Datum24.07.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIm Hamburger Rathausmarkt hat das Restaurant "Pinot" mit Mittelmeerküche und Avantgarde-Weinen eröffnet, das trotz teurer Lage junge Gäste anzieht. Ein brennender LKW legte die A1 lahm, und die Polizei nahm einen mutmaßlichen Schleuser fest. Ein fünfstöckiges Gebäude in Altona muss wegen Einsturzgefahr evakuiert werden. Eine Ausstellung über Samuel Beckett beleuchtet seine prägende Deutschlandreise 1936, die auch Hamburg einschloss.
InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – mit einem Nobelpreisträger auf der Reeperbahn, dem Ende des Frisörsalons der Beatles und einem Einsturzhaus in Altona verbringen Sie den Sommer daheim? Ich bin kürzlich auf ein Lokal gestoßen, wo man nicht nur draußen sitzen, sondern auch die eigene Stadt wie ein Urlauber erleben kann. Der Rathausmarkt ist ja kein Ort, an dem man als Hamburger länger verweilt, geschweige denn einkehrt. Doch nun hat sich etwas getan in den ehedem traurigen grünen Pavillons unter den Glasarkaden. Es gibt dort neue Lokale, das ambitionierteste heißt Pinot. Eine Weinbar, die auch kleine Speisen anbietet – wie immer man sie zubereiten kann in der winzigen Küche. Die Karte wechselt ständig, angepasst an die Saison und die Temperaturen. Ich hatte ein Pan con Tomate mit erstklassigen Anchovis, dann Artischockenherzen mit Zitrone, Minze und gerösteten Haselnüssen. Mittelmeerküche, wie man sie mag, wenn man in der Sonne sitzt. Es gibt aber auch kühnere Sachen wie Weinbergschnecken mit frittiertem Bärlauch und Chili-Öl. Mutig ist auch die Weinkarte, die nicht mit Lugana oder Primitivo langweilt, sondern ganz auf europäische Avantgarde-Winzer setzt. Ob das mal funktioniert, fragte ich mich; der Rathausmarkt ist nicht gerade die Terrasse des Hotel Louis C. Jacob. Aber ringsum saßen genügend junge Leute, die sich schon am Nachmittag eine Flasche teilten. Und wahrscheinlich macht gerade dieser Gegensatz das Pinot besonders: Man ist es einfach nicht gewohnt, auf diesem Platz bequem zu sitzen, freundlich bedient zu werden und etwas sehr Gutes zu schmecken, während man dem Leben zuschaut. Zur Empfehlung noch das Kleingedruckte: Man zahlt hier auch für die Lage (das Tomatenbrot zum Beispiel kostet 15 Euro). Und wegen der kleinen Küche sollte man Zeit mitbringen. Aber das passt ja zum Thema Urlaub. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Die Feuerwehr hat 14 Bewohner aus einem akut einsturzgefährdeten Haus in Altona in Sicherheit gebracht. Das fünfgeschossige Gebäude in der Holstenstraße weise massive Risse in tragenden Bauwerksteilen auf, sagte ein Sprecher. Man könne darin nicht mehr wohnen. Hamburg hat im vergangenen Jahr etwas weniger Geld für Asylsuchende ausgegeben als im Vorjahr. Die Summe sank auf 241,5 Millionen Euro und lag damit 14,5 Millionen Euro unter dem Betrag von 2024. Mehr als drei Viertel der Summe wurden zur Deckung des täglichen Bedarfs verwendet, mit dem Rest seien Krankenbehandlungen bezahlt worden. Zwei Jahre nach dem Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg (IZH) bleibt die Nutzung der Blauen Moschee an der Außenalster ungewiss. Das IZH galt als Außenposten der iranischen Regierung. Nach Angaben der Innenbehörde lebt in Hamburg die größte iranische Community innerhalb der EU, verschiedene Exilgruppen würden das Gotteshaus gerne übernehmen. Einst wurden hier die Beatles frisiert, bald niemand mehr: Franz Stenzel (81) und Ute Bickeleit (63) schließen den Salon Harry in der Davidstraße 23 auf St. Pauli zum Monatsende. Eine Nachfolgelösung für den Salon sei nicht gefunden worden. Aus den Polizeimeldungen: Ein brennender Lastwagen hat gestern den Verkehr auf der A1 stundenlang lahmgelegt. Und bei der Durchsuchung einer Reihe von Immobilien in Hamburg hat die Bundespolizei einen mutmaßlichen Schleuser festgenommen. Er soll gewerbsmäßig Frauen aus Südamerika als Prostituierte nach Deutschland gebracht haben. Der irische Schriftsteller Samuel Beckett besuchte 1936 auf seiner Deutschlandreise auch Hamburg. Und entwickelte starke Gefühle. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von Oskar Piegsa. Den Michel findet er furchtbar. "Unbelievably awful", notiert der Reisende nach dem Besuch im Tagebuch. Vom Wetter hält er ebenso wenig, es sei oft "filthy", "foul" und "frightful". Auch der Reeperbahnbummel wird zur Enttäuschung: "Had a couple of beers. Everything very dull & disappointing." Was Samuel Beckett wohl über die Elbphilharmonie gedacht hätte? Als er am Morgen des 2. Oktober 1936 in Hamburg seinem Dampfer entsteigt, ist die Elphi noch längst nicht gebaut. So bleibt wenigstens ihr sein Urteil erspart. Es ist eines der literarischen Ereignisse des Jahres, wenn Samuel Becketts German Diaries am 20. August veröffentlicht werden. 1.348 Seiten hat der Suhrkamp Verlag angekündigt, durchgehend zweisprachig auf Englisch und Deutsch. Anschließend folgen Übersetzungen ins Französische, Spanische, Italienische und Chinesische. Denn Samuel Beckett, geboren 1906 in Dublin, ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Viele kennen sein Theaterstück Warten auf Godot oder zumindest dessen Titel. 1969 bekam er den Nobelpreis für Literatur. Als er 20 Jahre später in seiner Wahlheimat Paris starb, war er ein berühmter Mann. Doch im Oktober 1936, zu Beginn seiner Deutschlandreise, ist Beckett 30 Jahre alt und kaum bekannt. Zwei Romane hat er bereits geschrieben, kein Verlag will sie drucken. Nach Deutschland zieht es ihn, weil er die Sprache meistern möchte. Französisch und Italienisch hat er studiert, im Deutschen ist er weit genug, um Faust im Original zu lesen. Nun will er lernen, wie in Hamburg oder Berlin auf der Straße gesprochen wird. Im Tagebuch hält er Vokabeln fest. Am 9. Oktober etwa notiert er, dass man Menschen, mit denen man isst, als "Tischgenossen" bezeichnet – keinesfalls als "Mitesser". Außerdem will Samuel Beckett Kunst sehen. Gemälde werden damals in Büchern nur in Schwarz-Weiß abgebildet, wenn überhaupt. Beckett reist fünf Monate lang durch Deutschland, neun Wochen bleibt er in Hamburg und besucht elfmal die Kunsthalle. Über die von den Deutschen verehrten Maler der Romantik schreibt er: "a whole room of Quatsch". Doch er sieht auch Gutes in der Kunsthalle. Und bei Spaziergängen um die Alster wird er schwärmerisch: "utmost enjoyment", der größte Genuss! Wie Samuel Beckett damals den Nationalsozialismus wahrnahm – im Alltag und auch in der Kunsthalle, wo er erlebte, wie moderne Malerei von den Wänden verschwand – das lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) "Beim Kauf eines Kindes ist einfach Schluss" Konservative Katholiken sind empört über die Art, wie Jens Spahn Vater wurde. Doch auch fortschrittliche Christen kritisieren ihn, etwa ein Pastor auf St. Pauli. ZEIT-Redakteurin Evelyn Finger skizziert die Positionen der Kirchenmänner. → Zum Artikel (Z+) Der Sammler Rik Reinking hat mit dem Woods Art Institute einen sehenswerten Kunstort vor den Toren Hamburgs geschaffen. Aktuell ist die Ausstellung What Paradise!? mit Werken des griechischen Künstlers Dimitris Tzamouranis zu sehen. Die großformatigen Gemälde treten in Dialog mit der Sammlung Reinking und greifen aktuelle politische Themen auf. Das WAI liegt in einem als Landsitz mit Parkanlage angelegten Gelände in Wentorf – der Außenraum ist zugleich Landschafts- und Skulpturenpark. "What Paradise!?" bis 3. Januar 2027, Woods Art Institute (WAI), Golfstraße 5 in Wentorf; Wochenende und Feiertage, 11 bis 18 Uhr; Café vor Ort Neulich in der Nähe eines Verkehrsübungsplatzes mit Gokarts für Kinder: Ein etwa 9 Jahre alter Junge erzählt seinem Vater ganz aufgeregt, was er erlebt hat: "Da hat mich ein Junge geärgert. Der ist immer ganz dicht hinter mir hergefahren. Das fand ich doof. Dann habe ich einfach den Spießer umgedreht und bin hinter ihm hergefahren." Gehört von Tina Seidel Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.