CXMT: 500 Prozent Kursplus – Chiphersteller wird wertvollstes Unternehmen Chinas

Datum27.07.2026 10:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer chinesische Chiphersteller CXMT feiert einen spektakulären Börsengang und wird zum wertvollsten Unternehmen Chinas. Die Aktie stieg um über 500 Prozent, was erhebliche Spekulationsängste auslöst. CXMT ist zentral für Chinas Streben nach technologischer Unabhängigkeit bei Speicherchips, wird stark staatlich gefördert, steht aber vor technologischen und geopolitischen Herausforderungen.

InhaltHändler warnen vor Spekulation: Beim Börsendebüt hat sich der Kurs des chinesischen Chipherstellers CXMT mehr als versechsfacht. Für Pekings Führung ist der Konzern zentral. Es ist der größte Börsengang in Asien in diesem Jahr und für Chinas Regierung geht es um die strategische Unabhängigkeit der Volksrepublik bei Speicherchips: Der chinesische Chiphersteller CXMT ist mit seinem Börsendebüt in Shanghai zum wertvollsten Unternehmen des Landes aufgestiegen. Die Aktie des Halbleiterkonzerns schoss ​um mehr als 500 Prozent in die Höhe und notierte zeitweise bei 54,65 Yuan. Der Ausgabepreis hatte bei 8,66 Yuan gelegen. Durch den Kurssprung stieg ‌der Börsenwert von CXMT auf 3,65 Billionen Yuan, umgerechnet rund 473 Milliarden Euro. Damit überholte der Börsenneuling den bisherigen Spitzenreiter, die Großbank Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). CXMT nahm mit dem Börsengang umgerechnet mehr als 7,5 Milliarden Euro ein. Allein im Vormittagshandel wurden CXMT-Aktien im Wert von ​122 Milliarden Yuan umgesetzt. Der starke Kursanstieg könnte durch den geringen Anteil frei handelbarer Aktien von nur 6,73 Prozent verstärkt worden sein. Lokalen ⁠Medienberichten zufolge war ⁠es das erste Mal, dass eine einzelne Aktie an einem Tag einen Handelsumsatz von mehr als 100 Milliarden Yuan erzielte. Die Rallye weckte jedoch auch Sorgen über eine Blasenbildung. "Die Aktie ist zu teuer und riecht nach Spekulation", sagte der Hedgefonds-Manager ‌Yuan Yuwei von Trinity Synergy Investments. Ein anderer Fondsmanager, der die Aktie im ​Börsengang erworben hatte, verkaufte nach ‌eigenen Angaben sofort wieder seine gesamten Anteile: "Bei einem solchen Preis wage ich es nicht, die Aktie zu halten oder zu kaufen", sagte Wu Zhou von Shenzhen Deyuan Investment. CXMT steht wie kaum ein anderes Unternehmen für Chinas Streben nach technologischer Unabhängigkeit in der Halbleiter-Industrie. Angesichts der US-Sanktionen und des globalen Technologiewettlaufs ‌ist der Konzern zu einem zentralen Faktor der chinesischen Bemühungen geworden, die eigene Branche zu stärken und den Rückstand in strategischen Sektoren wie der Künstlichen Intelligenz (KI) aufzuholen. CXMT war früher bekannt als ChangXin Memory Technologie und ist Chinas führender Hersteller von DRAM-Speicherchips. Diese Arbeitsspeicher sind ein zentraler Baustein in praktisch allen modernen Elektronikgeräten - von Smartphones über Computer bis hin zu Servern ​für Künstliche Intelligenz. Lange wurde dieser globale Markt von den südkoreanischen Konzernen Samsung und SK Hynix sowie dem US-Unternehmen Micron ⁠dominiert. CXMT ⁠ist inzwischen zur weltweiten Nummer vier aufgestiegen. Seinem Börsenprospekt zufolge hielt es 2025 einen Marktanteil von 7,7 Prozent. Das Unternehmen profitiert von einer hohen ‌Nachfrage nach Speicherchips. Analysten rechnen damit, dass die Preise ‌bis Ende 2027 weiter steigen. CXMT ‌rechnet für das erste Halbjahr damit, dass sich der Umsatz auf 110 bis 120 Milliarden Yuan mehr als versiebenfachen wird. Seit ​Jahren versucht die Regierung ‌in Peking, die Abhängigkeit von ausländischen Halbleitern und der dazugehörigen Technologie zu verringern. CXMT wird daher massiv staatlich gefördert. Vor dem Börsengang hielten staatliche Investoren, darunter ‌lokale Regierungsfonds und Chinas als "Big Fund" bekannter Halbleiter-Investitionsfonds, mehr als 36 Prozent der Anteile. Trotz des rasanten Wachstums und der starken staatlichen Unterstützung steht CXMT vor erheblichen Herausforderungen. Das Unternehmen hat einen ‌technologischen Rückstand gegenüber den Marktführern – insbesondere bei hochmodernen ​HBM-Speicherchips, die für KI-Anwendungen wichtig sind. Zudem ist ‌der Konzern direkt von geopolitischen Risiken betroffen. Die US-Exportkontrollen beschränken den Zugang ‌zu den modernsten Chip-Fertigungsanlagen, ​etwa vom niederländischen Hersteller ASML. Das US-Verteidigungsministerium stufte CXMT zudem im Juni als "chinesisches Militärunternehmen" ein. Eine Aufnahme auf die sogenannte "Entity List", die ​den Handel mit US-Firmen stark einschränken würde, ist ⁠eine ständige Gefahr. Mit den Einnahmen aus ​dem Börsengang ​will CXMT nun seine Produktionskapazitäten ausbauen und die Forschung vorantreiben, um den technologischen Abstand zu den Konkurrenten zu verringern.