Waldbrände in Frankreich und Spanien: Feuer in Südeuropa zwingen rund 300.000 Menschen zur Flucht

Datum27.07.2026 05:50

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Frankreich und Spanien wüten massive Waldbrände, die über 300.000 Menschen zur Flucht zwingen. Die Flammen rücken auf Bordeaux vor, während in Spanien weiterhin Feuer außer Kontrolle sind. Die Brände, begünstigt durch Hitze und Trockenheit, sind die größten seit Jahrzehnten.International wird Hilfe geleistet, während Wissenschaftler die Rolle des Klimawandels betonen und zum Klimaschutz aufrufen.

InhaltFlammen sind bis auf 15 Kilometer an Bordeaux vorgerückt. Der Bürgermeister lehnt eine Evakuierung bisher ab. Auch in Spanien sind weiterhin Waldbrände außer Kontrolle. Wegen der schweren Waldbrände in Spanien und an der südfranzösischen Atlantikküste sind in den beiden Ländern inzwischen mehr als 300.000 Menschen auf der Flucht. Die Flammen sind inzwischen bis auf 15 Kilometer an die Großstadt Bordeaux vorgerückt, sagte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez. Das Feuer breite sich weiterhin "unkontrolliert" aus. Der Bürgermeister von Bordeaux, Thomas Cazenave, schloss aber am Sonntag eine Evakuierung der 268.000-Einwohner-Stadt aus. "Wir sind sehr wachsam. Wir sind auf alles vorbereitet", sagte der Bürgermeister. Innenminister Nuñez versprach, "alles zu tun", um die Stadt Bordeaux zu schützen. Er sagte, Frankreich habe noch nie Brände in diesem Ausmaß erlebt. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat dem Elysée-Palast zufolge für den Vormittag ein Krisentreffen mit zuständigen Ministern anberaumt. Allein westlich von Bordeaux haben die Feuer inzwischen mindestens 240 Häuser zerstört, viele davon in der Gemeinde Le Porge. Bis Sonntagmorgen verbrannten in der Region Gironde etwa 42.000 Hektar, teilte die dortige Regionalverwaltung mit. Das ist viermal so groß wie die Fläche von Paris. Damit zählen die Brände in der Gegend zu den größten in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg. 1949 hatte ein Feuer im Gebiet der Gascogne etwa 50.000 Hektar zerstört. Die wichtigste Autobahn südlich von Bordeaux ist gesperrt. Außerdem sei der gesamte Bahnverkehr südlich von Bordeaux eingestellt worden, teilte der Zugbetreiber SNCF mit. Die örtliche Präfektin Sophie Brocas appellierte an Touristen, dem Gebiet fernzubleiben und "andere Reiseziele in Betracht zu ziehen". Für Dienstag haben Wetterdienste wieder höhere Temperaturen vorausgesagt, was die Bekämpfung des Feuers erschweren könnte. Laut dem französischen Feuerwehrverbandssprecher Brocardi hat der Großbrand in Frankreich inzwischen einen beispiellosen "Pyrocumulonimbus" hervorgerufen – eine gigantische Feuerwolke, die ihre eigenen Winde erzeugt und Blitze mit sich bringt, welche wiederum weitere Brände auslösen. "Es ist ein David-gegen-Goliath-Szenario", sagte Brocardi. Die Feuerwehrleute hoffen ihm zufolge auf eine "Schwachstelle", an der sie ansetzen können. Etwa 2.500 Feuerwehrleute sind nach französischen Regierungsangaben im Einsatz. Sie werden demnach von 18 Flugzeugen und Hubschraubern unterstützt. Auch 1.500 Soldaten und 1.200 Polizisten helfen bei der Brandbekämpfung. Bauern meldeten sich freiwillig, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Am Sonntag wurden nach Angaben des Innenministers 75 Feuerwehrleute mit Verletzungen behandelt. Auch in Spanien bleibt die Lage wegen anhaltender Waldbrände prekär. In der Gegend um die Hauptstadt Madrid sind mehrere Feuer außer Kontrolle geraten. Die Chefin des spanischen Katastrophenschutzes, Virginia Barcones, sprach im Sender TVE von einem Feuer-"Monster". Insgesamt beträfen die Brände eine Fläche von 77.000 Hektar. Laut Spaniens Ministerin für den ökologischen Wandel, Sara Aagesen, befinden sich diese 77.000 Hektar in der Region Madrid und den Provinzen Ávila und Toledo. Das Feuer in Ávila mit einer verbrannten Fläche von 50.000 Hektar sei der "größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte unseres Landes". Am Sonntag gab es Evakuierungen in der Region Valencia. "Wir haben noch schwierige Stunden vor uns", teilte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez mit. Nahe Madrid mussten Zehntausende ihre Häuser verlassen. Westlich der spanischen Hauptstadt loderten die schlimmsten Brände. Spaniens König Felipe VI. besuchte mit seiner Frau Letizia Betroffene in einer Notunterkunft. Die Menschen hätten "viel" verloren, sagte der Monarch bei dem Besuch. "Gemeinsam haben wir ein Naturerbe von unschätzbarem Wert verloren." Nahe der Küstenstadt Valencia mussten wegen eines neuen Waldbrandes am Wochenende 15.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Ein Mann starb dort nach örtlichen Medienberichten am Samstag bei einem Waldbrand in Manises, einem Vorort Valencias. In ganz Spanien betrafen die Evakuierungen bislang rund 75.000 Einwohner und Touristen. Starker Wind droht die Flammen weiter anzufachen. Löschflugzeuge aus Italien und Portugal unterstützen die spanischen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung der Brände. Auch australische Feuerwehrleute reisten nach Frankreich und Spanien. Papst Leo IV. bekundete am Sonntag in seinen Gebeten Solidarität mit allen von den  Bränden in Spanien und Frankreich Betroffenen. Er rief dazu auf, für sie sowie für die Einsatzkräfte zu beten. Regenmangel und außergewöhnliche Hitze hatten die Pinienwälder in weiten Teilen Südeuropas in den vergangenen Wochen stark ausgetrocknet. Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Bundesumweltminister Carsten Schneider riet angesichts der Brände dringend, den Klimaschutz voranzubringen. "Der Klimawandel ist bereits schmerzhafte Realität und er trifft unseren Kontinent besonders stark", sagte der SPD-Politiker in Berlin. Jetzt sei die Zeit für Brandbekämpfung, Nothilfe und europaweite Solidarität. "Zugleich muss es darum gehen, den gefährlichen Klimawandel zu stoppen, damit Hitze, Dürre und Waldbrände in Zukunft nicht noch schlimmer werden", betonte Schneider.