Datum24.07.2026 17:18
Quellewww.zeit.de
TLDRNach einem Gewaltausbruch im Westjordanland mit sechs Toten will Israels Premier Netanjahu die völkerrechtswidrigen Siedlungen "legalisieren" und deren Ausbau beschleunigen. Bei dem Vorfall in der Nähe von Havat Gilad starben vier Palästinenser und ein Soldat sowie ein Siedlerwächter. Es gibt widersprüchliche Darstellungen zum Hergang. Das Militär bereitet einen Großeinsatz vor, begründet mit Terrorbekämpfung.
InhaltBenjamin Netanjahu will die völkerrechtswidrige israelische Siedlungspolitik beschleunigen. Anlass ist ein Gewaltausbruch, bei dem sechs Menschen getötet wurden. Nach einer erneuten gewaltsamen Konfrontation im Westjordanland mit insgesamt sechs Toten hat der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den Ausbau von Siedlungsvorposten angekündigt. Zudem sollen bereits bestehende Siedlungen zügig "legalisiert" werden, erklärte Netanjahu. Sämtliche israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland verstoßen gegen das Völkerrecht. Der jüngste Vorfall, mit dem Netanjahu seinen Vorschlag begründet, hatte sich in der Nähe der israelischen Siedlung Havat Gilad im Norden des Westjordanlands ereignet. Dabei starben im nahe der Siedlung gelegenen Dorf Tell laut palästinensischem Gesundheitsministerium vier Palästinenser, vier weitere seien verletzt worden. Nach Angaben der israelischen Armee wurden ein israelischer Soldat und ein Mitglied einer bewaffneten Wachmannschaft der Siedlung erschossen. Über den Hergang des tödlichen Vorfalls gibt es unterschiedliche Darstellungen. Der Ortsvorsteher des palästinensischen Dorfes Tell, Walid Sidan, erklärte seinerseits, dass am Morgen etwa 20 israelische Siedler das Dorf "gestürmt" hätten. Es sei zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Bewohnern gekommen. Israelische Soldaten hätten gemeinsam mit den Siedlern das Feuer eröffnet. Auf Videoaufnahmen, dessen Echtheit vom israelischen Militär bestätigt wurde, sind zwei bewaffnete Männer in Zivilkleidung sowie mindestens ein israelischer Soldat zu sehen, die ihre Waffen auf eine Gruppe von Palästinensern richten, die sich auf einem Feld versammelt hat. Die beiden bewaffneten Männer stürmen mit gezogenen Waffen auf mehrere palästinensische Dorfbewohner zu. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die Bewohner versuchen, sie zurückzudrängen, und einen der Männer offenbar entwaffnen, bevor Schüsse fallen. Die israelische Armee teilte mit, dass man den Mann getötet habe, der die Waffe des Siedlers an sich genommen habe. Er sei bewaffnet gewesen, als Soldaten auf ihn schossen. Ein weiteres Video, das von israelischen Medien veröffentlicht und vom Militär bestätigt wurde, zeigt jedoch, wie israelische Einsatzkräfte auf demselben Feld auf eine Gruppe Palästinenser feuerten, die bereits am Boden lagen. Als Folge der gewaltsamen Auseinandersetzungen der vergangenen Tage kündigte das israelische Militär an, sich auf einen umfassenden Einsatz im Westjordanland vorzubereiten. Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz begründeten das mit einem angeblichen Kampf "gegen den Terrorismus". Als weitere Maßnahmen kündigten sie den Abriss von Häusern, die Beschlagnahmung von Waffen und den Entzug von Arbeitserlaubnissen an.