Statistisches Bundesamt: Jugendämter müssen erneut weniger Jugendliche in Obhut nehmen

Datum27.07.2026 09:36

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Jugendämter nahmen 2025 knapp 56.900 Kinder und Jugendliche in Obhut, ein Rückgang um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies liegt vor allem an deutlich weniger unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Hauptgründe für die Schutzmaßnahmen waren Überforderung der Eltern (32%) und unbegleitete Einreisen (29%). Auch Vernachlässigung, körperliche und psychische Misshandlung spielen eine Rolle.

InhaltDie Jugendämter haben im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Kinder und Jugendliche vorübergehend in Obhut genommen. Es sind 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Die deutschen Jugendämter haben im vergangenen Jahr rund 56.900 Kinder und Jugendliche zu ihrem Schutz vorübergehend in Obhut genommen. Das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Bereits 2024 war die Zahl der Inobhutnahmen um sieben Prozent zurückgegangen. Insgesamt sank sie damit innerhalb von zwei Jahren um rund ein Viertel. Zuvor war die Zahl drei Jahre in Folge gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schwankt die Zahl der Inobhutnahmen vor allem wegen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die nach Deutschland einreisen. Der aktuelle Rückgang ist ebenfalls darauf zurückzuführen: Die Zahl der vorläufigen und regulären Inobhutnahmen nach einer unbegleiteten Einreise sank innerhalb eines Jahres von rund 30.800 auf knapp 16.500 Fälle – und damit fast um die Hälfte. Die Hälfte aller Inobhutnahmen war 2025 durch eine sogenannte dringende Kindeswohlgefährdung begründet. Fast ein Drittel dieser Fälle betraf unbegleitete Einreisen aus dem Ausland, etwa ein Fünftel wurde durch Selbstmeldungen Minderjähriger bei den Jugendämtern ausgelöst. Jeweils ein weiteres Fünftel war von zu Hause ausgerissen und wurde an jugendgefährdenden Orten angetroffen. Die meisten Betroffenen waren älter als 14 Jahre. Häufigste Anlässe für behördliche Schutzmaßnahmen waren der Statistik zufolge eine Überforderung der Eltern mit 32 Prozent sowie unbegleitete Einreisen mit 29 Prozent. Gefolgt von Vernachlässigung mit 16 Prozent sowie körperlicher Misshandlung mit 15 Prozent und psychischer Misshandlung mit elf Prozent. Mehrfachnennungen von Anlässen waren dabei möglich.