Datum26.07.2026 11:58
Quellewww.zeit.de
TLDRPolitiker verurteilen den Anschlag auf den Berliner CSD scharf. Bundespräsident Steinmeier ist „entsetzt“ und sieht einen Angriff auf die offene Gesellschaft. Die Queerbeauftragte ruft zu Zusammenhalt auf. Viele Politiker betonen die Bedrohung für Freiheit und Vielfalt. Kritiker warnen vor zu nachlässigem Umgang mit islamistischem Terrorismus und fordern härtere Maßnahmen. Der Fokus liegt auf Tätersuche, Trauer um Opfer und politischen Konsequenzen.
InhaltBundespräsident Steinmeier zeigt sich "entsetzt" über den Anschlag auf den Berliner CSD. Die Queerbeauftragte der Bundesregierung appelliert an Zusammenhalt und Vielfalt. Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) zeigen sich zahlreiche Politiker bestürzt. "Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Hamm laut Redemanuskript. Seine Gedanken seien bei den Angehörigen und Freunden der beim Anschlag getöteten Frau und den schwer Verletzten, sagte Steinmeier. Die Teilnehmenden des CSD in Berlin hätten "friedlich und fröhlich" feiern und "ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben" setzen wollen. "Wir alle sind erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag", sagte Steinmeier weiter. Der Bundespräsident besuchte in Hamm das große Tempelfest der hinduistischen Gemeinde in Deutschland. "Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land", schrieb die Organisation LSVD+ - Verband Queere Vielfalt auf Instagram. "Unsere Gedanken sind bei allen, die direkt betroffen sind." Der LSVD+ vertritt die Interessen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie weiteren queeren Menschen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte, die Gewalttat sei "ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einer "abscheulichen Tat". "Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft", schrieb er am Morgen im Onlinenetzwerk X. "Wir sind offen und freiheitsliebend - und das werden wir auch bewahren und verteidigen." Die Tat werde "mit aller Härte verfolgt". Auch andere Mitglieder der Bundesregierung zeigten sich betroffen. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) sagte, der Anschlag erschüttere sie zutiefst und sprach von einem Angriff auf die Demokratie. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bedankte sich bei den Einsatzkräften und stellte Ermittlungen des Generalbundesanwalts in Aussicht, "wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen". Die Queerbeaufragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), rief zu Zusammenhalt auf. "Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit", schrieb die Beauftragte für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt bei Instagram. Dies sei "unsere Antwort. Und dafür werden wir entschlossen kämpfen". "Wer Menschen attackiert, die für Freiheit, gleiche Rechte und Vielfalt einstehen, greift die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens an, der tritt die Menschenwürde mit Füßen", sagte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) sprach von einem Angriff "gegen die Freiheit von uns allen, gegen unsere Werte und unser friedliches Zusammenleben". Die Grünen-Fraktionschefinnen Britta Haßelmann und Katharina Dröge sprachen von einer "entsetzlichen Terrortat" gegen "queere Menschen und ihre Freundinnen und Freunde, die für gleiche Rechte und gegen Hasskriminalität demonstriert haben". Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow forderte einen Einsatz gegen queerfeindliche Intoleranz. Auch der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch äußerten sich entsetzt über die Gewalttat. Einige Politiker warnten vor einem in ihren Augen zu nachlässigen Umgang mit der Gefahr durch gewaltbereite Islamisten. Der Vorsitzende der Unions-Nachwuchsorganisation Junge Union, Johannes Winkel, sprach auf X von einer "Kriegserklärung" radikaler Islamisten gegen die offene Gesellschaft. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, von CDU/CSU, Alexander Hoffmann, sagte der Bild: "Wir brauchen maximale Härte gegen jede Form von Terrorismus, egal aus welcher Richtung: Täter, Handlanger und Hintermänner haben in Deutschland keinen Platz." Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) kündigte eine Debatte über die politischen Konsequenzen der Tat an. Aktuell aber liege "der Fokus auf der Fahndung nach dem oder den Tätern und der Trauer um die Opfer", schrieb Rhein auf X. Manuel Ostermann, Vizechef der Bundespolizeigewerkschaft, warf der Politik Untätigkeit vor. "Islamisten breiten sich seelenruhig aus", sagte Ostermann der Bild-Zeitung. Dabei seien Islamisten "die größte Gefahr für die Sicherheit der in Deutschland lebenden Menschen". Er forderte "endlich von Staatsbürgerschaftsrecht bis Abschiebungen eine kompromisslose Sicherheitsoffensive". Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki äußerte sich gegenüber der Bild-Zeitung "wütend, dass die Gefahr des Islamismus in Deutschland noch immer nicht mit der notwendigen Entschlossenheit bekämpft" werde. Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Anschlag auf den Berliner CSD in unserem Liveblog.