Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Wo steht die nächste Parkbank? Einen Mausklick entfernt

Datum27.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDREine IT-Expertin entwickelte eine App, die Parkbänke in Hamburg lokalisiert. Dies soll die Wertschätzung des öffentlichen Raums fördern. Der Artikel diskutiert zudem die Debatte um das Gewicht der neuen Sternbrücke und deren Transportrisiken. Ferner werden Gehaltsvergleiche für Hamburg vorgestellt und die Erinnerungspolitik der AfD kritisiert.

InhaltDie Elbvertiefung am Montag – Mit Gehaltsvergleichen, Mutmaßungen über das Gewicht der neuen Sternbrücke und einem Einblick in die Erinnerungspolitik der AfD nachdem ich neulich an dieser Stelle vom letztlich erfolgreichen Versuch einer älteren Dame aus Hummelsbüttel erzählt habe, der Stadt eine Parkbank zu stiften, schickte mir eine Leserin etwas so Ungewöhnliches und Nützliches, dass ich hier davon berichten und es Ihnen zugänglich machen möchte. Die Geschichte geht so: Brintha Koethers Tochter kam nach Hause, sie war bei schönem Wetter mit einem Freund unterwegs gewesen; die beiden hatten lange vergeblich nach einer Möglichkeit Ausschau gehalten, irgendwo Platz zu nehmen und sich zu unterhalten. "Wäre es nicht schön", fragte sie ihre Mutter, "wenn es eine App gäbe, die Parkbänke in der näheren Umgebung anzeigt?" Dies war, wie sich zeigen sollte, eine Frage, bei der es darauf ankommt, wem man sie stellt. Brintha Koether ist eine IT-Expertin mit offenbar sehr umfassenden Kenntnissen. Und sie sagte sich: Mal schauen, was ich hinbekomme. Bitte verschaffen Sie sich selbst einen Eindruck vom Ergebnis, hier nämlich. Dort, wo ich mich an diesem Sonntag befinde, während ich dies schreibe, nämlich in meiner Wohnung in Klein Borstel, zeigt mir Bintha Koethers Suchmaschine sechs Bänke im Umkreis von ungefähr zweihundert Metern. Keine davon ist mir je aufgefallen. Ein Leser fragte, wo man sich in der Mönckebergstraße hinsetzen könnte – nach seinem Eindruck nirgends – und schloss daraus, die Hamburger Stadtplanerinnen und Stadtplaner würden keine Bänke kennen. Nun, die Parkbanksuche entdeckt in der Mönckebergstraße 16 Bänke. Was für ein großartiges Mittel, sich den öffentlichen Raum besser zu erschließen und ihn wertschätzen zu lernen! Und da wir dabei sind: Wozu sich auf Hamburg beschränken, wenn es öffentlich zugängliche Karten aus aller Welt gibt? Wussten Sie, dass im Vondelpark in Amsterdam ungefähr 150 Bänke stehen und im Großen Tiergarten in Berlin an die 500? Außerdem hat Brintha Koether noch eine weitere Website mit kleinen Bank-Betrachtungen eingerichtet, in englischer Sprache, gut zu lesen auf einer Parkbank. Genießen Sie es! Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Ihr Frank Drieschner Nach der tödlichen Attacke am Rande des Berliner Christopher Street Days will Innensenator Andy Grote (SPD) die Sicherheitsmaßnahmen für die Parade am nächsten Samstag überprüfen. Gestern Nachmittag kamen zu einer Kundgebung etwa 800 Menschen in der Hamburger Innenstadt zusammen. Der Stadtstaat Hamburg ist in diesem Jahr bereits knapp 300-mal als Erbe eingesprungen. Im ersten Halbjahr nahm er dadurch mehr als 1,4 Millionen Euro ein, wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bürgerschaftsfraktion mitteilte. Fiskalerbschaften fallen der Stadt zu, wenn rechtmäßige Erben das Erbe ausschlagen oder nicht zu ermitteln sind. Nach einer Messerstecherei am U-Bahnhof Berne ist gestern ein Mann im Krankenhaus gestorben. Ein weiterer wurde lebensgefährlich verletzt. Die Deutsche Bahn hat am Samstag eine rund 100 Meter lange Eisenbahnbrücke in Altona gesprengt. Das Bauwerk von 1930 musste wegen der Verlegung des Fernbahnhofs Altona an den Diebsteich weichen. Die Hamburger Tennisspielerin Tamara Korpatsch hat die Hamburg Ladies Open gewonnen. Im gestrigen Finale setzte sie sich mit 6:3, 6:3 gegen Anna Bondár aus Ungarn durch. Es ist der erste deutsche Sieg am Rothenbaum seit Steffi Grafs Erfolg 1992. Bricht die Max-Brauer-Allee unter der Last der neuen Sternbrücke ein? Nach Angaben der Initiative Sternbrücke, die sich in den letzten Jahren für den Erhalt des alten, denkmalgeschützten Bauwerks eingesetzt hat, gibt es "Hinweise darauf, dass die Brücke schlicht zu schwer sein könnte, um sie sicher zu transportieren". 2018 habe ein Ingenieursbüro festgestellt, dass die Straße im Fall des Transports einer 3.600 Tonnen schweren Brücke "keinerlei Reserven" mehr übrighabe. Möglicherweise liege das tatsächliche Gesamtgewicht der neuen Brücke aber mit bis zu 5.000 Tonnen deutlich darüber. Die Untersuchung, ob die Siele unter der Max-Brauer-Allee die Traglast aushalten, sei schon elf Jahre alt und "lange vor der abschließenden Planung der Brücke" erstellt worden. "Die Anwohnenden haben ein Recht darauf zu wissen, welches Risiko da durch ihre Straße rollt – und dass eingeschritten wird, wenn das Risiko zu groß ist", sagt Axel Bühler, Sprecher der Initiative. Die Bahn, die für den Transport verantwortlich ist, sieht keinen Anlass zur Besorgnis. Man habe in der vergangenen Woche ein Brückengewicht von knapp 3.700 Tonnen ermittelt. Die Schwerlastwagen, die die Brücke schleppen, wiegen einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linken zufolge insgesamt 60 Tonnen. Nach Angaben von Hamburg Wasser gibt es auf der Transportstrecke "keine bruchgefährdeten Trinkwasserleitungen". Die letzte Statikberechnung für den Untergrund habe 2022 stattgefunden und sei Ende Juni 2026 unabhängig bestätigt worden. Außerdem prüfe man die mit Sand und Stahlplatten verstärkte Transportstrecke mit "Lastplattendruckversuchen" auf ihre Sicherheit. Am 31. Juli soll die neue Sternbrücke, von Kritikern "Monsterbrücke" genannt, von der nahe gelegenen Brammer-Fläche zu ihrem Bestimmungsort an der Ecke Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee transportiert werden. Von Christoph Twickel Neue Daten zeigen, wie hoch das Gehalt der Bewohner von Hamburg ist – und wie groß die Lohnunterschiede im Ort sind. Vergleichen Sie, wie viel die Menschen in benachbarten Gemeinden verdienen. ZEIT-Redakteure aus dem Daten-Ressort und dem Arbeits-Ressort haben die Daten aufbereitet; lesen Sie hier einen Ausschnitt. Seit dem Jahr 2002 sind die Gehälter in Hamburg inflationsbereinigt um 8,4 Prozent gestiegen: von 4.213 auf 4.567 Euro brutto im Monat. Damit liegen die Löhne der Menschen, die in Hamburg wohnen und sozialversicherungspflichtig angestellt in Vollzeit arbeiten, 340 Euro über dem mittleren Lohn in Deutschland (4.227 Euro). Das geht aus neuen Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor, die DIE ZEIT exklusiv ausgewertet hat. Damit die Gehälter besser vergleichbar sind, werden sie hier inflationsbereinigt dargestellt. Das bedeutet: Bei der Auswertung ist berücksichtigt, wie sich Preise, etwa für Lebensmittel oder Wohnen, entwickelt haben, und somit, wie viel sich Beschäftigte von ihrem Lohn tatsächlich leisten können. Bis Mitte der 2000er-Jahre sanken die Gehälter der Beschäftigten in Deutschland. Damals erlebte das Land eine Wirtschaftskrise, und viele Menschen ohne Arbeit mussten schlecht bezahlte Jobs annehmen, auch wegen der Hartz-IV-Reformen. Dann kam es zum Aufschwung und die Löhne stiegen Jahr für Jahr – bis zur Coronapandemie. 2021 sanken die Verdienste erstmals wieder. Die Verbraucherpreise stiegen zwischenzeitlich erheblich, 2022 lag die Inflationsrate im Jahresschnitt bei 6,9 Prozent. Es dauerte etwas, bis Betriebe mit Gehaltserhöhungen reagierten, beziehungsweise Tarifverhandlungen anstanden. Gewerkschaften handelten zuletzt vergleichsweise hohe Tarifabschlüsse aus – das zeigt sich jetzt auch deutlich in den Zahlen: 2025 sind die Löhne im Vergleich zu 2024 trotz der schwierigen Wirtschaftslage inflationsbereinigt um 2,8 Prozent gestiegen. Auch in Hamburg sind die Gehälter im Jahr 2025 3,0 Prozent höher als im Vorjahr. Wie groß die Gehaltsschere innerhalb der Gemeinde ist, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Missbrauchte Steine Die AfD will die deutschen Weltkriegsopfer zum Zentrum der Erinnerungspolitik machen. Warum hält niemand dagegen? ZEIT-Redakteur Raoul Löbbert blickt sich in der Denkmallandschaft Deutschlands um und kommt auch am Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs am Dammtor vorbei. → Zum Artikel (Z+) Das Auswanderermuseum BallinStadt zeigt die Sonderausstellung Auf Weltreise mit der Maus. Die Mitmachausstellung lädt Familien ein, mit der ARD-Maus, dem Elefanten und der Ente spielerisch auf große Entdeckungstour zu gehen. "Auf Weltreise mit der Maus", bis 31.1.2027; Auswanderermuseum BallinStadt, Veddeler Bogen 2; Di–So 10–18 Uhr Im Kino vor Filmbeginn. Zwei Studentinnen unterhalten sich. Die Erste: "Ich hab’ jetzt auch angefangen mit Tagebuch." Die Zweite: "Und, wie läuft’s?" Die Erste: "Hab noch keinen Stift." Gehört von Oskar Piegsa Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.