Ifo-Index: Unternehmenschefs zeigen sich trotz Irankriegs weniger pessimistisch

Datum27.07.2026 11:28

Quellewww.spiegel.de

TLDRTrotz des Irankriegs hat sich die Stimmung deutscher Unternehmenschefs laut Ifo-Index im Juli verbessert und ist zum dritten Mal in Folge gestiegen. Ökonomen sehen dies als Lichtblick für die deutsche Wirtschaft, die bereit sei, Schwung aufzunehmen. Insbesondere die Erwartungen in der Industrie sind deutlich besser geworden, da die Nachfrage zunimmt. Zwar sind die Unternehmen etwas skeptischer bezüglich ihrer aktuellen Lage, blicken jedoch optimistischer in die Zukunft. Die Preiserwartungen steigen, und die Unsicherheit nimmt branchenübergreifend zu.

InhaltTrotz des Irankriegs sind Unternehmenschefs laut Ifo-Index weniger pessimistisch. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer legte erneut zu. Ökonomen sprechen von einem Lichtblick. Von Euphorie spricht niemand, aber von der Hoffnung auf eine Trendwende. Trotz der unsicheren Lage im Nahen Osten hat sich die Stimmung ​in den Chefetagen der deutschen Unternehmen erneut etwas aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli auf 86,6 Punkte. Es war der dritte Anstieg in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilt. "Trotz der unsicheren Lage am Persischen Golf zeigt sich die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch", sagte Ifo-Chef Clemens Fuest. Die Firmen blicken zwar etwas skeptischer auf ihre Lage als zuletzt, bewerten ihre Geschäftsaussichten aber optimistischer. "In dieser ​schwierigen Gemengelage ist das ein ‌Lichtblick", sagte der Umfragechef des Münchner Ifo-Instituts, Klaus Wohlrabe. "Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen." In der zweiten Jahreshälfte dürfte das milliardenschwere Infrastrukturpaket der Bundesregierung nach und nach seine Wirkung entfalten. "Insbesondere die Erwartungen erleben einen deutlichen Schub", hieß es beim Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut. Vor allem in ​den Chefetagen der deutschen Industrieunternehmen hat sich die Stimmung im Juli aufgehellt. "Die Betriebe berichten von einer verbesserten Nachfrage", sagte Wohlrabe. Das betreffe ⁠alle großen ⁠Branchen wie Auto- und Maschinenbauer, nicht jedoch die Chemieindustrie. Dort nahm der Pessimismus zu, laut Ifo-Ökonom Wohlrabe wohl getrieben von steigenden Ölpreisen. Diese lassen auch ‌die Preiserwartungen in der Wirtschaft insgesamt steigen. "Viele Unternehmen ​sind auf ‌Preiserhöhungen gewechselt", sagte Wohlrabe. "Auch hat die Unsicherheit wieder zugenommen, und zwar branchenübergreifend." Von Optimismus sei die deutsche Wirtschaft noch ein Stück weit entfernt. Im Nahen Osten waren die Kampfhandlungen zwischen den USA und ​Iran zwischenzeitlich wieder aufgeflammt und hatten für steigende Ölpreise gesorgt. Auch der Transport von Öl, Gas und Rohstoffen durch die für ⁠die internationalen Lieferketten ⁠so wichtige Straße von Hormus läuft noch lange nicht wieder so wie vor dem Irankrieg. Eine tragfähige Öffnung der Schiffspassage gilt als wichtiger Faktor für die Wirtschaft. Ökonomen geben sich betont zurückhaltend. "Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas ist nur bedingt aussagefähig", warnte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Denn die meisten ‌Unternehmen hätten die Umfrage vor dem massiven Ölpreisanstieg der beiden vergangenen Wochen beantwortet. "Aber zumindest zeigt der Anstieg, welches Erholungspotenzial vorhanden ist", sagte Krämer mit Blick auf eine mögliche Einigung zwischen den USA und Iran. Er gehe jedoch davon aus, dass die Konjunktur auch im zweiten Halbjahr unter hohen Energiepreisen leiden werde. Ähnlich vorsichtig äußerte sich Chefvolkswirt Alexander Krüger von ‌der Bank Bethman HAL: "Im ​tiefen Keller brennt noch Licht – auf dem niedrigen Niveau ist die bessere Stimmung aber kaum wahrnehmbar", beschrieb er die Lage.