Datum25.07.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Thüringen erhielten 2023 rund 23.700 Kinder Unterhaltsvorschuss, was einer Summe von 86,18 Millionen Euro entspricht. Dies war ein Rückgang zum Vorjahr. Bundespläne, die Auszahlung auf das Alter von 16 Jahren zu begrenzen, stoßen auf Kritik von Sozialministerin Schenk, die dies als falschen Weg und soziale Ungleichheit verstärkend kritisiert. Die Rückholquote des Vorschusses von säumigen Elternteilen ist niedrig (18,16% in Thüringen).
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kinder von Alleinerziehenden“. Lesen Sie jetzt „Unterhaltsvorschuss - So ist die Lage in Thüringen“. In rund 23.700 Fällen hat der Staat im vergangenen Jahr für Kinder von Alleinerziehenden in Thüringen Unterhaltsvorschuss gezahlt. Dabei ging es um eine Summe von etwa 86,18 Millionen Euro. Damit sanken die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr, wie aus Angaben des Sozialministeriums hervorgeht. 2025 wurden demnach in rund 24.500 Fällen circa 89,79 Millionen Euro gezahlt. Den Unterhaltsvorschuss übernimmt der Staat für Kinder von Alleinerziehenden, wenn ein Partner seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt. Um zu sparen, plant Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), den Vorschuss nicht mehr bis zum 18. Geburtstag eines betroffenen Kindes zu zahlen, sondern nur noch bis 16. Diese Pläne stoßen auf viel Kritik. Die Thüringer Sozial- und Familienministerin Katharina Schenk hält die Kürzung für einen Fehler und spricht von einem falschen Signal zur falschen Zeit. Sie erwarte, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern nach anderen Lösungen suche, um Familien zu stärken und sie nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. "Sozialer Zusammenhalt beginnt dort, wo der Staat die Schwächsten schützt - und nicht dort, wo er sich aus seiner Verantwortung zurückzieht", sagte die SPD-Politikerin auf Anfrage. "Wer ausgerechnet bei Kindern und Alleinerziehenden spart, verschärft soziale Ungleichheit, statt sie zu bekämpfen." Schenk betonte, dass der Unterhaltsvorschuss keine freiwillige Sozialleistung, sondern eine Absicherung für Kinder und Jugendliche gegen Armut sei. "Und die Kindheit ist mit 16 Jahren nicht vorbei. Im Gegenteil, in diesem Alter sind die Ausgaben für Schule, Ausbildung oder den Übergang ins selbstständige Leben oftmals besonders hoch." Stattdessen sollten konsequenter diejenigen in die Pflicht genommen werden, die ihrer gesetzlichen Unterhaltsverpflichtung nicht nachkämen, argumentierte Schenk. Tatsächlich gelingt es dem Staat kaum, sich den Vorschuss bei den säumigen Elternteilen wieder zurückzuholen. In Thüringen lag diese Rückgriffsquote im vergangenen Jahr laut Ministerium bei 18,16 Prozent – minimal höher als der Bundesschnitt von 17,89 Prozent. In Summe ging es dabei um einen Betrag in Höhe von knapp 15,68 Millionen Euro. Überhaupt an dieses Geld des eigentlich zur Zahlung des Kindesunterhalts verpflichteten Elternteils zu kommen, ist häufig ein langwieriges Unterfangen, wie aus Ministeriumsangaben hervorgeht. Oft verfügten die betroffenen Elternteile schlicht nicht über die Mittel, um überhaupt Unterhalt zu zahlen, zudem sei etwa längst nicht in jedem Fall der entsprechende Elternteil bekannt. "Einnahmen sind daher oft die Ergebnisse sehr vieler kleinteiliger Einzelvorgänge, wie Zahlungsvereinbarungen, Aufrechnungen, Gerichtsverfahren und Vollstreckungsmaßnahmen", heißt es aus dem Ministerium. Es zeige sich aber: Je enger eine Unterhaltsvorschussstelle – in Thüringen sind das häufig, aber nicht immer die Jugendämter – die Fälle begleite, desto weniger Vorschusszahlungen seien nötig. Entscheidend sei oft auch, dass der unterhaltspflichtige Elternteil möglichst bereits in den ersten Jahren des Leistungsbezugs auch tatsächlich zahle beziehungsweise zügig den Vorschuss zurückzahle. Vergeht mehr Zeit, steigt die Summe der fälligen Rückzahlung und die Chance, dass der Staat sich das Geld zurückholen kann, schrumpft in der Regel. Schließlich verschlechterten sich im Laufe der Zeit häufig die Arbeitsmarktchancen des unterhaltspflichtigen Elternteils, heißt es aus dem Ministerium weiter. Angaben darüber, wie viele Thüringer Eltern im vergangenen Jahr alleinerziehend waren, liegen dem Landesamt für Statistik noch nicht vor. Im vorvergangenen Jahr handelte es sich vorläufigen Zahlen der Statistiker zufolge bei rund 24 Prozent der knapp 202.000 Familien im Bundesland um Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Die Mehrzahl dieser Alleinerziehende waren Frauen (79,9 Prozent). © dpa-infocom, dpa:260725-930-435731/1