USA verzeichnen höchste Zahl an Masern-Infektionen seit 35 Jahren

Datum25.07.2026 10:18

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie USA erleben die höchste Masern-Fallzahl seit 35 Jahren, mit 2318 Fällen in 2026, was die 2289 Fälle des Vorjahres übertrifft. Der Anstieg wird auf sinkende Impfquoten (unter 95% für Herdenimmunität) und verbreitete Impfskepsis zurückgeführt. Besonders Kinder und Jugendliche sind betroffen, wobei ein Großteil der Fälle ungeimpfte Personen betrifft. Die Krankheit galt seit 2000 als eliminiert.

InhaltSchon jetzt haben US-Behörden 2026 mehr Masernfälle registriert als im gesamten Vorjahr. Fachleute sprechen von einer "Krise, die unverhältnismäßig stark Kinder trifft" – und führen den Anstieg auf sinkende Impfquoten zurück. In den USA ist die Zahl der Masern-Infektionen auf den höchsten Stand seit 35 Jahren gestiegen. Die Gesundheitsbehörde CDC teilte mit, dass in diesem Jahr bislang 2318 Fälle ​registriert worden seien. Im gesamten Vorjahr waren es 2289 Fälle. Es handele sich um die höchste Zahl seit dem Zeitraum von 1989 bis 1991, als ‌mehr als 55.000 Infektionen und 123 Todesfälle verzeichnet wurden. "Dass wir diesen Meilenstein erreichen, ist besonders eklatant, da wir erst Juli haben und landesweit weiterhin Masernfälle gemeldet werden", sagte William Moss, Epidemiologe der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Die Krankheit galt in den USA seit dem Jahr 2000 eigentlich als eliminiert. Besonders betroffen sind nun junge Menschen: 69 Prozent der Infizierten sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre, ein Fünftel ist ​jünger als fünf Jahre. Der CDC zufolge mussten zehn Prozent der Kleinkinder im Krankenhaus behandelt werden, bei den älteren Kindern und Jugendlichen ⁠waren es drei ⁠Prozent. Insgesamt gab es in diesem Jahr bislang 151 Krankenhauseinweisungen wegen Masern. Todesfälle im Zusammenhang mit der Krankheit, die Fieber, Ausschlag und Atemwegsprobleme verursacht, wurden 2026 noch nicht gemeldet. Im vergangenen Jahr gab es drei Maserntote. 93 Prozent der Fälle traten ​bei ungeimpften Personen auf, der ‌Rest hatte eine oder zwei Dosen des Masern-Impfstoffs bekommen. Eine Vakzine gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) bietet nach zwei Dosen einen 97-prozentigen Schutz. Experten führen den Anstieg auf sinkende Impfquoten zurück. Die durchschnittliche Abdeckung bei Kindergartenkindern sank im vergangenen Jahr auf 92,5 Prozent und liegt damit unter der für die sogenannte Herdenimmunität erforderlichen Schwelle von 95 Prozent. ‌In 16 US-Bundesstaaten fiel die Quote auf unter 90 Prozent. Viele Gesundheitsvertreter machen für die Entwicklung auch die Impfskepsis von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. verantwortlich. Dieser hatte wiederholt die wissenschaftlich widerlegte Behauptung verbreitet, Masern-Impfstoffe stünden in Verbindung mit ‌Autismus. Im vergangenen Juni entließ er alle Mitglieder des ​CDC-Expertenbeirats für Impfungen. "Seit Anfang vergangenen Jahres haben führende Politiker auf ‌Bundesebene Masern als harmlos und unvermeidbar abgetan und irreführende Informationen über den MMR-Impfstoff verbreitet", ‌sagte Andrew Racine, Präsident der ​US-Kinderärztevereinigung American Academy of Pediatrics. "Wir erleben eine vermeidbare Krise, die unverhältnismäßig stark Kinder trifft." Die CDC registrierte in diesem Jahr bislang 35 neue Ausbruchsherde, im gesamten Vorjahr ​waren es 48. Allein bei einem Ausbruch im Bundesstaat South Carolina ⁠erkrankten seit Oktober 2025 innerhalb von sechs Monaten ​fast ​1000 Menschen. Es ist der größte lokale Ausbruch seit der Jahrtausendwende. Zu den weiteren am stärksten betroffenen Bundesstaaten gehören Utah, Arizona, Texas, Florida, Virginia und Pennsylvania. Masern zählen zu den ansteckendsten Erregern überhaupt. Um sie zu eliminieren, müssen mindestens 95 Prozent einer Bevölkerung vollständig gegen die Krankheit geimpft sein. In Deutschland wurde vor sechs Jahren eine Masern-Impfpflicht für Kita- und Schulkinder eingeführt.