Budgets der Tour-de-France-Teams: Geld radelt ins Gelbe Trikot

Datum24.07.2026 12:56

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Tour de France ist eine Zweiklassengesellschaft, in der wenige Teams mit riesigen Budgets (ca. 60 Mio. Euro) Topfahrer wie Tadej Pogačar verpflichten und um den Gesamtsieg kämpfen. Der Großteil der Teams muss sich mit kleineren Zielen wie Etappensiegen begnügen, da sie sich solche Stars nicht leisten können. Der junge Hoffnungsträger Paul Seixas steht im Fokus großer Teams, was die finanzielle Kluft verdeutlicht. Reformvorschläge zielen darauf ab, den Radsport lukrativer zu machen.

InhaltDie Tour ist eine Zweiklassengesellschaft: Weil sich nur ganz wenige Teams die Topfahrer wie Tadej Pogačar leisten können. Der Rest muss sich andere Ziele setzen. Sogar Emmanuel Macron mischte sich in die Debatte ein. Als Frankreichs Staatspräsident bei der sechsten Etappe der Tour de France zu Gast war, sprach er auch mit der großen französischen Tour-Hoffnung, dem 19-jährigen Paul Seixas, aktuell Vierter der Tour-Gesamtwertung. Mehrere Medien berichteten anschließend, Macron habe Seixas eindrücklich geraten, seinen Vertrag bei Decathlon CMA CGM zu verlängern. Der talentierteste Franzose soll auch bei einem französischen Team fahren. Doch das könnte sich bald ändern. Selbst für ein finanzstarkes Team wie Decathlon CMA CGM dürfte es schwer werden, Seixas zu halten. Die französische Mannschaft ist die Koalition eines Sportartikelherstellers (Decathlon) und eines Logistikunternehmens (CMA CGM). Gemeinsam sollen beide Firmen 45 Millionen Euro pro Jahr investieren. Andere Teams können Seixas, dessen Vertrag noch bis Ende 2027 läuft, mehr Gehalt bieten. Das Wettbieten hat bereits begonnen. Das Team Pinarello Q36.5, das gar nicht zur World Tour, also der ersten Radsportliga zählt, möchte ihn mit einem Jahresgehalt von 13 Millionen Euro zu sich locken. Seixas selbst sagte der ZEIT kurz vor dem Tourstart: "Ich kann dazu nur sagen, dass ich einen Vertrag habe. Und dass ich ihn zu erfüllen gedenke." Was von außen an ihn herangetragen wird, versuche er zu ignorieren. Decathlon habe ihm zudem noch keinen neuen Vertrag angeboten. Am begehrten Seixas zeigt sich die Zweiklassengesellschaft des Pelotons. Einen solchen Fahrer, der womöglich mal die Tour de France gewinnen wird, können sich nur ganz wenige Teams leisten. Der Großteil der 23 Mannschaften, die bei der Tour antreten, kann die Rundfahrt nicht gewinnen. Sie müssen sich andere Ziele setzen, das Bergtrikot oder wenigstens einen Etappensieg. Geld radelt eben doch ins Gelbe Trikot. Realistische Chancen darauf haben nur vier Teams, die jeweils über ein Jahresbudget von um die 60 Millionen Euro verfügen sollen. Während sich die meisten anderen Teams gar keinen Topfahrer leisten können, leisten sie sich zum Teil gleich mehrere. Neben Netcompany Ineos, dem Team des Toursiegers von 2019 Egan Bernal, das aktuell allerdings nach einem Fahrer wie Seixas sucht, sind das: UAE Team Emirates-XRG, Visma-Lease a Bike und Red Bull-Bora-hansgrohe. Diese drei Teams belegen folglich auch die ersten drei Plätze in der Weltrangliste: UAE hat 2026 bereits 57 Erfolge eingefahren, Red Bull folgt dahinter mit 34 Siegen, Visma kommt auf 30. UAE leistet sich nicht nur den slowenischen Topstar des Radsports, Tadej Pogačar, der aller Voraussicht nach am Sonntag zum fünften Mal die Tour gewinnen wird und jährlich acht Millionen Euro verdienen soll. Pogačars Kronprinz, der Mexikaner Isaac del Toro, liegt aktuell auf Platz drei der Tour-Gesamtwertung. UAE baut den 22-Jährigen als Nachfolger Pogačars auf, auch er verdient entsprechend großzügig. Und obwohl UAE auch noch das insgesamt beste Team der Welt stellt, hat es Seixas bereits Avancen gemacht. Genau wie Richard Plugge, der Besitzer des niederländischen Teams Visma-Lease a Bike. Plugge betonte unlängst, Seixas könne bei ihm nicht nur herausragend verdienen, sondern vor allem in einem Umfeld reifen, das als besonders innovativ gilt und die trainingswissenschaftliche Avantgarde im Fahrerfeld ist. Bei Visma steht der zweimalige Toursieger Jonas Vingegaard unter Vertrag. Er lag bis zu seinem sturzbedingten Ausscheiden während der 15. Etappe auf Platz zwei. Diese Position nimmt nun der teure Neuzugang von Red Bull-Bora-hansgrohe ein: Remco Evenepoel. Für ihn bezahlte das Team von Manager Ralph Denk eine hohe einstellige Millionensumme als Ablöse – was nur sehr selten vorkommt im Radsport-Business. Evenepoels Gehalt entspricht dem von Pogačar. Den Vertrag des deutschen Tourdritten aus dem Vorjahr, Florian Lipowitz, verlängerte das Team im Vorjahr "zu deutlich besseren Konditionen", wie Denk im Dezember mit sichtbarem Stolz verkündete. Wie lange Lipowitz’ Vertrag läuft, ist wie bei Evenepoel geheim. Denk hatte sich noch vor ein paar Jahren beklagt, die Finanzstärke der Teams UAE, Ineos und Visma erdrücke sein Team. "Die haben so viel Geld, da kommen wir nicht mit", sagte er am Rande einer Pressekonferenz zwei Tage vor dem Start der Tour de France 2019. Woraufhin er eine Obergrenze für Jahresbudgets forderte, "20 Millionen Euro" waren sein Vorschlag. Doch vor zwei Jahren stieg Red Bull bei Denks Team ein. Seitdem gehört Red Bull-Bora-hansgrohe zum erlesenen Kreis der Teams, die ums Gelbe Trikot fahren. Ralph Denk glaubt zudem, der Weltverband UCI lasse noch einiges an Geld liegen. Er hat Ideen, wie man noch mehr Geld einnehmen könne. "Wir haben oft Rennen, die sich überlappen. Das wäre so, als würde die Formel 1 an einem Wochenende einen Grand Prix in Monaco und einen in Silverstone ausrichten. Es wäre schön, wenn die besten Profis im Idealfall an jedem Wochenende oder auch im Rhythmus von zwei Wochen gegeneinander antreten würden." Das generiere mehr Interesse. Tatsächlich trafen Pogačar, Vingegaard, Evenepoel und Lipowitz in diesem Jahr erstmals bei der Tour aufeinander. Auch bei der Vermarktung sieht Denk Verbesserungsbedarf. Er spricht sich für eine zentrale Vermarktung aus. "Jeder Veranstalter hat andere Werbebanden verkauft. Da sind uns andere Institutionen wie die Fifa, die Uefa oder das IOC deutlich voraus. Eigentlich haben wir mit der World Tour ja schon eine Serie. Kurioserweise aber kocht jeder Veranstalter in Bezug auf die Vermarktung ein Stück weit sein eigenes Süppchen." "Insgesamt", sagt Denk, "sehe ich Riesenpotenzial darin, den Radsport lukrativer zu machen." Und auch seinen Etat noch größer.