Datum24.07.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDROstbeauftragte Elisabeth Kaiser äußert Bedenken über das Vertrauen der Bürger in die Politik, das durch Corona und aufeinanderfolgende Krisen tief erschüttert wurde. Eine Umfrage bestätigt ein starkes Misstrauen und Zweifel an der Bürgernähe der Politiker. Kaiser betont, dass mangelnde Rückkopplung von Entscheidungen mit der Bevölkerung „Gift für die Demokratie“ sei und kündigt Bürgerdialoge an, um dem entgegenzuwirken.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „"Gift für die Demokratie"“. Lesen Sie jetzt „Ostbeauftragte: Corona war für viele tiefer Vertrauensbruch“. Wenige Wochen vor den wichtigen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigt sich die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser besorgt über den Verdruss vieler Menschen über die Politik. "Ich glaube, dass dieses Misstrauen, auch diese Enttäuschung ganz stark mit Corona einherging und den damaligen Entscheidungen", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "Da ist, glaube ich, ein tiefer Vertrauensbruch entstanden." Danach seien der Ukraine-Krieg, die Energiekrise, die wirtschaftliche Transformation, der Innovationsdruck aus China und die Gefahren für Arbeitsplätze gefolgt. "Das sind alles Situationen, die die Menschen enorm verunsichern", sagte Kaiser. Hinzu kämen nun Sparzwänge. Laut einer neuen YouGov-Umfrage sehen im Westen 66 Prozent und im Osten sogar 71 Prozent nicht, dass Politiker anstreben, die Interessen der Bevölkerung zu vertreten. Acht von zehn Befragten bezweifeln, dass sich Politiker um Kontakt zur Bevölkerung bemühen. 50 Prozent im Westen und 56 Prozent im Osten sehen Korruption und Fehlverhalten von Politikern als Schwachpunkt der Demokratie. YouGov hatte jeweils knapp 1.600 Menschen in West- und Ostdeutschland befragt. Die Ergebnisse liegen dpa exklusiv vor. Kaiser sagte, auch die Debatte über Zuzahlungen für Gesundheit und Pflege oder über die Rente verunsichere Menschen. Positive Dinge würden nicht mehr wahrgenommen, "weil die Diskussion so krass ist, so aufgeladen teilweise und voller Empörung". Sie fügte hinzu: "Es ist natürlich Gift für die Demokratie, wenn Entscheidungen nicht mehr rückgekoppelt werden mit der Bevölkerung." Nach den Reformbeschlüssen vor der Sommerpause gehe sie jetzt bewusst in den Bürgerdialog, sagte die Bundestagsabgeordnete aus Gera. "Das wird nicht einfach, aber ich glaube, das müssen wir immer wieder versuchen, diese Präsenz vor Ort zu zeigen." Auch Tür-zu-Tür-Wahlkampf sei schwer in Ostdeutschland, die Reaktionen teilweise sehr harsch oder sogar bedrohlich. Trotzdem sei das Aufsuchen wichtig, "weil die Leute teilweise schon so enttäuscht sind, dass sie einfach auch nicht mehr kommen zu den Veranstaltungen", sagte Kaiser. © dpa-infocom, dpa:260724-930-430158/1