Datum27.07.2026 09:33
Quellewww.spiegel.de
TLDRKanadier meiden zunehmend die USA aufgrund von Donald Trumps "America First"-Politik und Handelsstreitigkeiten. Seit 2025 ist die Zahl der kanadischen USA-Reisenden um 23,5 Prozent gesunken, während Inlands- und andere Auslandsreisen zunehmen. Schlechte diplomatische Beziehungen, Zölle und Äußerungen Trumps verschlechtern die Stimmung. Auch deutsche Touristen zahlen 2025 weniger.
InhaltSie bleiben im Inland oder besuchen andere Länder: Die Reisen von Kanadiern ins Nachbarland USA sind offiziellen Zahlen zufolge deutlich zurückgegangen. Und zwar seit Donald Trumps Amtsantritt. Die Einweihung einer Hängebrücke hat zuletzt gezeigt, wie schlecht die Beziehungen zwischen den USA und Kanada aktuell sind. Die Gordie-Howe-International-Brücke soll Windsor in der kanadischen Provinz Ontario und Detroit im US-Bundesstaat Michigan verbinden. Doch die kanadische Regierung hat die Brücke im Alleingang eingeweiht. Eine gemeinsame Eröffnungsfeier mit US-Vertretern wurde abgesagt. Zuvor hatte die Regierung unter Donald Trump Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe von Waren aus dem Nachbarland Kanada verfügt. Die schlechte Stimmung zeigt sich nicht nur auf politischer Ebene, sondern wirkt sich auch auf das Reiseverhalten aus. Viele Kanadier meiden seit dem zweiten Amtsantritt von US-Präsident Trump laut kanadischen Behörden Reisen in die benachbarten USA. Die Vereinigten Staaten seien lange Zeit Kanadas wichtigstes internationales Reiseziel gewesen, "nach dem Regierungswechsel in den USA Anfang 2025 und der Einführung der "America First"-Politik änderten sich die Reisepläne der Kanadier jedoch abrupt", hieß es von Kanadas Statistikbehörde. Im Jahr 2025 reisten demnach 7,1 Millionen Menschen weniger in die USA als 2024. Das sei ein Rückgang um 23,5 Prozent. Gleichzeitig seien Reisen im Inland und in andere Länder in vergleichbarem Maße angestiegen. Daten aus diesem Jahr legten nahe, dass sich dieser Trend verstetige. Die Reiseausgaben für Besuche in den USA sind laut der Behörde 2025 um 3,3 Milliarden auf insgesamt 18,8 Milliarden kanadische Dollar (aktuell knapp 12 Milliarden Euro) gesunken. Das US-Handelsministerium gibt an, dass 2024 rund 20,2 Millionen internationale Besucher aus Kanada in die USA gereist seien. 2025 seien es 16 Millionen gewesen. Die Zahlen sind nur eingeschränkt vergleichbar, da beide Behörden unterschiedliche statistische Konzepte verwenden. Mit Blick auf deutsche Touristen in den USA fiel die Zahl von rund zwei Millionen im Jahr 2024 auf rund 1,8 Millionen. Nicht nur Zölle haben die Beziehungen zwischen Kanada und den USA deutlich verschlechtert. Auslöser sind auch wiederholte Drohungen des US-Präsidenten gegen Kanada sowie seine mehrfach geäußerte Idee, das Nachbarland zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Als Reaktion auf US-Zölle entfernten viele kanadische Provinzen etwa amerikanischen Alkohol aus den Regalen und riefen Verbraucher zum Kauf heimischer Produkte auf.