Datum27.07.2026 09:37
Quellewww.zeit.de
TLDRAudi hat seine Prognose gesenkt, da der chinesische und Nahost-Markt schwieriger wird. Der Umsatz und die Rendite im laufenden Jahr werden niedriger erwartet, der Gewinn im zweiten Quartal sank um 21 Prozent. Rückläufige Absatzahlen in China und den USA sowie starker Preiswettbewerb sind Treiber der Krise. Audi setzt auf Sparmaßnahmen und neue Modelle im zweiten Halbjahr, während die Konzernmutter VW weitere Stellenkürzungen und Werke auf dem Prüfstand prüft.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Autoindustrie“. Lesen Sie jetzt „Probleme China und Naher Osten: Audi kappt die Prognose“. Audi kappt seine Prognose. Angesichts eines immer schwieriger werdenden Marktes in China und der Eskalation im Nahen Osten erwartet der Autobauer im laufenden Jahr weniger Umsatz und Rendite, wie er am Montag mitteilte. Der Gewinn im zweiten Quartal sank um rund 21 Prozent auf 563 Millionen Euro nach Steuern. Die Zahlen betreffen Audi als Teilkonzern von Volkswagen - schließen also Lamborghini, Bentley und Ducati ein. Konkret erwartet Audi jetzt nur noch Umsätze zwischen 58 und 63 Milliarden Euro. Nach dem ersten Quartal lag die erwartete Spanne mit 63 bis 68 Milliarden noch um 5 Milliarden Euro höher. Zudem senkte Audi auch die Erwartung für die Rendite - zusammen würde das voraussichtlich auch einen niedrigeren Gewinn bedeuten. Der Rückgang beim Gewinn fällt allerdings vergleichsweise niedrig aus, wenn man ihn mit dem Einbruch um rund ein Drittel bei Konzernmutter Volkswagen im zweiten Quartal vergleicht. Bei Audi machen sich offenkundig bereits die Sparbemühungen bemerkbar. Zudem musste Audi dieses Jahr weniger Geld für Restrukturierungen zurückstellen als vergangenes Jahr. Zudem hofft Finanzchef Jürgen Rittersberger auf Verbesserungen im zweiten Halbjahr. Unter anderem durch neue Modelle und geringere Kosten. Zudem sei das zweite Halbjahr traditionell das stärkere, sagte er. Treiber der Krise ist unter anderem die Situation in China. Dort und in den USA verlor Audi zuletzt deutlich an Absatz. Zudem herrscht ein starker Preiswettbewerb. Das China-Geschäft, das bei Audi wegen der dortigen Joint-Ventures im Finanzergebnis verbucht wird, trug im ganzen ersten Halbjahr nur noch 73 Millionen Euro bei. Im Vorjahreszeitraum war es noch fast viermal so viel. Damit verschärft sich die Situation für den bereits von einem Sparprogramm betroffenen Autobauer. Das gilt umso mehr als die ebenfalls kriselnde Mutter VW über die Streichung von konzernweit weiteren Zehntausenden Stellen nachdenkt und vier Werke auf dem Prüfstand stehen. Das Audi-Werk in Neckarsulm soll eines davon sein. Allerdings betonte VW-Chef Oliver Blume zuletzt, dass er Werksschließungen vermeiden wolle. "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option." Zuletzt gab es zudem Berichte über noch höhere Einsparungen bei VW. Das "Handelsblatt" berichtet zudem über Überlegungen, den Standort Neckarsulm durch eine Senkung der Kapazitäten dort und in Ingolstadt zu retten. Rittersberger kommentierte diese Berichte nicht direkt, betonte aber, dass die aktuellen Zahlen zeigten, dass die bisherigen Bemühungen nicht reichten, und man den eingeschlagenen Weg weitergehen und wettbewerbsfähiger und effizienter werden müsse. Das werde eine Kraftanstrengung für beide deutsche Werke. Dabei werde es aber "kein Gegeneinander der beiden deutschen Standorte" geben. Wenn alle mithelfen, könne man eine Zukunft für Neckarsulm organisieren. Allerdings bestätigte Rittersberger Berichte über die Streichung der dortigen Nachtschicht. Bis Ende des Jahres will VW-Chef Blume sein Sparpaket festzurren - spätestens dann sollten auch die Audi-Mitarbeiter wissen, woran sie sind. Aktuell läuft bereits ein Stellenabbauprogramm bei den Ingolstädtern. Im März vergangenen Jahres hatte das Unternehmen den Abbau von bis zu 7.500 Jobs bis 2029 verkündet. Damals war allerdings auch die Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, bis Ende 2033 verlängert worden. Beim Abbau komme man gut voran, sagt Rittersberger. Auch Audi-Chef Gernot Döllner ging auf die Sparbemühungen ein. "Audi ist ein zentraler Baustein des Konzerns - und Teil der Lösung", betonte er. "Unser gemeinsames Ziel ist ein langfristiger, tragfähiger Fahrplan für die Zukunft." Audi habe bereits "Mut zur Erneuerung bewiesen". © dpa-infocom, dpa:260727-930-443580/1