesserte Nachfrage, außer in der Chemieindustrie. Strengere Ölpreise und internationale Krisen dämpfen jedoch den Optimismus. Experten sehen Potenzial für Erholung durch ein Infrastrukturpaket und mögliche Stabilisierung der Ölpreise/Schifffahrtsrouten, mahnen aber zur Vorsicht.

InhaltIm Juli ist der Ifo-Geschäftsklimaindex leicht angestiegen. Die deutsche Wirtschaft sei bereit, Schwung aufzunehmen, prognostiziert der Umfragechef des Instituts. Trotz der zahlreichen Krisenherde weltweit und der unsicheren Lage im Nahen Osten zeichnet sich für die deutsche Wirtschaft überraschenderweise eine vorsichtige Trendwende ab. Die Unternehmen würden zwar etwas skeptisch auf ihre Lage blicken, bewerteten ihre Geschäftsaussichten aber optimistischer, sagte Ifo-Chef ‌Clemens Fuest zu den aktuellen Juli-Umfragewerten des Münchner Instituts. "Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen", bestätigte Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe. "Für ⁠die Gesamtwirtschaft zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab." Aufgehellt hat sich demnach im Juli vor allem die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Industrieunternehmen. Das zeigt der Geschäftsklimaindex des Ifo, der im Juli auf 86,6 Punkte stieg, nach 85,7 Zählern ​im Juni. Damit stieg der Index zum dritten Mal in Folge, wie das Münchner Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9.000 ‌Führungskräften mitteilte. "Die Betriebe berichten von einer verbesserten Nachfrage", sagte Umfragechef Wohlrabe weiter. Das betreffe alle großen Branchen wie Auto- und Maschinenbauer, nicht jedoch die Chemieindustrie. Dort nahm der Pessimismus zu – "mutmaßlich getrieben von steigenden Ölpreisen", sagte Wohlrabe. Im Dienstleistungssektor verbesserte sich dem Index zufolge die Stimmung. Auch im Handel hellte sich das Geschäftsklima erneut auf. Insbesondere die Einzelhändler waren laut Ifo weniger pessimistisch. Im Bauhauptgewerbe stieg der Indikator ebenfalls. Weniger Bauunternehmen klagten demnach über fehlende Aufträge. Die steigenden Ölpreise verunsichern aber die Wirtschaft. "Viele Unternehmen sind auf Preiserhöhungen vorbereitet", sagte Wohlrabe. Dadurch habe ​​die Unsicherheit wieder zugenommen, ‌"und zwar branchenübergreifend". Von Optimismus sei die ​deutsche Wirtschaft also noch ein Stück weit entfernt. Experten gehen aber davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte das milliardenschwere Infrastrukturpaket der ‌Bundesregierung ⁠nach und nach seiner Wirkung ​entfalten könnte. Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas sei nur bedingt aussagefähig, kritisiert der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. "Die meisten Unternehmen haben die Umfrage vor dem massiven Ölpreisanstieg der letzten Wochen beantwortet. Aber zumindest zeigt der Anstieg, welches Erholungspotenzial vorhanden ist, falls sich die USA und der Iran einigen und die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet wird." Eine tragfähige Öffnung der Schiffspassage durch die Straße von Hormus gilt als wichtigster Impuls für die seit Monaten unter hohen Energiepreisen leidende Wirtschaft. Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbankmarke Bethmann Hal, bleibt ebenfalls vorsichtig: "Im tiefen Keller brennt ​noch Licht. Auf dem niedrigen Niveau ist die bessere Stimmung aber kaum wahrnehmbar. Die neuere Eskalation im Irankrieg dürfte ​ein besseres Ergebnis verhindert haben."