Datum25.07.2026 18:44
Quellewww.zeit.de
TLDRDie 150. Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele sind eröffnet. Chefin Katharina Wagner und Publizist Michel Friedman meisterten einen Streit um Friedmans Auftritt zum Thema NS-Vergangenheit. Die Festspiele widmen sich verstärkt der Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit mit der Aufführung von "Rienzi", Hitlers mutmaßlich beliebtester Oper. Zudem werden Veranstaltungen zum Gedenken an verfolgte jüdische Musiker abgehalten. Erstmals kommt auch Künstliche Intelligenz unterstützend bei den Inszenierungen zum Einsatz.
InhaltIn Bayreuth beginnen die 150. Richard-Wagner-Festspiele. Thema soll in diesem Jahr auch die NS-Vergangenheit des Festivals sein. Zudem soll KI zum Einsatz kommen. Die 150. Bayreuther Festspiele sind eröffnet worden. Zum Auftakt der Richard-Wagner-Festspiele zeigten sich die Chefin der Veranstaltung, Katharina Wagner, und der jüdische Publizist Michel Friedman zusammen und begrüßten die Ehrengäste des Festivals. Einen vorangegangenen Disput haben beide offenbar beigelegt und wirkten sichtlich vertraut miteinander. Zuvor hatte es Streit zwischen der Urenkelin Richard Wagners und Friedman gegeben, da diese ihn zunächst als Redner zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen, diese dann jedoch aus Sicherheitsgründen wieder abgesagt hatte. Friedman hätte eine Rede über Antisemitismus und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit halten sollen. Später entschuldigte sich Wagner bei ihm und kündigte an, die Rede wie geplant stattfinden zu lassen, was Friedman annahm. An der Eröffnung nahmen auch mehrere Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik Teil. Unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, Altkanzlerin Angela Merkel (beide CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) waren in Bayreuth zugegen. Neben weiteren Mitgliedern der Bundesregierung wie Nina Warken und Dorothee Bär war auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) zu Gast. Bei ihrem 150. Jubiläum sollen sich die Bayreuther Festspiele dieses Jahr verstärkt mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte soll an diesem Sonntag Wagners Frühwerk "Rienzi" aufgeführt werden. Diese wird vielfach, wenn auch nicht eindeutig belegt, als Lieblingsoper von Adolf Hitler bezeichnet – ein bekanntermaßen großer Verehrer von Richard Wagner. Die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka bezeichneten das Werk in Zeiten erstarkender rechtsradikaler Positionen als "Mahnmal". Vor der Premiere am Nachmittag sollen zwei Veranstaltungen an jüdische Musikerinnen und Musiker erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Neben einem Gedenkakt samt Ausstellung im Festspielpark umfasst dies auch die Rede des jüdischen Publizisten Friedman. Erstmals in der Geschichte der Festspiele soll in diesem Jahr auch Künstliche Intelligenz für die Inszenierungen eingesetzt werden. So sollen die vier Teile des Gesamtwerks "Der Ring des Nibelungen" durch eine visuelle Ebene ergänzt werden, die mithilfe von KI Projektionen und Licht auf die Bühne werfen sollen.