Datum24.07.2026 16:44
Quellewww.zeit.de
TLDRFeuerwehren in Deutschland mangelt es an Routine im Umgang mit brennenden Batteriespeichern. Experten sehen dies als normale Entwicklung, da solche Großbrände selten sind und Schulungen Jahre dauern werden. Bisher existiert kein standardisiertes Vorgehen, jedoch gibt es Fachempfehlungen und Leitfäden, die auf Risiken wie "Thermal Runaway" eingehen. Hersteller von Energiespeichern werden ebenfalls in der Pflicht gesehen, das Thema Sicherheit zu priorisieren.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Notfälle“. Lesen Sie jetzt „Feuerwehr kämpft mit neuen Risiken bei Batteriespeichern“. Den Feuerwehren in Deutschland fehlt noch Routine beim Löschen brennender Batteriespeicher. Brand- und Katastrophenexperte Rolf Erbe hält das für eine normale Entwicklung. "Feuerwehren lernen aus Erfahrung, das war immer schon so. Diese Erfahrung haben wir bei Großspeichern noch nicht. Da passiert zum Glück sehr wenig", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb gebe es keine probaten Verfahren, um sagen zu können, man solle es immer genau so und so machen. In Bautzen hatte in den vergangenen Tagen ein Batteriespeicher gebrannt. Die Feuerwehr löschte ihn nach längeren Bemühungen mit Wasser, nachdem die Hülle des in einem Container befindlichen Speichers mit Hilfe von Maschinen geöffnet worden war. Erbe, der viele Jahre als Pressesprecher der Berliner Feuerwehr agierte, gilt als ausgewiesener Experte und hatte die Kollegen in Bautzen beraten. "Wir haben rund eine Million Feuerwehreinsatzkräfte in Deutschland. Bis alle geschult sind, wird das Jahre dauern", sagte Erbe. Allerdings gebe es Netzwerk der Feuerwehrschulen und in jedem Bundesland Experten für solche Fälle. Erbe sieht aber auch die Hersteller von Energiespeichern in der Pflicht, das Thema Sicherheit stärker in den Fokus zu rücken. Ein standardisiertes Vorgehen beim Umgang mit brennenden Batteriespeichern gebe es bisher nicht, allerdings gebe es wie bei jedem Brand Grundsätze für den Löscheinsatz, stellte Erbe klar. Im Umgang mit Großspeichern existierten bereits Fachempfehlungen, auch auf Tagungen und in Fachartikeln habe das schon eine Rolle gespielt. Er verwies auf einen Leitfaden des Bundesverbandes Energiespeicher Systeme BVES. Darin wird etwa auch das Thermal Runaway (TR) - Thermisches Durchgehen - bei Lithium-Ionen-Batteriezellen beschrieben. Konkret betrifft das einen sich selbstverstärkenden chemischen Prozess in einer Zelle, bei dem exotherme Reaktionen durch steigende Temperatur ausgelöst und weiter beschleunigt werden. "Die entstehende Wärme kann nicht hinreichend abgeführt werden, was zu einem unkontrollierten Temperaturanstieg führt. Die Reaktionen verlaufen ab einem gewissen Schwellenwert irreversibel und lassen sich nicht mehr kontrolliert stoppen", heißt es im Leitfaden. Die Auslöser eines TR könnten thermischer, elektrischer und mechanischer Natur sein. © dpa-infocom, dpa:260724-930-434046/1