Datum24.07.2026 17:02
Quellewww.spiegel.de
TLDRFriedrich Merz hat sein Kabinett umgebildet und Nina Warken zur neuen Kanzleramtsministerin ernannt. Die Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer soll Aufbruchstimmung im DFB erzeugen. Unterdessen wüten in Südeuropa verheerende Waldbrände, teils auf grausame Weise gelegt. Pep Guardiola hat eine Trainertätigkeit in Italien abgesagt, während zahlreiche Menschen in Südspanien und Frankreich evakuiert werden mussten.
InhaltCDU-Politiker Güntzler sagt dem Kanzler ab. Pep Guardiola sagt Italien ab. Aber Jürgen Klopp und Peer Mertesacker übernehmen die Nationalmannschaft. Das ist die Lage am Freitagabend. Die drei Fragezeichen heute: Es sollte ein Befreiungsschlag sein, am Ende wurde es ein Neustart mit Signalstörung. Friedrich Merz hat per Pressekonferenz vor dem Kanzleramt sein neues Kabinett vorgestellt: Nina Warken wechselt als erste Frau an die Spitze des Kanzleramts. Ihr Gesundheitsministerium übernimmt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Staatsminister im Kanzleramt zuständig für Bund-Länder-Beziehungen wird Philipp Amthor. (Lesen Sie hier mehr zu den Personalien .) Offenbar hatte Merz nach dem Abgang von Jens Spahn einen größeren Regierungsumbau geplant. Auf der Pressekonferenz sprach er seltsam kryptisch davon, dass noch "weitere Veränderungen im Bundeskabinett" anstünden, über die er die Öffentlichkeit "zu gegebener Zeit" informieren werde. Nach SPIEGEL-Informationen ging man im Kanzleramt am Donnerstagabend noch davon aus, dass der CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler von Patrick Schnieder das Verkehrsministerium übernehmen würde. Doch aus Unionskreisen heißt es nun, Güntzler habe kurzfristig abgesagt. Womöglich war es da schon zu spät, um die geplante Pressekonferenz zum Kabinettsumbau noch abzusagen. Wenn die Nachricht von der Ablösung eines Ministers die Runde macht, bevor ein Nachfolger gefunden ist, spricht das nicht für die Kommunikationskünste eines Kanzlers. Menschliches Regierungsmanagement sieht auch anders aus. (Hier alle Entwicklungen im Minutenprotokoll .) Aber es passt ins desaströse Bild der Deutschen Bahn, dass sich die Bereitstellung des neuen Verkehrsministers auf unbestimmte Zeit verzögert. Mein Kollege Roland Nelles bewertet die Merz-Neuaufstellung kritisch: Mehr als "ein bloßes Herumschieben der üblichen Figuren ist bislang nicht zu erkennen. Es gilt der alte Spruch: Mancher hinterlässt andernorts eine Lücke, die ihn vollständig ersetzt." (Hier sein Kommentar ) Der Deutsche Fußball-Bund hat Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer verpflichtet. Per Mertesacker soll DFB-Geschäftsführer werden. Bisher war Klopp für Red Bull tätig. Der Getränkekonzern erhält für die Freigabe des Mannes mit dem magischen Zahnpasta-Lächeln ungewöhnliche Zuwendungen : Eine Million Euro gehe an die Red-Bull-Stiftung Wings for Life. Außerdem sollen bis ins Jahr 2030 drei Männer-Länderspiele in Leipzig bestritten werden. Dort ist der von Red Bull gegründete und gesponserte Bundesligist RB Leipzig beheimatet. Beide Maßnahmen sind in der DFB-Geschichte ungewöhnlich. (Hier mehr zur Vorstellung Klopps .) Aber die Not des deutschen Fußballs ist ungewöhnlich groß. Klopp will für Aufbruchsstimmung sorgen. Ein zentraler Satz der heutigen Pressekonferenz lautete: "Ich habe ein paarmal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann. Und ich bin mir sicher, dass erfolgreicher Fußball auch ein ganzes Land verändern kann." Wie genau er das machen will, sagte Klopp nicht. "Aber das ist ja aus Sicht des DFB so ein bisschen der Zauber dieser Personalie", analysiert mein Kollege Jörn Meyn: "Klopp muss noch gar nicht viel Fachliches erklären. Allein, dass er da ist, wird schon etwas Euphorie bei den Fans auslösen." (Lesen Sie hier Jörns Kommentar .) Italien ist bei der Suche nach einem neuen Nationaltrainer weniger erfolgreich. Wunschkandidat Pep Guardiola informierte den italienischen Fußballverband heute darüber, dass er für den Posten nicht zur Verfügung stehe. Sie sind zerstörerisch und breiten sich rasant aus. Verheerende Waldbrände zwingen derzeit Zehntausende Menschen in Europa zur Flucht. Was über die Lage bekannt ist, haben meine Kolleginnen Alexandra Berlin und Julia Köppe und mein Kollege Niklas Marienhagen zusammengetragen. (Hier mehr .) Besonders schockierend: Manche der Brände sollen absichtlich gelegt worden sein. Und zwar unter anderem mit Katzen. In Italien habe der kalabrische Zivilschutz mitgeteilt, dass Katzen gefunden worden seien , deren Schwänze mit einem in einer brennbaren Flüssigkeit getränkten Lappen umwickelt waren. Sie seien mutmaßlich angezündet worden, damit die Tiere bei ihrem Weg durch hohes Gras das Feuer verbreiteten. Nicht umsonst nennt man Brandstifter in Deutschland gerne "Feuerteufel". Böser als jemand, der mittels Katzenquälerei mutwillig Landschaft, Heimat, Lebensräume zerstört, kann man sich kaum verhalten. An Frankreichs Atlantikküste wurden rund 63.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Im Großraum Madrid mussten mehr als 10.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Spanien hat für zwei Regionen den Notstand ausgerufen. Das Land erlebt derzeit eine Hitzewelle – nachdem schon der Juni in Westeuropa außergewöhnlich heiß war. Den Vereinten Nationen zufolge gilt der Monat als wärmster seit Beginn der Aufzeichnungen . Wie ein mutmaßlicher Betrüger den Mitgründer von Delivery Hero austricksen wollte: Der schillernde Investor Florian Fritsch suchte die Nähe des erfolgreichen Start-up-Mitgründers Markus Fuhrmann. Eine Freundschaft mit beinahe fatalen Folgen . Nepo Baby in Nöten: Kinder berühmter Eltern haben es mitunter nicht leicht. Das berichtet auch Gloria-Sophie Burkandt, 27, Tochter von Markus Söder, 59. Sie hat nach eigenen Angaben in der Schule heftiges Mobbing erlebt. In der zweiten Folge der ProSieben-Doku-Serie "Born Famous – Fluch oder Segen" erzählt sie, dass sie aus Angst vor Schlägen mit Schienbeinschonern in die Schule gegangen sei. Ihr Vater sagt, sie habe "keinen einfachen Weg hinter sich". Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Wenn die Bayreuther Festspiele ab diesem Wochenende ihr 150-jähriges Bestehen feiern, steht eine ganze Reihe von Feierlichkeiten an. Jedoch: "Die Erben von Richard Wagner tun sich bis heute schwer, zu ihrer Rolle als Königsfamilie des Dritten Reichs zu stehen", berichtet mein Kollege Sebastian Hammelehle. (Hier der Bericht. ) Am ersten Jubiläumswochenende zeigt Katharina Wagner die Oper "Rienzi". Es ist die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Volkstribuns im mittelalterlichen Rom, eines Populisten, der glaubt, zum Befreier berufen zu sein. Angeblich sah Hitler die Oper mit 16 zum ersten Mal und wurde dann ihretwegen Politiker. Eigentlich sei viel bekannt über die Abgründe, die sich neben den ästhetischen Höhen auf dem Grünen Hügel auftaten. "Aber in Bayreuth ist davon bis heute wenig zu sehen", meint Sebastian. Am Sonntag immerhin findet die Gedenkveranstaltung "Verstummte Stimmen" statt, zu der Publizist Michel Friedman erst eingeladen, dann ausgeladen und dann wieder eingeladen wurde. Er wird, so heißt es in der Ankündigung "die historische Verantwortung Bayreuths in den Kontext deutscher Geschichte und Gegenwart einordnen". Ab kommender Woche geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories - alles, was am Tag wirklich wichtig ist. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. HerzlichIhre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion