Datum26.07.2026 22:29
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer mutmaßliche CSD-Attentäter, Abdul B., wurde nach einem Großeinsatz der Polizei in einer Gartenlaube in Berlin-Spandau erschossen. Ermittler hatten ihn nach dem Anschlag, bei dem eine Person starb und 29 verletzt wurden, intensiv gesucht. Ein Hinweis aus seinem Umfeld führte die Polizei zur Gartenkolonie. Dort habe sich Abdul B. versteckt und sei auf Einsatzkräfte zugelaufen, woraufhin ein SEK-Team schoss. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt nun wegen islamistisch motivierten Terrorismus.
InhaltGegen 18 Uhr fielen Schüsse: Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hat den mutmaßlichen Attentäter vom CSD getötet. Der hatte sich in einer Gartenlaube versteckt. Ein Zeuge berichtet, was er gehört und gesehen hat. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Keine 24 Stunden nach der Tat ist der Verdächtige Abdul B. tot. Er soll einen weißen Kleintransporter in eine Menschenmenge am Rande des Berliner Christopher Street Day (CSD) gesteuert haben, mutmaßlich griff er danach auch Menschen mit einer Machete an. Eine Person starb, 29 weitere wurden teils schwer verletzt. Berliner Ermittler suchten daraufhin mit Hochdruck nach dem mutmaßlichen Islamisten. Sie veröffentlichten ein Foto des gebürtigen Berliners und baten die Bevölkerung um Mithilfe. Die Polizei durchsucht am Sonntag zunächst mehrere Stunden lang eine Wohnung im Herzen der Hauptstadt, in der der 21-Jährige zuletzt gelebt haben soll. Gegen Mittag tragen die Ermittler einen Karton aus dem Haus, "Spusi" steht darauf, kurz für Spurensicherung. Doch der Gesuchte bleibt versteckt. Den entscheidenden Hinweis erhalten die Ermittler nach Informationen der "Bild"-Zeitung schließlich aus dem persönlichen Umfeld des Täters: Am Nachmittag, laut Zeugen etwa zwischen 15 und 16 Uhr, beziehen Polizeikräfte demnach Stellung rund um eine Kleingartenanlage in Berlin-Spandau. Die Ermittler vermuten Abdul B. offenbar in der Gartenlaube der Parzelle 46. Fotos vom Abend zeigen ein Großaufgebot an Einsatzfahrzeugen von Polizei und Feuerwehr in einer Straße nahe der Gartenkolonie. Polizisten mit Maschinenpistolen laufen durch die Anlage. Der erste Vorsitzende der Kleingartenanlage, Carsten Barthel, sagte der "Bild"-Zeitung, man habe den Weg zu Fuß zunächst noch passieren können. Etwa alle 20 Meter habe ein Polizist mit einer Maschinenpistole gestanden. Dem Portal "T-Online " sagte er, später hätten die Beamten die Zugänge zur Anlage abgeriegelt. Dann sei das Spezialeinsatzkommando (SEK) gekommen. Gegen 18 Uhr will Barthel vier bis fünf Schüsse gehört haben. Noch mehr Polizisten und Rettungswagen hätten den Einsatzort erreicht. Erst nach und nach erfährt die Öffentlichkeit, was sich in Spandau zugetragen hat. Die Berliner Staatsanwaltschaft berichtet zunächst von einem Einsatz, der im Zusammenhang mit dem Vorfall beim CSD am Samstagabend stehe. Ein Sprecher der Berliner Polizei bestätigt auf SPIEGEL-Anfrage, dass ein Spezialeinsatzkommando beteiligt sei. Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts erklärt schließlich, dass bei dem Einsatz Schüsse gefallen seien. Dabei sei eine Person ums Leben gekommen, bei der es sich mutmaßlich um den Hauptverdächtigen des Anschlags auf den CSD handele. Eine abschließende Identifizierung stehe noch aus. Auch die Berliner Senatsinnenverwaltung bestätigt den Tod von Abdul B.. Der Polizei zufolge soll der Verdächtige mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen sein. Das Sondereinsatzkommando habe daraufhin auf den Angreifer geschossen. Rettungskräfte der Feuerwehr versuchten demnach noch, Abdul B. zu reanimieren. Doch er starb am Einsatzort. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Sie ist unter anderem für islamistischen Terrorismus zuständig. Es handle sich um eine mutmaßliche islamistisch motivierte Tat, heißt es zur Begründung. Die weiteren Ermittlungen erstrecken sich einer Sprecherin zufolge auch auf mögliche Mittäter. Die Frage nach ihnen ist derzeit eine der größten ungeklärten Fragen in dem Fall. Vereinsvorsitzender Barthel sagte den Medien, dass die Kleingartenanlage an diesem Sonntag auf Anweisung der Polizei nicht mehr betreten werden dürfe. Gegenüber "T-Online" dementierte er Medienberichte, wonach der Vater von Abdul B. die Parzelle 46 gepachtet habe. "Das ist falsch", sagte der 56-Jährige. Er kenne die Pächterin. Diese habe nach seinem Wissen nichts mit der Familie B. zu tun. Es gebe in der gesamten Anlage keinen Pächter mit dem Namen der Familie B., so Barthel. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner lobte am Abend im RBB die Einsatzkräfte dafür, dass der Tatverdächtige schnell gestellt worden sei. Auf die Frage, was er nun verunsicherten Menschen sagen wolle, sagte Wegner: "Wir können frei und sicher leben." Berlin sei eine Stadt der Freiheit und Vielfalt. "Wir haben eine starke Berliner Polizei. Dass die Berliner Polizei innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen hat, ist ein großer Erfolg der Ermittlungsbehörden", sagte der CDU-Politiker. "Und da bin ich sehr dankbar." Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gab zunächst vorsichtige Entwarnung. "Es gibt weitere Maßnahmen, aber wir gehen jetzt aktuell von keiner weiteren Gefährdung aus. Aber das ist alles immer eher eine Momentaufnahme", sagte der CSU-Politiker im ARD-"Brennpunkt". Zur Suche nach weiteren möglichen Verdächtigen sagte er: "Es gibt eine weitere Person, die dort in Betrachtung ist. Das hat sich bisher aber nicht erhärtet, ist aber auch noch nicht abgeschlossen." Solche Anschläge würden typischerweise von Einzeltätern begangen. Der SPIEGEL hat mit dem Vater des mutmaßlichen CSD-Attentäters gesprochen. Er berichtet, wie er noch am Tag der Tat mit seinem Sohn telefoniert habe. Lesen Sie hier mehr .