Datum25.07.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Thüringen wächst die Nachfrage nach professionellen Hochzeitsplanern, während die Zahl der Anbieter sinkt. Weniger als zehn Betriebe bieten umfassende Dienstleistungen an. Die Planung ist komplex und erfordert kreative sowie organisatorische Fähigkeiten. Kosten variieren stark, von Tagesbegleitung bis zur Komplettorganisation. Trotz rückläufiger Trauungen bleibt das Bedürfnis nach stressfreien Feiern bestehen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Hochzeiten“. Lesen Sie jetzt „Hochzeitsplanung in Thüringen: Viele Wünsche, wenige Profis“. In Thüringen steigt die Nachfrage nach professionellen Hochzeitsplanern. Das Interesse daran, die zeit- und arbeitsintensive Vorbereitung und Durchführung in die Hände von Profis zu legen, werde immer größer, sagte Nancy Krüger-Klehm, Vorstandsvorsitzende im BUND Deutscher Hochzeitsplaner und selbst Hochzeitsplanerin in Erfurt. Im Gegensatz dazu habe die Zahl der Anbieter, die diese anspruchsvolle und stark saisonale Dienstleistung anböten, im Freistaat aber in den vergangenen Jahren abgenommen. Eine offizielle Statistik über die Zahl der Hochzeitsplaner gibt es Krüger-Klehm zufolge nicht. Viele Anbieter übten die Tätigkeit lediglich nebenberuflich aus. "Ich schätze, dass es in diesem Markt in Thüringen weniger als zehn Unternehmen gibt, die Hochzeitsplanung mit einem professionellen, ganzheitlichen Leistungsangebot betreiben." Noch seltener seien Hochzeitsplaner im Hauptberuf. Allerdings gebe es zahlreiche nebenberufliche Anbieter oder Dienstleister, die einzelne Planungsleistungen anböten. Allerdings sei die professionelle Hochzeitsplanung in Thüringen noch weniger verbreitet als in den bevölkerungsreicheren Bundesländern. So sei etwa in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg oder Nordrhein-Westfalen sowohl die Anzahl spezialisierter Agenturen als auch die Nachfrage deutlich höher. Auch Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer im Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Thüringen, bestätigt den Trend zum Rundum-sorglos-Paket. Hochzeitsfeiern würden tendenziell immer größer, für die Gastronomie gebe es hier viel Potenzial. Für externe Planer würden gute Gründe sprechen, so Krüger-Klehm. Zum einen bleibe den Brautpaaren damit mehr Zeit und Sicherheit, ihren Festtag stressfreier zu genießen. Immerhin umfasse eine Hochzeit je nach Größe mehrere hundert einzelne Aufgaben und Entscheidungen, bei unvorhergesehenen Problemen müsse schnell und professionell reagiert werden. Zudem hätten professionelle Planer bessere Kontakte zu anderen Dienstleistern und Hochzeitslocations. So könnten selbst ungewöhnliche Wünsche wie ein Helikopterflug, eine Elektro-Kutsche als Brautauto, Porträtzeichner für die Festgesellschaft oder ein Wasserballett als Fest-Highlight einfacher umgesetzt werden. Ellinger zufolge hängt die Entscheidung für einen bestimmten Hochzeitsplaner sogar teilweise an der Location: So vermittelten bestimmte Hochzeitsorte wie Schlösser oder Burgen Kontakte zu bestimmten Hochzeitsplanern, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht hätten. Insgesamt habe sich das Berufsbild des Hochzeitsplaners in den vergangenen Jahren deutlich verändert, sagt Krüger-Klehm. Während es früher eher um eine reine Dienstleistung gegangen sei, reichten die Aufgaben heute von der Erstellung individueller Konzepte über die Budgetsteuerung, Projektmanagement und eine professionelle Begleitung vom ersten Gespräch bis zum Hochzeitstag. Auch der Umfang der Betreuung variiere - von der Unterstützung nur am Hochzeitstag, dem "Wedding Day Managament" bis hin zu "Full Service"-Angeboten, bei denen die Planer den gesamten Prozess organisieren. Die Kostenspanne reiche dementsprechend vom "unteren vierstelligen Bereich" für eine Tagesbegleitung bis zu 3.000 bis 8.000 Euro für eine Komplettplanung. Je nach Wunsch des Brautpaars seien die Kosten aber nach oben offen - etwa, wenn es um mehrtägige Feiern oder Premiumwünsche gehe. Da der Beruf des Hochzeitsplaners nicht geschützt ist, gibt es Krüger-Klehm zufolge die unterschiedlichsten Wege in den Beruf. Viele unterschätzten allerdings die hohen Anforderungen: Neben Kreativität und Organisationstalent seien fundierte Kenntnisse im Projektmanagement, Budget- und Zeitplanung, Vertragswesen, Kommunikation, Krisenmanagement sowie im Umgang mit unterschiedlichsten Dienstleistern und den oft sehr emotionalen Erwartungen eines Brautpaars nötig. Außerdem fänden Hochzeitsfeiern in der Regel an Wochenenden in der warmen Jahreszeit statt. "Letztlich ist es unser Job, dass andere Romantik genießen können." Das sei nicht immer einfach. Insgesamt sei die Branche deutlich weiblich geprägt, männliche Planer seien die Ausnahme. In Thüringen ist die Zahl der Eheschließungen seit 2022 rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden dem Landesamt für Statistik zufolge im Freistaat 7.168 Trauungen vollzogen. © dpa-infocom, dpa:260725-930-435517/1