Welt-Aids-Konferenz: Ärzte ohne Grenzen fordert günstigeren HIV-Schutz

Datum26.07.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRBei der Welt-Aids-Konferenz fordert Ärzte ohne Grenzen massive Preissenkungen für Lenacapavir, ein HIV-Präventionsmedikament. Die Organisation kritisiert die derzeitigen Kosten von rund 28.000 US-Dollar pro Jahr als unerschwinglich für Länder mit niedrigem Einkommen und verlangt einen Preis von ca. 40 US-Dollar sowie Generika. Eine breite Verfügbarkeit sei essenziell, da tägliche Medikamenteneinnahme oft schwierig ist.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Welt-Aids-Konferenz“. Lesen Sie jetzt „Ärzte ohne Grenzen fordert günstigeren HIV-Schutz“. Ärzte ohne Grenzen fordert einen drastisch niedrigeren Preis für das Medikament Lenacapavir zur Vorbeugung einer HIV-Infektion. "Niemand sollte von der HIV-Prävention ausgeschlossen werden, nur weil ein Medikament künstlich teuer gehalten wird", sagte Melissa Scharwey, Expertin für globale Gesundheit bei Ärzte ohne Grenzen, zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz in Rio de Janeiro. Die Organisation verlangt einen Preis von etwa 40 US-Dollar pro Person und Jahr sowie eine breite Produktion günstigerer Nachahmermedikamente (Generika). Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen veranschlagt der US-Pharmakonzern Gilead derzeit 28.000 Dollar für eine Jahresdosis Lenacapavir mit zwei Spritzen. Der Preis gilt allerdings für die Behandlung bereits HIV-infizierter Menschen in den USA und nicht für die vorbeugende Anwendung. Für Gesundheitssysteme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sei ein solcher Preis unbezahlbar, kritisiert die Organisation. Lenacapavir wird zur HIV-Prävention zweimal jährlich gespritzt und kann damit eine Alternative zu täglich einzunehmenden Tabletten zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) sein. Eine tägliche Einnahme sei für viele Menschen schwierig, da sie in Konfliktgebieten, Geflüchtetencamps und abgelegenen ländlichen Regionen lebten. Weltweit infizieren sich jedes Jahr nach Angaben des Aktionsbündnisses gegen Aids rund 1,2 Millionen Menschen neu mit HIV, etwa 570.000 Menschen sterben an den Folgen von Aids. Erstmals ereignet sich demnach inzwischen mehr als die Hälfte der Neuinfektionen außerhalb Subsahara-Afrikas. Zugleich steht die globale HIV-Bekämpfung wegen eines starken Rückgangs der internationalen Gesundheitsfinanzierung unter Druck. Die Welt-Aids-Konferenz findet vom 26. bis 31. Juli in Rio de Janeiro statt. Wissenschaftler, Politiker, Unternehmen, Aktivisten und Vertreter von Betroffenen beraten dort über die Zukunft der globalen HIV-Bekämpfung. Der Zugang zu Lenacapavir gehört zu den zentralen Themen des Treffens. © dpa-infocom, dpa:260726-930-438738/1