Venedig: Tagestouristen bringen mehr als fünf Millionen Euro Eintrittsgeld

Datum27.07.2026 08:20

Quellewww.spiegel.de

TLDRVenedig hat durch die eintägige Touristensteuer über fünf Millionen Euro eingenommen. Die Gebühr von 5 bis 10 Euro entfiel an 60 Tagen und die Saison ist nun beendet. Die Regelung soll den Massentourismus bekämpfen, wird aber als nicht abschreckend bewertet. Zukünftig könnten höhere Gebühren von 30-50 Euro diskutiert werden, was jedoch der Zustimmung Roms bedarf. Langzeitbesucher zahlen eine Übernachtungsabgabe.

InhaltDie Gebühr füllt die Kasse, hält Besucher aber nicht ab: Venedig hat seit April mehr als fünf Millionen Euro Eintrittsgeld kassiert. Den Rest des Jahres können Tagesgäste nun kostenlos in die Stadt. Venedig zieht nach der Bezahlsaison Bilanz: Die Stadt hat in diesem Jahr mit seinem weltweit einzigartigen Eintrittsgeld mehr als fünf Millionen Euro eingenommen. Seit April mussten Tagesbesucher an insgesamt 60 Terminen Eintritt zahlen, unabhängig davon, wie lange sie sich in der Stadt aufhielten. In der Regel betrug die Gebühr zehn Euro. Nur wer mindestens drei Tage vor Ankunft buchte, kam mit fünf Euro davon. Am zurückliegenden Wochenende endete die diesjährige Bezahlsaison: Die Lagunenstadt im Norden Italiens berichtete von mehr als 650.000 zahlenden Tagesbesuchern seit April. Für den Rest dieses Jahres können Tagesgäste nun ohne Bezahlung in die Stadt. Offiziell handelt es sich bei dem Tageseintritt noch um eine Testphase. Kaum jemand zweifelt aber daran, dass die Regelung von Dauer sein wird. Denn die Stadt mit den mehr als 150 Kanälen leidet massiv unter Massentourismus. Im kommenden Jahr dürfte dann vermutlich wieder ab dem Osterwochenende Eintritt fällig werden. Der neue Bürgermeister Simone Venturini hat bereits angedeutet, dass es künftig deutlich teurer werden könnte. Der Mitte-Rechts-Politiker schlug vor, an bestimmten Terminen zwischen 30 und 50 Euro zu verlangen. Allerdings liegt die Entscheidung darüber nicht allein in Venedig. Auch die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Rom müsste zustimmen. Venedig hatte 2014 als erste Stadt weltweit damit begonnen, für einen Besuch Eintritt wie im Museum zu erheben. Kritiker wenden ein, dass dies kaum jemanden davon abhält, sich den Markusplatz, die Rialtobrücke und die vielen anderen Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Bislang gingen die Besucherzahlen jedenfalls nicht zurück. Gegen einen noch höheren Eintritt gibt es auch verfassungsrechtliche Bedenken: Aus Sicht von Experten könnte eine Gebühr von 50 Euro als Einschränkung der Bewegungsfreiheit interpretiert werden. Venedig gehört in Europa zu den Städten, die viel Geld mit dem Tourismus einnehmen, aber auch schwer darunter leiden. Man sieht dies am Zustand mancher Häuser, aber auch an dem vielen Müll. In der Altstadt leben aktuell weniger als 50.000 Menschen. Jedes Jahr kommen Millionen Touristen aus aller Welt. Wer als Tourist länger bleibt, ist vom Tagesentritt ausgenommen. Dann wird allerdings eine Übernachtungsabgabe fällig.