Bolsonaros Sohn tritt bei Präsidentenwahl in Brasilien an

Datum26.07.2026 02:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRFlávio Bolsonaro, Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten, wurde zum Präsidentschaftskandidaten gekürt und fordert Amtsinhaber Lula heraus. Bei seiner Nominierung sang der argentinische Präsident Milei und kritisierte Lula scharf. Flávio Bolsonaro sieht sich als Nachfolger seines Vaters, kämpft jedoch mit geringerer Popularität und parteiinternen Spannungen. Ein KI-Video von Jair Bolsonaro wurde gezeigt, das seine angebliche "willkürliche Inhaftierung" beklagt. Aktuelle Umfragen sehen Lula vorn.

InhaltFlávio, Sohn des rechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, will Brasiliens Staatschef Lula herausfordern. Bei der Nominierung überraschte ein prominenter Gast aus Argentinien mit einer Gesangseinlage. Der rechte Politiker Flávio Bolsonaro ist in Brasilien von seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten gekürt worden. Er ist der älteste Sohn des wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilten Ex-Staatschefs Jair Bolsonaro. Flávio Bolsonaro wird bei den Wahlen im Oktober gegen den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva antreten, der offiziell im August erneut als Kandidat gekürt werden soll. Auf dem Parteitag des Partido Liberal (PL) in der Metropole São Paulo erhielt der 45-jährige Senator die Unterstützung des ultraliberalen argentinischen Präsidenten Javier Milei, der auf der Bühne sang und sprang. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der frisch nominierte Kandidat stellte sich als die Kontinuität des politischen Projekts seines Vaters dar, des "bedeutendsten Führers der Rechten", den Brasilien je gehabt habe. Flávio Bolsonaro schwang eine große Schere, um seine geplante Kürzung von Ausgaben zu symbolisieren. Als einer der prominentesten Vertreter der politischen Rechten in Lateinamerika reiste Milei eigens nach Brasilien, um bei der Nominierung Bolsonaros dabei zu sein. In seiner Rede kritisierte Milei seinen brasilianischen Amtskollegen Lula und rief dazu auf, dem "sozialistischen Abschaum" in Brasilien und Lateinamerika ein Ende zu setzen. Die Familie Bolsonaro unterhält enge politische Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump. Flávio verfügt laut Experten allerdings weder über dieselbe Popularität seines Vaters noch über die einheitliche Unterstützung des konservativen Lagers. Sogar mit Bolsonaros Ehefrau Michelle kam es zeitweise zu Spannungen. Bei der Veranstaltung wurde ein mit KI erstelltes Video mit dem Bild und der Stimme von Jair Bolsonaro gezeigt, wie brasilianische Medien berichteten. Darin prangert ein KI-Bolsonaro seine "willkürliche" Inhaftierung an. "Ich bin aufgrund einer ungerechten und willkürlichen Entscheidung inhaftiert und zum Schweigen gebracht worden", sagt er. "Aber ich versichere Euch: Keine Haft wird das Gefühl der Hoffnung (der Brasilianer) dämpfen". Bolsonaro ist im Hausarrest untersagt, bis zum Ende der Präsidentenwahl im Oktober Besuche mit politisch-wahlbezogenem Charakter zu empfangen oder politische Botschaften auch über Dritte zu verbreiten. Laut der jüngsten Umfrage des Forschungsinstituts Datafolha liegt der linke Staatschef Lula (80) derzeit in der Wählergunst vorn. Lula ist seit 2023 wieder Präsident. Zuvor hatte er das Amt zwischen 2003 und 2011 inne. Er gehört der Arbeiterpartei PT an. Auch Kandidaten kleinerer Parteien wollen sich an den Wahlen beteiligen. Die Präsidentenwahl in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas findet am 4. Oktober statt. Wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, gibt es eine Stichwahl am 25. Oktober.