Datum27.07.2026 01:00
Quellewww.zeit.de
TLDRTausende protestierten auf Mallorca gegen Massentourismus. Die Initiative "Mallorca am Limit" fordert Besucherbegrenzungen wegen Wohnungsnot, Umweltzerstörung und Infrastrukturproblemen. Die Organisatoren führen die steigenden Mieten und die Belastung der Natur auf zu viele Touristen zurück. Die Proteste nehmen politisches Gewicht vor den Regionalwahlen zu. Die spanische Regierung hat bereits Maßnahmen gegen illegale Ferienwohnungen ergriffen, da die Touristenzahlen auf den Balearen weiter steigen.
InhaltEine Bürgerinitiative hatte zum dritten Jahr in Folge zu Demonstrationen aufgerufen. Sie sieht "Mallorca am Limit" und will Besucherzahlen auf den Balearen begrenzen. Auf Mallorca haben erneut Tausende Menschen gegen den Massentourismus protestiert. Die Demonstranten versammelten sich am Abend zunächst auf der Plaza de España im Zentrum von Palma, der Hauptstadt der spanischen Mittelmeerinsel. Von dort zog der Demonstrationszug durch die Innenstadt zur Kathedrale, wo später ein Manifest verlesen wurde. Die Initiative Menys Turisme, Més Vida (Weniger Tourismus, mehr Leben) hatte unter dem Motto "Mallorca am Limit" bereits das dritte Jahr in Folge auf der Insel zum Protest aufgerufen und bis zu 40.000 Teilnehmer angekündigt. Die mallorquinische Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten am Sonntag auf 25.000. Viele Teilnehmer trugen Plakate mit Aufschriften wie "Mallorca overbooked" oder "Keine Kapazität mehr". Große Proteste gegen zu viel Tourismus gab es bereits im Juni 2024 auf Mallorca. Zu Beginn der Hauptferiensaison war im vergangen Jahr erneut auch in anderen spanischen Regionen demonstriert worden. Die Proteste machen seit Jahren Schlagzeilen – auch, weil dabei teils Touristen mit Wasserpistolen bespritzt wurden. Solche Zwischenfälle wurden aus Palma aber am Sonntag nicht gemeldet. Eine zentrale Forderung der Demonstrierenden ist die Begrenzung der Besucher. Die steigende Zahl der Urlauber und der Ferienwohnungen wird für die Wohnungsnot mitverantwortlich gemacht. Die Organisatoren klagen, dass viele Menschen mit einem normalen Einkommen sich auf der Insel kaum noch eine Wohnung leisten können. Nachbarschaftsverbände, Umweltschutzgruppen und andere Organisationen führen aber auch Probleme wie Verschmutzung, Staus und Lärm sowie für die Zerstörung der Natur auf den Massentourismus zurück. Bewohner der Insel wollten ein Jahr vor den Regionalwahlen auf den Balearen ihre Meinung kundtun, sagte ein Sprecher der Veranstalter. Der Zeitpunkt sei bewusst mit Blick auf die Hauptreisezeit gewählt worden. Ende Juli und Anfang August gelten als die Wochen mit den meisten Urlaubern auf der Baleareninsel. Viele kommen aus Deutschland und Großbritannien. Im Sommer 2025 hatte die spanische Regierung begonnen, den Ferienwohnungsmarkt stärker zu regulieren. Sie ging gegen mehr als 65.000 illegale Airbnbs in Tourismus-Hotspots vor. Die Zahl der Touristen wächst von Jahr zu Jahr. 2024 kamen mehr als 90 Millionen ausländische Besucher nach Spanien, allein auf den Balearen waren es rund 19 Millionen und damit fünf Prozent mehr als 2023.