Anschlag auf dem Berliner CSD: Merz spricht von einem »Angriff auf unsere Gesellschaft«

Datum26.07.2026 19:12

Quellewww.zeit.de

TLDRBundeskanzler Friedrich Merz verurteilt den islamistischen Terroranschlag auf den Berliner CSD und ruft zur Geschlossenheit auf. Er betont, solche Taten zielen auf die Spaltung der Gesellschaft ab und verspricht Konsequenzen. Kritiker bemängeln, dass Merz die LGBTQ+-Community nicht direkt als Ziel des Anschlags benennt und werfen ihm frühere homophobe Äußerungen vor. Trotz des ungelösten Falls reist Merz zu einem Dinner, um die Fortführung des normalen Lebens zu demonstrieren. Bei dem Angriff wurden eine Person getötet und 29 verletzt.

InhaltFriedrich Merz hat den Terroranschlag am Berliner CSD verurteilt. Er rief die Menschen dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Der Kanzler kündigte Konsequenzen an. Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Sonntagnachmittag in einem Pressestatement kurz vor einem Gedenkgottesdienst dazu aufgerufen, sich durch "solche Taten" nicht einschüchtern zu lassen. Sie hätten nur einen Zweck, sagte Merz vor der Berliner Marienkirche. "Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit." Er wolle den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: "Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern." Diese Straftäter und Extremisten hätten keinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. "Wir sind mehr, wir sind stärker, und wir halten in unserem Land zusammen", sagte Merz. Man werde "die Freiheit, Offenheit, Liberalität unseres Lebens und unserer Gesellschaft" verteidigen. Merz sprach von einem islamistischen terroristischen Anschlag und kündigte Konsequenzen an, ohne dabei konkreter zu werden. "Wir werden nicht zulassen, dass das Gift des Terrorismus um sich greift in unserer Gesellschaft", sagte der Kanzler. Kurz darauf besuchte der Bundeskanzler den Tatort des Anschlags im Tiergarten Berlin und legte Blumen ab. Unter anderem gemeinsam mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hielt er kurz inne und gedachte der Opfer. In den sozialen Medien wurde kurz darauf Kritik laut. Der Blogger Dominik Wieland etwa sagte in einem Video, dass Merz durch generalisierende Äußerungen queeren Menschen "die Plattform und die Stimme" nehmen würde. Dass es ihm nicht gelungen sei, die LGBTQ+-Community als Ziel und Opfer des islamistischen Anschlags zu benennen kritisierten auch andere Nutzer. Zudem thematisierten einige Kritikerinnen und Kritiker frühere Äußerungen des Bundeskanzlers, in denen er sich abschätzig über Homosexuelle geäußert hatte. In der Kritik steht außerdem, dass der Kanzler heute noch zu einem Dinner nach Paderborn reist, obwohl der Täter noch nicht gefasst ist. Merz hingegen begründete seine Teilnahme am Dinner damit, dass er demonstrativ zeigen wolle, dass das normale Leben trotz des Terrors weitergehen müsse. Der Tatverdächtige Abdul B. griff am Samstagabend den CSD Berlin mit einem Auto sowie anschließend mit einer Stichwaffe an – mutmaßlich einer Machete. Dabei wurde eine Frau getötet und 29 weitere Menschen verletzt.