2. Fußball-Bundesliga: Zwölf Spieler weg, nur ein Neuer: Rutscht Hertha jetzt ab?

Datum27.07.2026 09:34

Quellewww.zeit.de

TLDRHertha BSC hat zwölf Spieler verloren, darunter Schlüsselspieler, und bisher nur einen Neuzugang geholt. Trotz hoher Ablösesummen sind die finanziellen Mittel durch Zweitliga-Etat-Kürzungen begrenzt. Trainer Leitl sucht dringend weitere Verstärkungen. Fans sind besorgt, aber Leitl betont den guten Teamgeist und die Entwicklung einer offensiveren Spielweise. Der Aufstieg rückt in weite Ferne; einige befürchten sogar den Abstiegskampf.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „2. Fußball-Bundesliga“. Lesen Sie jetzt „Zwölf Spieler weg, nur ein Neuer: Rutscht Hertha jetzt ab?“. Endlich konnten die Fans von Hertha BSC und vermutlich auch die Verantwortlichen des Hauptstadtclubs etwas aufatmen. Nach wochenlangem Warten präsentierte auch der Zweitligist am Freitagnachmittag als letzter deutscher Club in Liga eins und zwei seinen ersten externen Neuzugang. Die Berliner leihen den Offensivspieler Oluwaseun Adewumi vom englischen Zweitligisten FC Burnley aus.  Der österreichische U21-Nationalspieler soll eine der vielen Lücken im Kader füllen. Es wurde auch höchste Zeit. Denn die Berliner haben fast die komplette Achse der Vorsaison verloren. Kapitän und Topscorer Fabian Reese ging nach Wolfsburg. Jungstar Kennet Eichhorn zu Bayer Leverkusen. Tjark Ernst (Feyenoord Rotterdam), für viele Experten in der vergangenen Spielzeit der beste Keeper der zweiten Liga, und Kreativspieler Michael Cuisance (RC Lens) zog es zu ambitionierten ausländischen Erstligisten.  Mehr als 20 Millionen Euro sollen Hertha diese Abgänge eingebracht haben. Insgesamt verließen schon zwölf Spieler den Club. Dazu sollen Profis wie Linus Gechter und Marten Winkler einem Abgang auch nicht abgeneigt sein. "Es muss jetzt definitiv was passieren", hatte Trainer Stefan Leitl schon Mitte Juli vor dem Trainingslager der Hertha in Tirol gefordert. Doch dann passierte weiter lange nichts. Sein Wunsch, schon in Österreich einige neue Spieler wirklich einzuarbeiten zu können, erfüllte sich nicht. Adewumi kam erst kurz vor Ende des Trainingslagers. Der finanzielle Handlungsspielraum des klammen Hauptstadtclubs ist trotz der üppigen Ablösen eingeschränkt. Hertha muss Medienberichten zufolge einen Transferüberschuss erwirtschaften und im vierten Jahr in Liga zwei das Budget deutlich verkleinern. Die Berliner sollen viel auf Leihgeschäfte setzen, die oft erst gegen Ende der Transferperiode Fahrt aufnehmen. Bei den Fans ist die Sorge schon seit Anfang des Sommers groß. In den sozialen Medien herrscht viel Galgenhumor. "Ich suche Spieler für Hertha BSC für die kommende Zweitligasaison", heißt es bei Instagram auf einem fiktiven Aushang an einem schwarzen Brett. "Schnell melden!" Weniger als zwei Wochen vor dem Saisonstart in Bochum geben sich die Berliner Profis ruhig. "Wir Spieler machen uns da jetzt nicht so viele Gedanken. Wir haben da eh keine Kontrolle und können es nicht beeinflussen", sagte Außenverteidiger Julian Eitschberger im Trainingslager.  Auch Leitl gab sich zuletzt entspannter. "Ich muss ganz ehrlich sagen, mich nervt es gar nicht", sagte er in Österreich. "Wir haben so einen geilen Teamspirit und die Jungs ziehen voll mit." Ein Mittelstürmer, ein Linksverteidiger und am besten auch ein Torwart sind noch gesucht. Ob das zeitnah klappt, ist äußerst fraglich. Geschäftsführer Peter Görlich hatte im April "die größte Transformation im Fußball" angekündigt. Kader, Scouting und Trainingsarbeit: Alles steht auf dem Prüfstand.  Für diese Transformation müssen die Berliner aber vermutlich ein weiteres Jahr ohne Aufstieg in Kauf nehmen. Im vergangenen Sommer hatte der Club die Rückkehr in die Bundesliga noch offensiv als Ziel ausgerufen. Es folgte trotz Reese und Co. eine durchgehend enttäuschende Saison, die auf Platz sieben endete. In der kommenden Spielzeit zählen die Berliner nicht zu den klaren Aufstiegskandidaten. Bei Teilen des Anhangs wird sogar schon der Kampf gegen den Abstieg befürchtet. Doch es gibt auch positive Nachrichten: Anders als im letzten Sommer hatte Leitl wenig Verletzte in der Vorbereitung zu beklagen. Umworbene Profis wie Offensivmann Josip Brekalo und Eigengewächs Eitschberger entschieden sich für Vertragsverlängerungen.  Und die vielen Abgänge bedeuten auch Chancen für andere Spieler. Einige, die sich in den Vorjahren schwertaten wie Kevin Sessa, und natürlich Spieler aus der Jugend-Akademie, die den vielbeschworenen Berliner Weg nehmen sollen. Boris Mamuzah Lum, Soufian Gouram und andere wollen ihren Durchbruch bei den Profis feiern. Leitl sieht gute Fortschritte auf dem Weg zu einer neuen Spielweise. Offensiver, mit höherem Pressing, mehr Torgefahr. "Ich glaube, wir werden auch das eine oder andere Gegentor schlucken müssen mit der Art und Weise, aber grundsätzlich dieser offensive Gedanke gefällt uns sehr, sehr gut und so machen wir weiter", sagte er in Tirol. Das würde die Fans und das Umfeld nach den vielen zähen Auftritten der Vorsaison sicher auch etwas milder auf den einen oder anderen Ergebniswackler schauen lassen. Trotzdem ist der Druck in der Hauptstadt schon vor dem Saisonstart groß. © dpa-infocom, dpa:260727-930-443569/1