Datum26.07.2026 17:22
Quellewww.spiegel.de
TLDRAfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nutzt trotz scharfer Kritik der jüdischen Nachfahren der Marke Simson Wahlkampf auf Kultmopeds. Die Familie, die von den Nazis vertrieben wurde, ist schockiert über die politische Vereinnahmung. Die AfD, vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft, nutzt die ostdeutsche Kultmarke für ihre Propaganda. Die Simson-Mopeds stehen für eine bedeutende jüdische Industriegeschichte.
InhaltDie Marke Simson geht auf zwei jüdische Brüder zurück. Immer wieder nutzen hochrangige AfD-Politiker die Kultmopeds für Eigenwerbung. Nun ist der Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt erneut auf einer "Schwalbe" vorgefahren. Trotz deutlicher Kritik der Simson-Nachfahren ist der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, im Wahlkampf abermals mit einem der Mopeds unterwegs. Nach einer Versammlung auf dem Markt in Weißenfels im Süden Sachsen-Anhalts kam es am Sonntag mit Anhängerinnen und Anhängern zu einer Ausfahrt. Insgesamt waren den Angaben nach rund 1500 Menschen gekommen. Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Siegmund übergeht mit dieser Wahlkampf-Aktion deutliche Kritik der jüdischen Familie Simson. Die Nachfahren hatten erklärt, sie seien schockiert, dass ihr Name etwa auf T-Shirts oder Postern in Verbindung mit der AfD auftauche. Eine solche politische Vereinnahmung durch Nutzung des Namens, der auch für eine bekannte Moped-Marke steht, müsse vollkommen ausgeschlossen sein, sagte der Sprecher der heute in den USA lebenden Familie, Dennis Baum. Letztlich versuche die AfD, mit dem Namen der von den Nazis vertriebenen Unternehmerfamilie Werbung zu betreiben. Immer wieder zeigen sich AfD-Politiker mit den Mopeds oder organisieren Ausfahrten. Die in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie "Schwalbe" oder S50/51 sind bei vielen Jugendlichen Kult und stehen für ostdeutsches Lebensgefühl und Mobilität. Das Werk, in dem in der DDR Mopeds der Marke Simson gebaut wurden, geht auf die jüdischen Brüder Simson zurück. Es ist damit Teil der jüdischen Geschichte Thüringens. Die Familie war 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben worden und in die USA geflohen. Siegmund hatte bereits in Tangermünde und Bitterfeld zu Ausfahrten geladen. Vor der Veranstaltung in Weißenfels hatten Gegnerinnen und Gegner den Marktplatz mit Kreide bemalt, Gegendemonstrationen gab es während der Reden jedoch nicht. Nach den Redebeiträgen war eine zweistündige Fahrt durch die Region im Saale- und Burgenlandkreis geplant. In Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt deutlich vor der derzeit regierenden CDU. Gewählt wird am 6. September. Nicht nur Ulrich Siegmund, auch Björn Höcke nutzt die Kultmopeds von Simson für AfD-Werbung. Dennis Baum ist Nachfahre der jüdischen Unternehmerfamilie. Hier erzählt er, wie er von Höckes Simson-Touren erfahren hat und wie er sich dagegen wehren will.