Datum26.07.2026 15:44
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Unesco hat neue Welterbestätten aufgenommen. Darunter sind die D-Day-Landungsstrände in der Normandie, Festungen im Languedoc, Gebäude des Architekten Alvar Aalto, Condominio-Theater in Italien und die tunesische Stadt Sidi Bou Saïd. Auch die Waldsiedlung Zehlendorf wurde als Erweiterung des Berliner Welterbes anerkannt. Der Boma-Badingilo im Südsudan ist der erste Eintrag des Landes auf der Liste.
InhaltD-Day-Landungsstrände, Sidi Bou Saïd, Alvar Aalto: Neben der Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf hat die Unesco Dutzende weitere Orte und Werke in ihre Welterbeliste aufgenommen. Der Überblick. In der Berliner Kulturszene war die Freude groß: Die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten der Hauptstadt ist in die begehrte Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Dabei handelt es sich um keinen neuen Eintrag, sondern eine Erweiterung der bereits 2008 anerkannten Welterbestätte "Siedlungen der Berliner Moderne". "Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette", sagte die deutsche Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel über die Entscheidung im südkoreanischen Busan. Mehr dazu lesen Sie hier. Neben der Waldsiedlung hat die Unesco ihrer langen Liste weitere Orte und Werke hinzugefügt (hier finden Sie die gesamte Liste ). Wir stellen ein paar von ihnen vor: Auch die D-Day-Landungsstrände in der französischen Normandie sind in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Zur neuen Welterbestätte zählen die fünf historischen Landungsstrände Utah, Omaha (s. Bild), Gold, Juno und Sword Beach sowie weitere mit der alliierten Landung verbundene Erinnerungsorte. Am 6. Juni 1944 landeten dort Soldaten der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs. Der D-Day markierte den Auftakt der Befreiung Europas von den Verheerungen des deutschen Nationalsozialismus von Westen her. Zur Streitmacht der Alliierten gehörten damals vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen. Etwa 3100 Landungsboote mit mehr als 150.000 Soldaten machten sich auf den Weg nach Nordfrankreich. Tausende von ihnen starben während der folgenden Gefechte. In Frankreich liegen nach der Anerkennung der D-Day-Landungsstrände nun 55 Welterbestätten, gleich viele wie in Deutschland. Nur China (60) und Italien (60) haben weltweit noch mehr Unesco-Welterbestätten zu bieten. In die Welterbeliste aufgenommen wurden auch mehrere Festungen des Languedoc im Süden Frankreichs in der Region Okzitanien. Die Burgen entstanden im 13. und 14. Jahrhundert und wurden unter anderem von Anhängern der Katharerbewegung bewohnt, einer christlichen Glaubensgemeinschaft. Während des Albigenserkreuzzugs zwischen 1209 und 1229 suchten sie Schutz in den Festungen, die auf steilen Berggipfeln beste Verteidigungsmöglichkeiten boten. In der Folge übernahm die französische Krone unter der Dynastie der Kapetinger die Kontrolle über das Languedoc. Es diente dem Schutz eroberter Gebiete, der Kontrolle von Verkehrswegen und der Durchsetzung königlicher Macht. Alvar Aalto gilt bis heute in vielen nordischen Ländern als "Vater des Modernismus". Die Werke des 1976 gestorbenen Architekten umfassen dreizehn moderne Gebäude und Ensembles, die zwischen den späten Zwanziger- und Siebzigerjahren entstanden sind. Ihm gelang es, gemeinsam mit seinen Ehefrauen die Ideen der Moderne mit lokalen Traditionen zu verbinden. In der finnischen Hauptstadt Helsinki ist bis heute eine Universität nach ihm benannt. Die italienischen Condominio-Theater in Mittelitalien veranschaulichen bis heute den Wandel der Theaterkultur im 18. und 19. Jahrhundert. Während Theater zuvor vor allem der Unterhaltung des Adels diente, entwickelte es sich zunehmend zu kulturellen Einrichtungen des Bürgertums. Grundlage dafür war ein besonderes Eigentumsmodell: Der Bau und Betrieb der Theater wurde gemeinschaftlich von öffentlichen Institutionen und vermögenden Bürgerinnen und Bürgern finanziert. Dadurch konnten auch kleinere Städte eigene Theater errichten. Die Condominio-Theater wurden zu bedeutenden Orten des kulturellen Austauschs, der gesellschaftlichen Begegnung und architektonischer Entwicklung. Viele von ihnen prägen bis heute das kulturelle Leben ihrer Region. Auch die tunesische Küstenstadt Sidi Bou Saïd wurde zum Welterbe erklärt. Sie ist für ihre blau-weißen Häuser bekannt und ein beliebtes Touristenziel. Das im Felsen von Karthago liegende Dorf entstand rund um das Mausoleum des gleichnamigen Sufi-Heiligen, der sich im im Jahr 1207 hier niederließ. Es ist der erste Eintrag des Südsudan auf der Welterbeliste: Das Boma-Badingilo umfasst weite Savannen, Überschwemmungs- und Feuchtgebiete, es zählt zu den größten Sumpfgebieten weltweit. In der Region ereignet sich regelmäßig die weltgrößte Landtierwanderung. Rund sechs Millionen Antilopen machen sich auf den Weg, damit übertrifft sie sogar die bekannte Gnuwanderung, auch als "Great Migration" bekannt, im Osten Afrikas. Die Region bietet Lebensraum für Elefanten, Löwen, Leoparden, Wildhunde und andere Arten.